Jahrgang 
1850
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Schulnachrichten.

Das verfloſſene Jahr hat unſrer Schule mehrfach ſchwere Prüfungen gebracht. Schon in der zweiten Woche des wiederbegonnenen Unterrichts nach Oſtern erkrankte zu unſerm ſchmerz⸗ lichen Bedauern Herr Director Jacob. Die Hoffnung auf eine baldige Geneſung wurde durch einen ſchweren Rückfall vereitelt, von welchem er ſich erſt um die Mitte des Julimonats ſo weit wieder gekräftigt fühlte, daß er eine Erholungsreiſe ins ſüdliche Deutſchland antreten konnte. Von dieſer hoffte er ſelbſt und wir Alle mit ihm die dauernde Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit; allein nur wenige Wochen hatten wir die Freude, ihn wieder in unſerer Mitte wirken zu ſehen. Schon vor dem Ablauf des Sommerhalbjahrs erkrankte er auf's Neue, und bei langſam wiederkehrender Geneſung ſtellte ſich die Nothwendigkeit einer längeren Ruhe und Erholung unabweislich heraus. Dem ärztlichen Verlangen gemäß ſprach er daher im October vor. J. der verehrlichen Schuldeputation ſeinen Wunſch aus, bis Oſtern d. J. von ſeinen Berufsgeſchäften entbunden zu werden, und brachte das Anerbieten entgegen, die Koſten einer geeigneten Vertretung ſelbſt zu tragen. Bis dahin hatten wir verſucht, den un⸗ erſetzlichen Ausfall ſeiner Lehrſtunden mit den uns zu Gebote ſtehenden Kräften zu beſtreiten. Da Herr Dr. Emanuel Geibel, welcher bereits im vorigen Jahre ſich bei der nothwendig gewordenen Vertretung des Herrn Profeſſor Dr. Deecke aufs dankenswertheſte betheiligt hatte, auch jetzt uns freundlich zu Hülfe kam; ſo theilten Herr Coll. Mantels und ich uns, ſo weit es irgend möglich war, in die übrigen zu erſetzenden Unterrichtsſtunden in den beiden obern Claſſen, bis die verehrliche Schuldeputation in Gemäßheit des von Herrn Director Jacob ausgeſprochenen Wunſches für eine anderweite Vertretung Vorſorge traf. Durch die geneigte Vermittlung des Herrn Profeſſor Dr. Trendelenburg in Berlin, welcher ſich mit der freundlichſten Theilnahme unſerer Angelegenheit annahm, entſchloß ſich Herr Dr. L. Pomtow, welcher nach rühmlichſt beſtandenem Schulamts⸗Examen einer feſten Anſtellnng im preußiſchen Staate entgegenſah, während der Reconvalescenz unſeres verehrten Directors ſeine Kräfte unſerer Schule zu widmen. Auf meine Bitte übernahm Herr Dr. Pomtow die Lectüre des Horaz, Cicero und Plato in Prima in acht, und die Lectüre des Livius und der griechiſchen Proſa, ſo wie die Leitung der griechiſchen Exercitia in ſechs wöchentlichen Stunden in Secunda; mir ſelbſt wurde es durch dieſe Einrichtung möglich, die Religionsſtunden, die Lectüre des Tacitus und die Correctur der lateiniſchen ſchriftlichen Arbeiten in Prima zu verſehen. Herrn Dr. Pomtow i*ſt unſere Schule eben ſo ſehr für die Bereitwilligkeit, mit welcher er unſern Wünſchen ent⸗ gegengekommen iſt, wie für die Treue und den Eifer, mit welchem er ſeine ſchwierige Aufgabe gelöſt hat, zu lebhaftem Danke verpflichtet.