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Mai 1913 promovierte er in Giessen. Am 1. Oktober 1913 wurde er zum Lehramtsassessor ernannt und verblieb bis zum Ausbruch des Krieges in freiwilliger Beschäftigung an unserer Anstalt. Am 1. Mobilmachungstag trat er als Vizefeldwebel in das Inf.-Regt. Nr. 136 zu Strassburg ein, erhielt im September das Eiserne Kreuz 2. Kl. und wurde im Oktober zum Leutnant der Res. befördert. Am 30. Oktober wurde er in Flandern verwundet und starb an den Folgen seiner schweren Verletzungen ari 2oveinber im Feldlazarett zu Werwick. Dort hat er auf dem Friedhof seine letzte Ruhestätte gefunden.
Aus den Reihen unserer Schüler, die freiwillig in das Heer eingetreten waren, hat der Obersekundaner Ludwig Chelius vor dem Feind sein junges Leben lassen müssen. Sein ruhiges, bescheidenes Wesen und sein williger Sinn gewannen ihm Liebe und Freund- schaft unter seinen Mitschülern und die Anerkennung seiner Lehrer. Begeisterten Herzens zog er als Freiwilliger mit seinem älteren Bruder in den Reihen des Res.-Jäger-Batls. Nr. 24 Marburg ins Feld und fiel, erst 18 Jahre alt, am 21. Oktober auf dem Schlachtfeld von Moors- lede, nicht allzu weit von der Stelle, wo wenige Tage später Herr Dr. Rossler die Todes- wunde empfangen sollte. In der Jugendblüte hat er sein Leben für das Vaterland hingegeben; sein Heldentod sichert ihm bei Lehrern und Schülern für alle Zeit ein ehrendes Gedenken.
Auch daheim ist uns einer unserer hoffnungsvollsten Schüler durch den Tod entrissen worden. Am 25. Oktober 1914 starb der Unterprimaner Conrad Hebeler, nachdem er eines hartnäckigen Lungenleidens wegen seit Ostern 1914 der Schule hatte fern bleiben müssen. Er hoffte, zunächst in seiner Heimat und dann in Montana in der französischen Schweiz Genesung zu finden. Doch seine Hoffnung sollte sich nicht erfüllen; kurz vor Aus— bruch des Krieges kehrte er nach Hause zurück. An seiner Beerdigung in Wehrda bei Mar- burg am 27. Oktober 1914 nahm eine Abordnung seiner Klasse teil, Herr Pfarrer Volp legte im Namen der Lehrer und der Unterprimaner Lichtenheld im Auftrage der Klassenkameraden einen Kranz am Grabe nieder. Die Anstalt verliert in dem Verstorbenen einen hochbegabten, braven und fleissigen Schüler, dessen Leistungen zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, seine Mitschüler einen treuen Freund und lieben Kameraden. Wir werden dem so früh von uns Geschiedenen stets ein freundliches Andenken bewahren.
Personalangelegenheiten.
Durch Dekret Sr. Kgl. Hoheit des Grossherzogs vom 29. März 1914 wurde Herrn Oberlehrer Ludwig Weissbart der Charakter als Professor erteilt.
Durch Verfügung Grossh. Ministeriums vom 50. März 1914 wurde Herrn Lehramts- assessor Georg Schelhorn, der seit Ostern 1912 an unserer Anstalt gewirkt hatte, die Verwaltung einer Lehrerstelle an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey übertragen. An seine Stelle trat lt. Verfügung Grossh. Ministeriums vom 20. März 1914 Herr Lehramts- assessor Karl Kemmer, der seither an dem Realgymnasium und der Realschule zu Giessen tätig gewesen war.
Herr Lehramtsassessor Heinrich Sack wurde vom 6. Juni bis zum 18. Juli vorüber- gehend mit der Verwaltung einer Lehrerstelle an der Höheren Bürgerschule zu Nidda be— auftragt, kehrte am 15. August zu freiwilliger Beschäftigung an unsere Anstalt zurück und erhielt lt. Verfügung Grossh. Ministeriums vom 29. September 1914 die Verwaltung einer Lehrerstelle an unserer Anstalt.
Bei Ausbruch des Krieges wurden sofort die Herren Lehramtsassessor Ferdinand Vetter, Hugo Link, Dr. Julius Rossler, Lehramtsreferendar Dr. Rudolf Graf, am 17. August Herr Professor Ludwig Weissbart zum Heeresdienst einberufen, und am 1. Oktober ver- liess uns auch Herr Direktor Dr. Hugo Müller, der sich dem Heere freiwillig zur Verfügung gestellt hatte. Mit der Vertretung der direktorialen Geschäfte wurde durch Verfügung Grossh. Ministeriums vom 28. Oktober Herr Professor Dr. Max Zimmermann hbeauftragt.
Infolge der Einberufungen zum Kriegs- und Heeresdienste wurden mannigfache Ver- änderungen und Verschiebungen der Unterrichtsstunden notwendig. Dass der Unterrichts- betrieb trotz des Krieges aufrecht erhalten werden konnte, war nur möglich durch freundliche Unterstützung des Herrn Professor Dr. Wetzell, der seither hier im Ruhestand gelebt hatte


