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Am 24. August machten die oberen Klassen nach Burgschwalbach, die unteren nach Schaumburg einen Ausflug, der günstig verlief und von sichtlich wohlthätiger Einwirkung war.
Zu Anfang desselben Monats hatte unsere Schule mit der Stadt einen schweren Verlust zu beklagen. Am 8. August wurde unter allgemeiner Theilnahme, unter Vor- anzug der städtischen Schulen Herr Gastwirth Walter, Mitglied des Gemeinderaths und des Curatoriums unserer Anstalt, zum Grabe geleitet, wo Herr geistl. Rath Roos herzliche Worte über das pflichttreue Wirken des Heimgegangenen und seinen edlen Charakter sprach. Die höhere Bürgerschule betrauert in ihm einen Berather, der warmes Interesse für ihr Wohl mit ruhiger Besonnenheit zu verbinden wusste. Ehre seinem Gedächtniss!
Die Herbstprüfung fand am 11. September statt. Die Herbstferien dauerten von da bis zum 12. October. An diesem Tage wurde in Gegenwart mehrerer Mitglieder des Curatoriums die Candidaten des höheren Schulamts F. X. Wannenmacher und Dr. Hermann Zimmermamn den Schülern vorgestellt und in ihr Amt eingeführt.
Weihnachtsferien vom 24. December 1871 bis 2. Januar 1872.
Am 5. Februar begann die schriftliche Abgangsprüfung und dauerte bis zum 8. desselben Monats. Da mit diesem Jahre die allgemein gültige Bestimmung auch hier in Kraft tritt, wonach die Schüler der höheren Bürgerschule zwei Jahre in Secunda verbleiben müssen, so war nur ein Schüler, Friedrich Mohr aus Niederneisen, zu prüfen. Derselbe beabsichtigt Kaufmann zu werden.
Aufgaben zur schriftlichen Prüfung: 1) ein deutscher Aufsatz über das Thema: „Warum lieben Gebirgsbewohner ihre Heimat so sehr?“ 2) ein lateinisches, 3) ein französisches, 4) ein englisches Exercitium, 5) folgende mathematische Aufgaben: 1. Der Radius der Grundfläche eines graden Kegels ist= 4; der Winkel, welchen der Radius und eine Seite des Kegels bilden, ist= 35°— 27/— 28,43“. Wie gross ist die Höhe des Kegels? Wie gross sind Inhalt und Oberfläche des Kegels? 2. Ge- geben sind die Seiten eines Fünfecks: a= 30 Millimeter, b= 15 Mm., c= 18, d = 21, e= 24. Der Winkel zwischen a u. b= 120°, der zwischen a u. e= 900. Das Fünfeck ist in ein Quadrat zu verwandeln. Ausführung mit Lineal und Zirkel und Erläuterung der Constructionen. Wie gross ist die Differenz und wie gross ist die Summe einer arithmetischen Reihe von 10 Gliedern, deren erstes Glied 1 und de- ren letztes Glied 28 ist? 4. Ein Kapital bringt jährlich 414 Thaler Zinsen. Wäre es um 1 Procent höher ausgeliehen, so würde es 506 Thlr. jährliche Zinsen tragen. Wie gross ist das Kapital und wie gross der Zinsfuss?
Die mündliche Prüfung fand am 11. März statt. Als Königlicher Commissarius fungirte in Vertretung Herr Landrath Nasse. Der Abiturient erhält das Zeugniss der Reife mit dem Prädicat„gut“.


