IV. Zur Geſchichte des Gymnaſiums und der Realſchule.
(Der letzte gedruckte Jahresbericht des Gymnaſiums Fridericianum erſchien Oſtern 1917.)
A. Der Zeitraum zwiſchen Oſtern 1917 und Oſtern 1924.
Unſere 6klaſſige Realanſtalt mit Prorealgymnaſium beſteht ſeit Oſtern 1922. Sie trat mit dieſem Zeitpunkt an die Stelle des 9 klaſſigen Gymnaſiums Fridericianum, das im Jahre 1875 von dem Grafen Friedrich zu Solms⸗Laubach begründet worden war. Der Abbau des Gymnaſiums ſtand im Zuſammenhang mit den ſchweren Erſchütterungen und der wirtſchaftlichen Not der Kriegszeit und der Nachkriegsjahre. Der Schülerbeſtand der humaniſtiſchen Anſtalt war in erſter Linie abhängig von dem Zuzug auswärtiger Schüler. Als dieſer Zuzug während des Krieges und in den Jahren nach dem Kriege erheblich nachließ, erfolgte die Umwandlung der Schule in eine Realanſtalt, die in erſter Linie Laubach und ſeiner näheren Umgebung die Bildungsmöglichkeiten einer höheren Schule bieten ſoll. Der Doppelcharakter der neuen Anſtalt— Realſchule und Prorealgymnaſium— ermöglicht den Ueber— gang der Schüler, nach erfolgreichem Beſuch der IIb, in die Ila einer Oberrealſchule oder eines Real⸗ gymnaſiums.
Mit dem Abbau des Gymnaſiums wurde bereits nach den Sommerferien des Schuljahres 1920/21 begonnen. Die Klaſſen VI-IIlb wurden in Realklaſſen mit Prorealgymnaſialabteilungen um⸗ gewandelt, die Klaſſen IIla— la blieben zunächſt noch als Gymnaſialklaſſen beſtehen. Im Zuſammenhang mit der begonnenen Umwandlung des Gymnaſiums löſte ſich die hieſige Privatmädchenſchule auf, die Schülerinnen traten nach den Herbſtferien 1920 in die Klaſſen VI-IIb unſerer Anſtalt ein. Im Schuljahr 1921/22 wurde die Realanſtalt auf die Klaſſe Ila ausgedehnt, die Klaſſen IIb— la blieben als Gymnaſialklaſſen bis Oſtern 1922 beſtehen. Von dieſem Zeitpunkt an kamen die Klaſſen lla—la in Wegfall, die Um⸗ wandlung war damit vollzogen. Am 7. April 1922 ſchloß das letzte Schuljahr des Gymnaſiums Fridericianum.
Wir geben hier eine Ueberſicht über die Geſamtzahl der Schüler in den Jahren von 1917- 1924.
1. Gymnaſium: Schuljahr 1917/18 84 Schüler „ 1918/19 90 2 „ 1919/20 77„ 2 1920/21 91„ und Schülerinnen(Aufnahme der Schülerinnen der Privatmädchenſchule) „ 1921/22 92„ und Schülerinnen
2. Realſchule:
Schuljahr 1922/23 73 Schüler und Schülerinnen(Wegfall der Klaſſen Ila— la) „ 1923/24 81 Schüler und Schülerinnen.
Bei den Lehrern und Beamten der Schule traten von Oſtern 1917 bis Oſtern 1924 folgende Veränderungen ein: 1. Gymnaſium:
Am 6. 1. 19 nahm Herr Studienrat Link(am 15. 5. 17 zum Oberlehrer an dem Gymnaſium Fridecicianum ernannt) nach ſeiner Entlaſſung aus dem Heere am Schluß des Krieges ſeinen Dienſt an der Schule wieder auf. Zu gleicher Zeit ſchied Herr Oberlehrer i. R. Profeſſor Dr. Wetzel, der die Schule während des Krieges durch freiwillige Lehrtätigkeit unterſtützt hatte, aus dem Lehrkörper aus.
Am 14. 8. 1919 verzichteten die beiden hieſigen Geiſtlichen, Herr Dekan Volp und Herr Pfarrer Nebel, auf den von ihnen bis dahin erteilten weltlichen Unterricht. An ihre Stelle trat Herr Lehramts— aſſeſſor O. Heß aus Münſter bei Gießen, der an der Schule bis zu den Sommerferien 1920 tätig war.
Mit der Verwaltung von ⁄ einer Lehrerſtelle wurde vom 16. 8. 1920 an Herr Lehramts⸗ aſſeſſor Fr. W. Fucks beauftragt. Ab 15. 8. 21 erhielt er die Verwaltung einer vollen Lehrerſtelle.
Da die Zuſammenlegung des Religionsunterrichtes auf 8 Stunden eine Lehrkraft entbehrlich machte, trat Herr Pfarrer Nebel am 16. 8. 20 von ſeiner Lehrtätigkeit zurück, die er 25 Jahre hindurch an unſerer Anſtalt ausgeübt hatte.
Mit Wirkung vom 1. 4. 1920 wurde Herr Lehramtsaſſeſſor Friedrich Frank zum Oberlehrer an dem Gymnaſium Fridericianum ernannt.
Herr Studienrat Dr. Max Zimmermann, der ſeit dem 1. 4. 11 hier tätig war, wurde mit Wirkung vom 1. 4. 21 ab zum Studienrat an dem Wolfgang⸗Ernſt⸗Gymnaſium in Büdingen ernannt.
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