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Die schriftlichen Klassenarbeiten aber(die sogenannten Extemporalien) bildeten bislang schon nur den kleineren Teil der für die Versetzung in Betracht kommenden Lei- stungen, während die mündlichen Leistungen in der Klasse hierfür die überwiegende Be- deutung hatten.
Durch die seit dem 1. Oktober 1911 in Kraft getretene Neueinrichtung der Extemporalien ist ihre Zahl noch weiter vermindert, Sso daß mehr als je die mündlichen Leistungen in der Klasse vor allem für die Versetzung maßgebend sind.
Ob ein Schüler genügendes leistet oder nicht, kann deshalb durchaus nicht aus den schriftlichen Heftarbeiten allein ersehen werden. Für einen so entstehenden Irrtum muß die Schule jede Verantwortung unbedingt ablehnen, und sie kann nur wiederholt ersuchen, die oben ausgesprochene Bitte beherzigen und Gewißheit über den Klassenstandpunkt des Sohnes und seine Fortschritte— außer durch die Zeugnisse— sich durch persönliche Erkun— digung über die Gesamt-Klassenleistungen desselben bei seinen Lehrern verschaffen zu wollen.
Die Gefahren, die durch die überhandnehmende Schundliteratur der Jugend und damit der Zukunft des ganzen Volkes drohen, sind in den letzten Jahren immer mehr zutage ge— treten. Neuerdings hat sich wieder mehrfach gezeigt, daß durch die Abenteurer-, Gauner- und Schmutzgeschichten, wie sie namentlich auch in einzelnen illustrierten Zeitschriften ver-
breitet werden, die Phantasie verdorben und das sittliche Empfinden und Wollen derart ver-— wirrt worden ist, daß sich die jugendlichen Leser zu schlechten und selbst gerichtlich straf- baren Handlungen haben hinreißen lassen. Die Schule hat es auch bisher nicht daran fehlen lassen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dieses Uebel zu bekämpfen und alles zu tun, um bei den Schülern und Schülerinnen das rechte Verständnis für gute Literatur, Freude an ihren Werken zu wecken und dadurch die sittliche Festigung in Gedanken, Worten und Taten herbeizuführen. In fast allen Schulen finden sich reichhaltige Büchereien, die von den Schülern und Schülerinnen kostenlos benutzt werden können. Aber die Schule ist machtlos, wenn sie von dem Elternhause nicht ausreichend unterstützt wird. Nur wenn die Eltern in klarer Erkenntnis der ihren Kindern drohenden Gefahren und im Bewußtsein ihrer Verant- wortung die Lesestoffe ihrer Kinder, einschließlich der Tagespresse sorgsam überwachen, das versteckte Wandern häßlicher Schriften von Hand zu Hand verhindern, das Betreten aller Buch- und Schreibwarenhandlungen, in denen Erzeugnisse der Schundliteratur feilgeboten werden, streng verbieten und selbst überall gegen Erscheinungen dieser Art vorbildlich und tatkräftig Stellung nehmen, nur dann ist Hoffnung vorhanden, daß dem Uebel gesteuert wer- den kann. Bei der Auswahl guter und wertvoller Bücher wird die Schule den Eltern, wie auch den Schülern und Schülerinnen selbst mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen die- jenigen Bücher angeben, die sich für die Altersstufe und für ihre geistige Entwickelung eignen. Zu diesem Zwecke werden es sich die Lehrer und Lehrerinnen gern angelegen sein lassen, sich über die in Betracht kommende Jugenqdliteratur fortlaufend zu unterrichten. Das in dem Weidmann'schen Verlage zu Berlin erschienene Buch des Direktors Dr. F. Johannesson:„Was sollen unsere Jungen lesen?“ wird den Schülern und auch den Schülerinnen wie deren Eltern als zuverlässiger Wegweiser dabei dienen können.
Das neue Schuljahr beginnt am Montag, den 20. April, 8 Uhr morgens, mit der Aufnahmeprüfung der zu prüfenden neu angemeldeten Schüler. Am Dienstag wird morgens um 8 Uhr für die evangelischen Schüler in der Aula eine Andacht, für die Katholiken ein Gottesdienst in der Hospitalkirche abgehalten; darauf folgt eine gemeinsame Eröffnungsfeier in der Aula.


