17 ſchädigt deren Intereſſe. Wir haben uns daher mit nachfolgenden Fragen an die Directionen der Realſchulen zu Offenbach, Alzei, Friedberg und Alsfeld gewandt:
1. Iſt die Vorbereitungsſchule in N. eine öffentliche, mit der Realſchule in Verbindung ſtehende Anſtalt?
2. Wem ſteht die Oberleitung derſelben zu?
3. Sind die Lehrer der beiden Anſtalten, der Real⸗ und Vorbereitungsſchule, gegenſeitig verwendbar?
4. Wer verſieht die Verwaltung der Fonds der Vorbereitungsſchule, werden dieſelben beſonders verrechnet oder ſind ſie mit dem Realſchulfonds vereinigt?
Die hierauf bezüglichen Antworten ergaben übereinſtimmend, daß dieſe Anſtalten öſſentliche, mit den betreffenden Realſchulen in organiſcher Verbindung ſtehende Schulen ſind, daß die Oberleitung daher den Directionen der Realſchulen zuſtehe, daß die Lehrer, wo nicht beſondere Lehrer für die Vorbereitungs⸗ ſchule angeſtellt ſind, zum Theil an beiden Schulen wirken, daß die Fonds mit den Realſchulfonds ver⸗ einigt ſind. In der Generalverſammlung der Eltern der die Vorbereitungsſchule beſuchenden Kinder wurde hierauf am 15. Mai 1872 beſchloſſen, ein Erſuchen an den Gemeinderath der Stadt Michelſtadt zu richten, die Verwaltung der Fonds der hieſigen Vorbereitungsſchule auf die Stadtkaſſe zu übernehmen, reſp. mit dem Realſchulfonds zu vereinigen, und wegen Erhebung der Vorbereitungsſchule zu einer öffentlichen, mit der Realſchule in organiſche Verbindung tretenden Anſtalt mit der Direction der Realſchule in Benehmen zu treten. Dieſem Erſuchen lag eine genaue Ueberſicht des Vermögensſtandes der Anſtalt bei. Der Gemeinde⸗ rath ſchlug die Gewährung dieſes Geſuches in Anbetracht, daß der Stadt durch Uebernahme dieſer Schule, wenn auch nicht gleich, doch in Zukunft Laſten erwachſen würden, ab. In einer weiteren Generalverſamm⸗ lung am 1. Nov. 1872 wurde eine Commiſſion, beſtehend aus Herrn Dr. med. Weyprecht, Herrn Lehrer Eidmann, Herrn Gerber Braun und dem Unterzeichneten gewählt, um das Geſuch an den Stadtvorſtaud unter Angabe der Motive zu erneuern. Man hat in dieſem Geſuch beſonders hervorgehoben, daß die Er⸗ hebung der Vorbereitungsſchule zu einer öffentlichen, mit der Realſchule in organiſche Verbindung tretenden Anſtalt die Exiſtenz und fortſchreitende Leiſtungsfähigkeit derſelben ſichern werde, indem dadurch die theil⸗ weiſe Mitwirkung der Realſchule und die definitive Anſtellung eines tüchtigen Lehrers ermöglicht werde; man hat auf den Vorgang der übrigen Realſchulen hingewieſen und die Befürchtung, daß der Stadt durch Uebernahme der Schule neue Laſten erwachſen würden, durch einen Hinweis auf den ſeitherigen Beſtand der Schule entkräftet; man hat ſchließlich auf die geiſtigen Vortheile, welche eine allen Ständen, allen Be⸗ rufsarten dienende Anſtalt dem allgemeinen Intereſſe bietet, wenn ſie die zweckmäßigſte Einrichtung erhalten hat, hingewieſen. Auf dieſes Geſuch iſt bis jetzt noch keine Antwort eingetroffen. Möchte die Stadt den rechten Moment zur Löſung dieſer Frage nicht vorübergehen laſſen. Inzwiſchen haben die Eltern der die Vorbereitungsſchule beſuchenden Kinder, die natürlich nur das Wohl ihrer Kinder in erſter Linie im Auge haben und denen das Intereſſe um die Zukunft der Real⸗ und Vorbereitungsſchule, ſowie die geiſtigen Be⸗ dürfniſſe der Gemeinde und der Gegend minder wichtig ſind, beſchloſſen, einſtweilen keine weiteren Schüler mehr aufzunehmen. Die Realſchule wird aber eine Unterbindung ihrer Saugadern nicht zugeben dürfen und die zur Abwendung einer derartigen Gefahr erforderlichen Schritte thun.
Unſerer ſeit dem Jahre 1853 hier beſtehenden, mit der Realſchule verbundenen Ackerbauſchule wurde auf Anregnng Großh. Centralſtelle und unter Genehmigung Großh. Oberſtudiendirection behufs Ein⸗ wirkung auf den Lehrplan ein mitberathendes und beaufſichtigendes Curatorinm vorgeſetzt, die Schule jedoch in Verbindung mit der Realſchule und unter der Oberaufſicht der Schulbehörde und des Miniſteriums belaſſen. Der Unterzeichnete war zuvor von Großh. Oberſtudiendirection zu Bericht aufgefordert worden und hatte nach einem Rückblick auf die hiſtoriſchen Verhältniſſe der Anſtalt hinſichtlich ihrer urſprünglichen Organiſation, ihrer Entwickelung und Ergebniſſe zwar conſtatiren können, daß eine Mitwirkung Großh. Centralſtelle bei der Aufſtellung des urſprünglichen Organiſations⸗ und Lehrplans, ſowie bei der Entwicke⸗ lung desſelben ſtattgefunden hat, daß die Ergebniſſe einer 19jährigen Periode befriedigend waren, was auch durch ſteigende Beiträge Großh. Centralſtelle, ſowie durch wiederholte Uebermachung von Lehrmitteln hin⸗ reichend anerkannt worden iſt, gab jedoch gerne zu, daß die directe Unterſtellung einer landwirthſchaftlichen Schule unter die landwirthſchaftliche Centralbehörde und ein Curatorium, in welchem das landwirthſchaft⸗ liche Publikum Vertretung findet, in vieler Beziehung förderlich ſein könnte. Er ſchlug daher vor, die


