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bild ſchweifen, das ſich zu unſeren Füßen ausbreitete, und in welchem wir deutlich die Hauptthäler der Müm⸗ ling und der Gerſprenz, ſowie eine Reihe kleiner Thäler, wie das Rehbacher, Marbacher, Sensbacher und Itterthal unterſcheiden konnten. Hierauf ſetzten wir unſern Weg fort und gelangten in das enge, aber wild⸗ romantiſche Itterthal, am Höllengrund vorbei nach dem Katzenbuckel. Rüſtig ſchritt unſere Schuljugend dem Ziele ihrer Wanderſchaft entgegen, obgleich wir in dem engen Thale der Itter von einem raſch aufſteigenden Gewitter überraſcht und ſtark durchnäßt worden waren. Gegen 5 Uhr langten wir in Katzenbach, ¼ Stunde von der Spitze des Katzenbuckels, an. Da unſere Beſtellungen für ein gutes Abendeſſen und ein bequemes Nachtlager nicht ausgerichtet worden waren, ſo entſchloſſen wir uns, einen Boten mit den nöthigen Aufträgen nach Eberbach zu ſenden, das inzwiſchen eingetretene herrliche Wetter noch zu benutzen, um die Ausſicht auf dem Katzenbuckel zu genießen und in der Kühle des Abends nach Eberbach zu wandern. Wir ſchritten daher über die Hochebene dem Gipfel des Berges zu. Der Katzenbuckel iſt ein beinahe kegelförmiger Berg, der ſich ſchon in ſeiner Hauptform von den mehr abgerundeten und geſtreckten Bergformen des Odenwaldes unter⸗ ſcheidet. Er beſteht aus einem vulkaniſchen Geſtein, Dolerit, das die Sandſteinmaſſe durchbrechend, ſich auf derſelben aufgelagert hat. Auf der Spitze des Berges ſteht ein hoher Thurm, von dem man eine entzückende Rundſchau auf eine ausgedehnte Gebirgsgegend hat, aus welcher der Krähenberg im Norden, der Kaiſerſtuhl im Südweſten beſonders hervorragen. Nachdem wir dieſe herrliche Ausſicht genoſſen und uns in dem Schatten des dichten Buchwaldes, der den Gipfel des Berges kroͤnt, erquickt hatten, ſchritten wir bergab nach Eberbach, wo wir recht ermüdet um 8 Uhr ankamen. Ein erquickender Schlaf kräftigte die ermüdeten Glieder, ſo daß wir ſchon am frühen Morgen wieder unſere Wanderſchaft antreten konnten, um uns das Städtchen und ſeine freundliche Umgebung, ſowie den in dieſer Gegend im vorigen Jahre erlegten Wolf, welcher auf dem dortigen Rathhauſe ausgeſtellt war, anzuſehen. Hierauf traten wir unſeren Rückmarſch über Beerfelden an, das wir nach einem ermüdenden Marſche um 1 Uhr erreichten. Von hier aus brachten uns vorherbeſtellte Wagen nach Michelſtadt zurück, wo wir geſund und munter um 7 Uhr Abends eintrafen. Dieſe ſchöne Tour, die uns vielfach Gelegenheit bot, Blicke in eine liebliche Gebirgsgegend zu thun und Land und Leute kennen zu lernen, wirkte auf Lehrer und Schüler erfriſchend. Die Erinnerung an dieſelbe begleitete uns bei unſerer ernſten Arbeit im ſtillen Schulkreiſe. 2
Der Unterricht erlitt keinerlei Störung durch die öfteren Truppendurchzüge, da dieſelben größtentheils in unſere Sommerferien fielen.
Durch Entſchließung Großh. Miniſteriums des Innern vom 20. Auguſt und durch Reſcript Großh. Oberſtudiendirection vom 12. Sept. wurde der Hilfslehrer an der Realſchule, Freiherr v. Touſſaint, von ſeinem
Dienſt abberufen, die Stunden desſelben dem Herrn Reallehrer Kromm, welchem Herr Lehrer Hilß hierfür den Unterricht im Leſen, Aufſatz und Kopfrechnen an den Unter⸗Klaſſen abnahm, übertragen.
Freiherr v. Touſſaint trat am 21. September aus ſeinem Dienſt, den er ſeit der Gründung der Schule im Jahre 1834 bekleidet hatte.
Am 20. September wurde die Turnprüfung bei günſtiger Witterung und unter zahlreicher Betheiligung des hieſigen Publikums, ſowie der Eltern und Angehörigen der auswärtigen Schüler abgehalten. Die mit großer Präciſion ausgeführten Ordnungs⸗ und Freiübungen, ſowie die mit Umſicht ausgewählten Geräth⸗ übungen wechſelten mit dem Vortrag fleißig eingeübter Geſänge.
Unſere nicht öffentliche Herbſtprüfung fand den 27. und 28. September am Schluſſe des Sommer⸗ Semeſters mit allen Klaſſen ſtatt.
Am 18. Januar d. J. ſtarb der penſionirte Hilfslehrer Freiherr v. Touſſaint, und das geſammte Lehrerperſonal, ſowie alle Schüler der Anſtalt begleiteten den Verblichenen zur letzten Ruheſtätte.
Mit innigem Danke gegen Gottes gütige Vorſehung fügen wir noch bei, daß der Geſundheitszuſtand der Schüler in dem abgelaufenen Schulijahr keine erhebliche Störung erlitten hat.
Unſere Lehrer⸗ und beſonders unſere Schülerbibliothek wurden dieſes Jahr durch Anſchaffung neuer Bücher anſehnlich vermehrt.
An Geſchenken wurden der Realſchule im Laufe des verfloſſenen Schuljahres zugewendet:
1) Von Großh. Oberſtudiendirection: a. Ein Exemplar der Heſſen⸗Homburgiſchen Reimchronik von Hamel. b. Das Notizblatt des Vereins für Erdkunde für 1866 und ein Exemplar der Beiträge zur Statiſtik des Großherzogthums Heſſen.


