Jahrgang 
1865
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Hollunderbüſche grüßend nickten, die ſtolzen Fagaden und zieratreichen Hallen, die dem Auge mächtig entgeg⸗ neten, des Schloßbrunnens grauſenerregende Tiefe, deren ſchwarzes Dunkel nie vom Himmelslicht geküßt wird, das Intereſſe der Beſchauer. Eine faſt magiſche Anziehungskraft übte aber der obenerwähnte maſſen⸗ hafte Lug⸗ins⸗Land, deſſen 8 bis 10 Fuß dicke, aus ſchweren, roh behauenen Quaderſteinen erbaute Mauern wir hoch über ſämmtliche Gebäude hinwegragen ſahen. Eine hölzerne Wendeltreppe führte uns auf die zinnen⸗ bekränzte Plattform dieſes eigentlichen Burgthurms. Der Standpunkt an den Zinnen gewährte ein. reiches Panorama; den Vordergrund des Rundgemäldes bildeten die kühn aufſteigenden Bauten und die widerſtandskräftigen Ringmauern der Burg, das freundlich an den Fuß des Breubergs ſich hinſchmiegende Neuſtadt, die lieblicheRoſenau mit den ſchimmernden Fluten der Mümling, ein traulich ſtill in ſeine romantiſche Umgebung lugendes Nonnenkloſter und eine erhebliche Anzahl friſch umgrünter Dörfer und zerſtreut liegender Gehöfte. In weiterer Entfernung zeigten ſich den Blicken bewaldete Höhen und lachende Thäler und in Nordoſten und Nordweſten endigten duftige, blaue in immer violetteren Tinten verſchwimmende Gebirge die Welt. Die Schönheit des großartigen Panorama's halfen das luftige Gold der Sonne und die azurne Bläue des Himmels vollenden. Die ſich bietende Rund⸗ und Fernſicht gewährte einen ſo hohen Genuß, und wir fühlten uns von derſelben ſo angezogen, daß uns der Abſchied von dem Landſchaftsbilde, dem die Schönheit ihr königliches Siegel recht ſichtbar aufgedrückt, in Wahrheit ſchwer fiel. Da aber die Berge und Bäume anfiengen, immer längere Schatten zu werfen, ſo mußten wir den Stab ergreifen und uns auf den Heimweg begeben. Wir nahmen die Kunſtſtraße, welche ſich durch das geſegnete und wohlgebaute Mümlingthal windet, unter die Füße, berührten den anſehnlichen Marktflecken Höchſt, ſowie einige kleinere Orte, durchſchritten dann den größeren Flecken König und bald darauf das ſtille Dörfchen Zell und erreichten, in hohem Grade ermüdet, aber mit den ſchönſten Erinnerungen bereichert, nach 10 Uhr glücklich unſere traute Wohnſtätte.

Gegen Ende des Monats Juni v. J. erfuhren die Beſoldungsverhältniſſe der Lehrer eine neue Regelung, indem ſowohl dem Director der Anſtalt, als auch dem Reallehrer Litt durch Allerhöchſte Decrete vom 25. Juni 1864 Gehaltszulagen ertheilt wurden. Gleichzeitig erfolgte durch Allerhöchſtes Decret vom 25. Juni 1864 die Ernennung des Reallehramtscandidaten Friedrich Kromm aus Steinbach zum Lehrer an der Realſchule. In Folge der gedachten definitiven Regulierung der Gehaltsverhältniſſe trat auch r den proviſo⸗ riſchen Reallehrer Langrock eine Beſoldungserhöhung ein.

Am 21. Juli a. p. legte Herr Lang ſeine Functionen als Sing⸗ und Zeichenlehrer a an der Realſchule nieder. Im Hinblick auf die ſchönen Früchte, die derſelbe von dem 1. Juli 1861 bis zu dem bezeichneten Zeitpunkt erzielt hat, genügen wir der angenehmen Pflicht, ihm für ſein eifriges, treues und erfolgreiches Wirken an der Anſtalt unſern Dank hiermit öffentlich auszuſprechen.

Am 16. September v. J. hielten wir unſer Turnfeſt, das den Schülern Gelegenheit bot, ihre Aus⸗ dauer, körperliche Stärke und Gewandtheit zu zeigen. Das zahlreiche Publikum, theils aus Eltern und Ge⸗ ſchwiſtern der Zöglinge unſerer Anſtalt, theils aus dem erlauchten Herrn Grafen Ludwig zu Erbach⸗ Fürſtenau und einigen anderen Freunden der Realſchule beſtehend, zollten den Leiſtungen der jungen Turner eine lebhafte Anerkennung..

Am 28. September a. p. fand eine(nicht öffentliche) Prüfung aller Claſſen ſtatt.

Was den Geſundheitszuſtand der Lehrer und der Schüler anbelangt, ſo hat derſelbe trotz der ungünſtigen atmoſphäriſchen Verhältniſſe, die während des lange andauernden Winters obwalteten, nur wenig zu wünſchen übrig gelaſſen.

Schließlich verzeichnen wir folgende dankenswerthe Geſchenke, welche die Bibliothek der er Realſchule im Laufe des Schuljahres 1864/65 erhielt:

1) ein Exemplar des franzöſiſchen Elementarbuches von Plötz(21. Auflage);

12), 3 der Elementargrammatik von Plötz(i Auflage);

133) Schulgrammatik

4) Chreſtomathie ſto.);

5) 2* Exemplare der von Dr. C. Mertz herausgegebenen rariulung von Afgaben aus der einfachen und zuſammengeſetzten Regel de tri(I. und II. Stufe).

Mit den sub 1) bis 4) aufgezählten Geſchenken hat der Verlagsbuchhändler F. A. Herbig zu Berlin, mit dem letztgenannten Werke die J. Ricker'ſche Buchhandlung zu Gießen die Bibliothek der Realſchule bereichert.

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