Jahrgang 
1902
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6 Die Stadt Lauterbach.

Wie noch der Frühling durch die Erde ging Und ſeine grünen Fahnen flattern ließ Da lugten ſcheue Knoſpen in die Welt Und ſahen wie es wuchs aus tiefem Grund Und grüßten freudig dieſes ſtolze Haus.

Des Lebens Wunderbaum hat ſchützend es umrauſcht, Ein Segen ward ihm jeder Hammerſchlag

Der je in ſeinen Borden nachgezittert

Und kleine, gute Geiſter hüteten es treu.

Es ſtrebte auf ihn kühner Jugendkraft

Und alle Bäume neigten ſich vor ihm.

Der Herbſt hat längſt das Sommerland entfärbt Und greift mit rauhem Lachen in die Aeſte

In braunem Glanze liegen alle Berge

Und Nebel ſchleppen träge ſich durch's Thal. Doch rauben ſie uns unſre Ernte nicht.

So wie die reife Garbe ſteht im Feld

Des Schnitters Stolz, an goldnen Körnern reich, Die Frucht ſo manches arbeitsreichen Tags,

So ragt das neue Haus, an Hoffnung ſchwer, Des heißen Wunſches froh erreichtes Ziel

Und ſeine Zinnen grüßen alles Land.

Ihr fügtet einen Stein in meine Krone

Nicht glänzt er hell als gleißender Demant,

Doch hat er einen milden, warmen Schein,

Der fällt ſo tief hinein in jedes Herz.

Und dieſem Stein verleihe Gott die Kraft,

Daß aus ihm Wahrheit, Fleiß und deutſcher Sinn Mit hellen Strahlen leuchten in die Welt

Und ſeines Lichtes Flut ergieße ſich,

Wie ſanfter Regen, in geweihten Grund,

Dann blüht ein wunderbarer Frühling auf.