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hieſige Ackerbauſchule von ihrer Verbindung mit der Realſchule loszulöſen und direct unter den landwirth⸗ ſchaftlichen Provinzialverein und das zu gründende Curatorium zu ſtellen, die Mitbenutzung der Lehrmittel und des Lokales der Realſchule der Einwilligung der zuſtändigen Behörden, die Mitwirkung der Reallehrer der freien Vereinbarung in der ſeitherigen Weiſe zu belaſſen, wobei er endlich noch im Intereſſe der Realſchule die fernere Gewährung des Lokales bei der ſteigenden Frequenz der Realſchule als unthunlich bezeichnete.
In den nun folgenden Sitzungen des Curatoriums wurde der Lehrplan der Ackerbauſchule in der im Jahresbericht angegebenen Weiſe feſtgeſtellt und als weſentliche Aenderung von dem ſeitherigen Plane, nach welchem der Lehrer der Landwirthſchaft eine Ueberſicht über die wichtigſten Theile der Landwirthſchaft gegeben hatte, dem Lehrer der Landwirthſchaft aufgegeben, einen Theil der ganzen Landwirthſchaftslehre in jedem Winter durchzunehmen und auch ſprachlich in mündlicher und ſchriftlicher Darſtellung ſo durchzugehen, daß ſowohl ein gründliches Verſtändniß erzielt, als auch der durchgenommene Lehrſtoff zum bleibenden Eigen⸗ thum gemacht würde..
Am 5. April ſtarb der Realſchüler Franz Budde, Sohn des Herrn Buchdruckers Hubert Budde, nach ſehr kurzem Krankenlager. Die Beerdigung, welcher alle Klaſſen der Realſchule und das ganze Lehrer⸗ perſonal beiwohnten, fand am 7. April ſtatt. Der Verſtorbene war ſeit Januar 1872 Schüler der hieſigen Realſchule und hatte die fünfte Klaſſe derſelben vollſtändig, die vierte theilweiſe abſolvirt. Die berechtigten Hoffnungen, welche ſeine ſchwergeprüften Eltern auf ihn ſetzten, ſind zwar durch ſeinen Tod zerſtört; allein die Liebe und Treue, womit der Frühverſchiedene ſeiner Mutter während der Krankheit ſeines Vaters helfend zur Seite ſtand, webt das Band liebender Erinnerung und verheißener Vereinigung um die getrennten Herzen, wie Henriette Ottenheimer ſagt:
Tod iſt nicht Trennung, denn der Glaube webt Aus ächtem Gold der Treue feſtes Band,
Das zieht vom Reich, wo frei die Seele lebt, Sich unſichtbar durch dieſes Pilgerland,
Das rauſcht um lieber Weſen Todtenhügel,
An welchem ſchmerzbethränt das Auge weint, Wie Harfenklang, wie freier Engelsflügel Verheißung,— daß uns Liebe noch vereint. Tod iſt nicht Trennung; reiches Leben reiht Sich an die Stunde, die ein Auge ſchloß,
Nur Treue iſt es, die das Leben weiht,
Und ſchöner blüht ſie auf im Himmels⸗Schooß. Drum kann der Tod Verbundenes nicht trennen, Ob er auf Augenblicke auch entzieht;
Einſt fühlen wir beim ewigen Erkennen,
Daß, was uns rein entflammte, fortgeglüht.
Am 6. Juni ſtarb der Realſchüler Georg Klinger von König, Sohn des Herrn Müllers Martin Klinger daſelbſt. Er war erſt ſeit Beginn des Sommerſemeſters d. J. hier eingetreten, nachdem er ein Jahr die Realſchule zu Darmſtadt beſucht hatte. Da er dort ſchon körperlich leidend war, hatten ihn ſeine Eltern auf ärztlichen Rath zu ſeiner Wiederherſtellung zu ſich genommen und in die näher gelegene Real⸗ ſchule zu Michelſtadt eintreten laſſen. Leider ſind die Hoffnungen ſeiner Eltern auf Wiedergeneſung nicht in Erfüllung gegangen, da der Tod ihn ſchon kurze Zeit nach ſeiner Heimkehr ins väterliche Haus den Seinen entrückte, um ihn in die eigentliche Heimat der Seele zu führen.
Der Geburtstag Sr. Majeſtät des deutſchen Kaiſers, ſowie der Geburts⸗ und Namenstag Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs wurden von der Anſtalt in herkömmlicher Weiſe gefeiert.
Das Andenken an die außerordentlichen Begebenheiten des 2. September wurde ſowohl durch eine kirchliche, als auch durch eine dieſem Tage entſprechende Schulfeier geehrt. Die Real⸗ u. Vorbereitungs⸗ ſchule, das Mädcheninſtitut und ſämmtliche Stadtſchulen, von ihren Lehrern geführt, zogen nach beendigter Kirchenfeier auf den Turnplatz, wo nach Abſingung eines patriotiſchen Liedes Herr Reallehrer Becker eine Anrede an die Schulen hielt, in welcher er die Urſachen und den Verlauf des Krieges von 1870 ſchilderte
Fn insbeſondere auf die Forderungen, die jene Begebenheiten an die Jugend unſeres Vaterlandes ſtellen, hinwies. 8


