Jahrgang 
1911
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VII. Zur Geschichte der Anstalt.

Im abgelaufenen Jahre erlitt das Schulwesen unseres Landes einen schweren und schmerzlichen Verlust durch den am 14. Juli 1911 erfolgten Tod des hochverdienten Vorsitzenden der Schulab- teilung des Großh. Ministeriums des Innern, Geheimerat Dr. Eisenhuth. Dankbar gedenken wir der vielseitigen Förderung, die unser Schulwesen durch das Wirken des allverehrten Mannes erfahren hat, wie des Wohlwollens, das er allen Berufsgenossen jederzeit in reichem Maße bewiesen hat. Auch in der Geschichte unsres Fridericianum ist sein Name unvergessen, da er seit der Gründung der Schule im Jahre 1875 über zwei Jahre an ihr gewirkt und sowohl durch seine unterrichtliche Tätigkeit wie durch zwei gehaltvolle wissenschaftliche Programmabhandlungen über Germanicus und Agrippina in hervorragender Weise dazu beigetragen hat, der jungen Anstalt Achtung und Vertrauen zu erwerben. Sein Andenken wird unter uns allseitig lebendig bleiben.

Das Schuljahr begann Montag, den 4. April 1910 mit der Prüfung der neuangemeldeten Schüler, der Unterricht Dienstag, den 5. April. Das Sommerhalbjahr schloß Mittwoch, den 28. September. Das Winterhalbjahr begann Donnerstag, den 13. Otober und schließt Samstag, den 8. April.

Auch in diesem Schuljahr erfuhr der Lehrkörper der Anstalt manche Veränderungen. An Stelle des nach Bückeburg berufenen Herrn Lehramtsreferendars Dr. Michel trat zu Beginn des Schuljahres Herr Lehramtsassessor Ferdinand Vetter, und der mit Verwaltung einer Lehrerstelle an der Höheren Mädchenschule zu Gießen beauftragte Herr Lehramtsassessor Freitag wurde durch Herrn Lehramtsreferendar Haugo Link ersetzt, der am 1. Oktober 1910 zum Lehramtsassessor ernannt wurde.

Herr Professor Dr. Wefzell war noch bis Pfingsten beurlaubt. Da Herr Lehramtsassessor Pöpperling, der ihn wührend des vorhergehenden Schuljahres vertreten hatte, zu Ostern 1910 an das Realgymnasium in Darmstadt versetzt wurde, übernahm die Vertretung von da ab Herr Lehr- amtsassessor Wilhelm Schicarx, der schon im vorigen Schuljahr für einige Wochen an unserer Anstalt tätig gewesen war. Nach den Pfingstferien konnte Herr Professor Dr. Wetxell seinen Unterricht wieder übernehmen.

Herr Dr. Heinrichs, der am 1. April 1910 zum Lehramtsassessor ernannt wurde, war in den ersten Wochen des Schuljahres noch zu militärischer Dienstleistung einberufen und wurde bis zum 28. April von Herrn Lehramtsreferendar Franx Spang aus Mainz vertreten. Am 1. April 1911 schied er von unserer Anstalt, um eine Oberlehrerstelle an der Höheren Mädchenschule I in Wies- baden zu übernehmen. Unsere besten Wünsche begleiten ihn in sein neues Amt.

In den letzten Wochen des Schuljahres, vom 1. März 1911 ab, war Herr Lehramtsassessor Dr. Malxan durch eine militärische UÜbung der Anstalt entzogen und wurde von Herrn Lehramts- assessor Karl Emmel vertreten.

Vom 17. bis 25. Mai nahm Herr Oberlehrer Weissbart an dem bayrisch-hessischen archäo- logischen Kursus teil. Seine Vertretung übernahmen die übrigen Mitglieder des Kollegiums.

Am 30. November verstarb unser langjähriger Pedell, Herr Heinrich Wilhelm Göbel, nach langem schwerem Leiden, wegen dessen er schon im Februar 1909 für längere Zeit hatte beurlaubt werden müssen und im abgelaufenen Schuljahr seinen Dienst überhaupt nicht mehr hat versehen können. Seit 1. Mai 1896 hat er mit größter Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue seines Amtes an unserer Anstalt gewaltet. Lehrer und Schüler nahmen an der Beerdigung teil. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Am 9. September beehrten die Herren Geheimerat Säffert und Geh. Oberschulrat Nodnagel die Anstalt mit ihrem Besuche und wohnten dem Unterricht in mehreren Klassen bei. Bei dieser Gelegenheit nahmen sie auch das zu Ostern 1910 eröffnete Alumnat in Augenschein. Am 9. März besichtigte der Großh. Turninspektor, Herr Schulrat Schmuck, die neue Turnhalle, sowie den Turn- unterricht sämtlicher Klassen des Gymnasiums.

Zu der im Herbst 1910 an unserer Anstalt abgehaltenen Reifeprüfung für Nichtschüler, deren mündlicher Teil am 26. und 27. September unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrat Nodnagel stattfand, waren elf Prüflinge zugelassen worden, von denen vier das Zeugnis der Reife erhalten konnten.