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IV. Zur Geschichte der Anstalt.
Das verflossene Schuljahr brachte unserer Schule eine ganze Reihe schmerzlicher Verluste. Im Felde und in der Heimat riss der Tod im Kreise unserer Lehrer und Schüler empfindliche Lücken.
Am 8. November 1914 verstarb nach längerem Leiden im Alter von fast 65 Jahren flerr Reallehrer i. R. Adolf Bergheimer. Ein ganzes Menschenalter hindurch, annähernd 30 Jahre lang, hat er in treuer, hingebender Arbeit die Entwicklung unserer Anstalt fast seit ihrem Bestehen begleitet und sich bei seinen zahlreichen Schülern aufrichtige Zuneigung und Dankbarkeit erworben. Sein Name bleibt mit der Geschichte der Anstalt innig verbunden.
Adolf Bergheimer wurde am 12. Dezember 1851 in Grossen-Linden geboren. Nâchdem er vorher an der Reâlschule zu Gross-Umstadt gewirkt hatte, begann er im August 1876 seine Tätig- keit an dem damaligen Progymnasium zu Laubach. Am 30. Mai 1880 wurde er durch Allerhöchstes
Dekret in seiner Stelle bestätigt. Er verblieb auch nach der Verstaatlichung der Anstalt in ihrem Dienste, bis er im Hlerbst 1905 durch ein schweres Leiden genötigt wurde, in den Ruhestand zu treten.
Einen neuen schweren Verlust erlitten wir wenige Wochen später durch den plötz- lichen Tod unseres verehrten Amtsgenossen, Herrn Professor Friedrich Franz, der in kaum vollendetem 44. Lebensjahre seiner erspriesslichen Tätigkeit an unserer Schule entrissen wurde. Weit über das Mass seiner Pflicht hinaus hat er in aufopferungsvoller, selbstloser Hingabe in seinem Berufe gewirkt. Sein lauterer und zuverlässiger Charakter, seine schlichte, anspruchslose Natur, sein liebenswürdiges, stets hilfsbereites Wesen gewannen ihm in unserem Kreise tiefe und festbegründete Verehrung. Bei den Schülern, den er auch ausserhalb des Unterrichtes näher zu treten Gelegenheit nahm, erwarb er als Lehrer wie als Mensch in in gleichem Masse Vertrauen und Liebe. Bei der Beerdigung, die Sonntag den 13. Dezember in Giessen stattfand, erwies das gesamte Lehrerkollegium und eine Abordnung der Schüler dem geliebten Amtsgenossen und Lehrer die letzte Ehre. Herr Direktor Dr. Müller legte dabei im Namen der Lehrer einen Kranz nieder und gab den Gefühlen der Anerkennung und Wertschätzung des Verstorbenen beredten Ausdruck. Unterprimaner Meuer widmete mit Worten des Dankes im Namen der Schüler einen Kranz. Das Andenken des so jäh von uns Geschiedenen wird an unserer Anstalt stets in Ehren bleiben.
Friedrich Franz wurde am 3. Dezember 1870 in Giessen geboren. Er besuchte das dortige Realgymnasium und bestand Ostern 1889 die Reifeprüfung. Alsdann studierte er an der Landesuniversität zu Giessen Branzösisch, Englisch, Deutsch und Geschichte und legte im Frühjahr 1897 die Staats- prüfung ab. Nach Ablauf seines Vorbereitungsdienstes am Gymnasium zu Giessen wurde er seit Ostern 1898 an der Höheren Bürgerschule zu Lauterbach, seit Ostern 1901 an der Real- und Landwirtschafts- schule zu Gross-Umstadt verwandt, woselbst er am 1. April 1903 zum Oberlehrer ernannt wurde. Am
1. Mai 1905 wurde er an das Gymnasium Fridericianum zu Laubach versetzt. Am 1. April 1912 erhielt er den Charakter als Professor. Am 10. Dezember 1914 ereilte ihn unerwartet der Tod.
Auch der Weltkrieg forderte aus dem Kreise unserer Lehrer ein schmerzliches Opfer. Herr Lehramtsassessor Dr. Julius Rossler, der bei Ausbruch des Krieges zu einer dienst- lichen Uebung einberufen war und sofort ins Feld zog, erlag Anfang November auf dem westlichen Kriegsschauplatz einer schweren Verwundung. Sein frisches und liebenswürdiges Wesen und seine gesellige Natur erwarben ihm trotz der kurzen Zeit seines Wirkens in Laubach bei Lehrern und Schülern grosse Beliebtheit. Glänzende Begabung und unermüd- liche Schaffensfreude schienen ihm eine erfolgreiche Zukunft zu verheissen. Der Tod auf dem Felde der Ehre hat diese Hoffnungen vernichtet, doch sein Andenken wird bei uns allen in lebendiger Erinnerung bleiben. Julius Georg Rossler wurde am 10. November 1886 in Wimpfen am Berg als Sohn des Grossh. Hess. Steuerkommissärs Georg Rossler geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Giessen und bestand Frühjahr 1905 die Reifeprüfung. Alsdann widmete er sich an der Landesuniversität dem Studium der klass. Philologie und Geschichte und legte Sommer 1910 die Prüfung für das höhere Lehramt ab. Vom 1. Oktober 1910 bis zum 30. September 1911 genügte er seiner Militärpflicht bei dem 2. Grossh. Hess. Inf.-Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 116. Seine Vorbereitungszeit verbrachte er als Referendar
am Gymnasium und am Realgymnasium zu Giessen, bis er im Februar 1913 am Gymnasium Fridericianum den Vorbereitungsdienst fortsetzte und zugleich mit der Leitung des Alumnates betraut wurde. Im


