Um die Anwendung der vorgetragenen Lehrſätze in der Praxis zeigen zu können, wurden wiederholt Ex⸗ curſionen auf nahe gelegene und gut bewirthſchaftete Güter gemacht; außerdem dienten dieſe Excurſionen zu Beſprechungen über den Anbau der verſchiedenen Getreide⸗, Hülſen⸗ und Hackfrüchte, Futter⸗ und Handels⸗
anzen. 11 zFär den Unterricht in der Landwirthſchaft war das landwirthſchaftliche Lehr⸗ und Leſebuch, Köln und Neuß, Schwann'ſche Verlagshandlung, zu Grunde gelegt. Als Hilfsmittel dienten theils Modelle, theils verſchiedene Sammlungen, theils Abbildungen.
In den für Stylübungen beſtimmten Stunden wurde die Anfertigung von Geſchäftsaufſſätzen und Briefen betrieben.(1.(untere) Abtheilung: Quittungen, Empfang⸗, Schuld⸗, Bürgſcheine, Zeugniſſe, Rech⸗ nungen, Anweiſungen und Vollmachten; 2. Abtheilung: Daſſelbe, ſammt Contracten und leichten Briefen; 3.(obere) Abtheilung: Briefe, vorzugsweiſe über dem Landwirthe vorkommende Verhältniſſe).
Im Rechnen wurden die Decimalbrüche und deren Anwendung bei Flächen⸗ und Körperberechnungen durchgenommen und zuletzt Aufgaben aus der zuſammengeſetzten Regel de tri und aus der Gewinn⸗ und Ver⸗ luſtrechnung behandelt. Die Aufgaben wurden, ſoviel wie thunlich, aus dem in der Landwirthſchaft Vor⸗ kommenden entnommen...
In der Geometrie übte der Lehrer die Aufangsgründe derſelben bis zur Flächenberechnung auf vor⸗ zugsweiſe anſchaulichem Wege, einſchließlich einiger einſchlägigen geometriſchen Beweiſe und ließlgeometriſche Aufgaben durch Rechnung löſen..
Im Schönſchreiben wurde das große deutſche und engliſche Alphabet entwickelt und geübt, im An⸗ fang nach Vorſchriften an der Tafel, zuletzt nach gedruckten Vorſchriften. Ein Theil der Stunde wurde der Beſprechung verſchiedener Punkte der phyſiſchen Geographie, ſowie für das Austheilen von Büchern aus der Schülerbibliothek verwendet.
In der Phyſik wurden die Quellen und Wirkungen der Wärme, die Eigenſchaften des Waſſerdampfes und die Dampfmaſchinen, die wäſſerigen Lufterſcheinungen, die Beſtimmung des abſoluten und ſpecifiſchen Ge⸗ wichtes, die Kräfte nach ihrem Urſprung und der Art ihrer Meſſung, ſowie die Geſetze der einfachen Maſchinen durchgegangen. Einen Theil der Stunde widmete man der Aufſtellung der wichtigſten Grundzüge der Volks⸗ wirthſchaft.—
In der Naturgeſchichte wurden die wichtigſten in der Landwirthſchaft nützlichen und ſchädlichen Thiere und Pflanzen betrachtet und die gebräuch lichſten Syſteme erklärt. Hieran ſchloß ſich eine genaue Be⸗ trachtung der Anatomie und Phyſiologie der Pflanzen und Thiere mit Benutzung von Abbildungen und mikro⸗ ſkopiſchen Präparaten. Einen Theil der Zeit widmete man der Betrachtung der wichtigſten Meßwerkzeuge und ihrer Handhabung zur Aufnahme kleiner Grundſtücke.
In der Agriculturchemie wurden folgende Gegenſtände durchgenommen und durch Verſuche zur Anſchauung gebracht: 1) Die anorganiſchen und organiſchen Beſtandtheile der Pflanzen; letztere mit beſonderer Hervorhebung der Kohlenhydrate und eiweißartigen Körper. 2) Trockene Deſtillation, Fäulniß, Gährung, Verweſung und deren Producte. 3) Von den Nahrungsmitteln und deren Aufnahme durch die Pflanze. 4) Quantitativer Gehalt des Ackerbodens an mineraliſchen Nährſtoffen.
Es gereicht uns zur angenehmen Pflicht, die Beweiſe geneigter Theilnahme an der Fortentwicklung der hieſigen Ackerbauſchule öffentlich anzuführen und im Namen der Schule unſeren aufrichtigſten Dank auszu⸗ ſprechen. Großh. Centralſtelle überſandte uns für den Unterricht in der Naturgeſchichte vier Tafeln landwirth⸗ ſchaftlich nützlicher und ſchädlicher Thiere und ſtellte die Gewährung weiterer Unterrichtsmittel in Ausſicht. Der landwirthſchaftliche Lokalverein Erbach bewilligte zur Anſchaffung von Prämien und Unterrichtsmitteln, ſo⸗ wie zur Ergänzung der landwirthſchaftlichen Schülerbibliothek dieſes Jahr die Summe von 50 fl., die Spar⸗ kaſſe zu Erbach bewilligte der Ackerbauſchule einen Zuſchuß von 50 fl., die Sparkaſſe zu Neuſtadt ſtattete vier Schüler der Ackerbauſchule mit je 25 fl. aus, der landwirthſchaftliche Bezirksverein Neuſtadt endlich bewilligte 7 fl. für Prämien. G
Indem wir nun noch das Namensverzeichniß der Jünglinge, die während des Winter⸗Curſus die Acker⸗ bauſchule beſucht haben, angeben, erlauben wir uns die Bemerkung beizufügen, daß die Frequenz, der ſich auch dieſes Jahr die Anſtalt zu erfreuen hatte, der ſicherſte Beweis iſt, daß dieſelbe ſich fort und fort des Ver⸗


