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Unſere Jugend überſetzt dies Wort heut zu Tage gar zu gerne in ein anderes: „Ich bilde mir ein, daß ich im 15. und 16. Jahre ſchon Alles beſſer weiß, als ältere Leute.“ Daher dieſes eilige Sichvordrängen auf dem Markte des Lebens, dieſes ſchnelle Sichbemerklichmachen in der Geſellſchaft, dieſes Rennen und Haſchen nach allen möglichen Vergnügungen und Genüſſen; daher aber auch dieſes frühzeitige Alt⸗ und Ueberſättigtwerden in Jahren, wo erſt der wahre Genuß des Lebens be⸗ ginnen ſollte.
Dieſen Erfahrungen gegenüber, die zwar in ihrer ganzen widrigen Er⸗ ſcheinung Gottlob auf unſerm heimiſchen Boden noch eine Seltenheit ſind, aber doch auch manchmal ſchon in leiſen Anfängen in die hieſigen Kreiſe hereingelugt haben, ſollten verſtändige Eltern darauf aus ſein, ihre Söhne recht lange kindlich und demüthig zu halten. Das beſte Mittel aber dazu iſt das, daß man ſie ſolang als möglich in der Schule hält; da, wo ſie täglich an ihre Mängel und Fehler erinnert werden, bleiben ſie beſcheiden; da auch, wo täglich und ſtündlich die ideale Seite des Lebens in den Vordergrund geſtellt wird, darf gewiß erwartet werden, daß ſie ſich allmählig von der hehren Schönheit derſelben angezogen fühlen und den eitlen Lockungen des Weltſinnes und der Sinnenluſt den Rücken kehren werden. Darum noch einmal, verehrte Eltern, eilen Sie nicht ſo ſehr mit dem Austritt ihrer Söhne, dieſelben können noch bald genug alt werden, das wiſſen wir alle ja aus eigener Erfahrung.
Und nun noch einen letzten Wunſch, der ſich auf das zwiſchen dem Ein- und Austritt der Schüler inneliegende Schulleben derſelben bezieht. Die Schule zerfällt, wie bereits geſagt und allgemein bekannt iſt, in vier Klaſſen; nach der gewöhn⸗ lichen Ordnung rückt jeder Schüler alle Jahre eine Klaſſe weiter; oft aber halten wir Lehrer es für gut, daß einer oder der andere noch ein Jahr länger in einer Klaſſe bleibt, dieſelbe alſo repetirt. Für dieſen Fall möchte ich Sie, verehrte Eltern, um Ihr Vertrauen bitten, daß wir dabei keinen andern Beweggrund haben, als die Rückſicht auf das Wohl Ihrer Söhne. Uns Lehrern könnte es ja doch in der That einerlei ſein, wo ein Schüler vor uns ſitzt, ob in dieſer oder jener Klaſſe, in dieſem oder jenem Zimmer; überall bleibt er ja Gegenſtand unſerer Aufſicht und unſerer erziehlichen Einwirkung. Nun aber läßt es unſere Gewiſſenhaftigkeit bis⸗ weilen deßhalb nicht zu, einen Schüler zu verſetzen, weil wir überzeugt ſind, daß er dem Unterricht in der höheren Klaſſe nicht folgen kann, daß alſo der Beſuch derſelben für ihn vollſtändig zwecklos iſt, während er, wenn er in der unteren Klaſſe zurückbleibt, in dem Lehrſtoff derſelben ſich gründlich befeſtigen und im nächſten Jahr deſto leichter und ſicherer zu ſchwierigeren Aufgaben übergehen kann. Hierbei müſſen wir uns das Zugeſtändniß erbitten, daß wir doch wohl am beſten beur⸗ theilen können, was die Kraft des Schülers zu leiſten oder nicht zu leiſten vermag und was ihm heilſam oder ſchädlich iſt, gerade ſo, wie eine Mutter ſtets am beſten weiß, welche Nahrung für ihr Kind geeignet oder ungeeignet iſt. Einreden der Eltern, Verdroſſenheit oder gar Feindſchaft derſelben bei ſolchen Vorkommniſſen zeugen eigentlich ebenſo ſehr für ein geringes Verſtändniß des Schullebens, als für eine falſche Liebe zu ihren Kindern, und ich wollte Sie alle darum recht ſehr gebeten haben, auch in dieſer Beziehung uns ſtets dasjenige Vertrauen zu ſchenken, unter deſſen Vorausſetzung allein unſer beiderſeitiges auf eine gute Erziehung Ihrer Söhne gerichtetes Streben ſein Ziel erreichen kann.


