2. Der Unterricht. Das Schuljahr begann am 7. April 1902 mit der Prüfung der neu angemeldeten Schüler, der Unterricht am 8. April.
Ein Krankenträgerkursus konnte auch in diesem Jahre aus Mangel an einem Leiter des Lehrgangs nicht abgehalten werden.(Vergl. 5.)
3. Reifeprüfung. Am 5. März 1903 fand unter dem Vorsitze des Herrn Geheimen Oberschulrates Nodnagel die mündliche Reifeprüfung der zu der Prüfung zugelassenen Oberprimaner statt: es bestanden die oben unter VI genannten Abiturienten..
4. Schulfeierlichkeiten. Am 23. Juni 1902, dem Geburtstag des hohen Begründers der Anstalt, legten die Schüler der Sexta des Gymnasiums Fridericianum im Auftrage des Direktors an dem von der Stadt Laubach gestifteten Denkmal weiland Sr. Erlaucht des Grafen Friedrich zu Solms-Laubach einen Kranz nieder, zu dem sie selbst vorher die Blumen und Zweige gesammelt hatten. Eine Belehrung über die Bedeutung des Tages und die Verdienste des Grafen Friedrich wurde den Kleinen vorher durch ihren Klassenführer, Herrn Oberlehrer Kullmann erteilt.
Die Geburtsfeste Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs und Sr. Majestät des Kaisers wurden in der üblichen Weise gefeiert. Die Festreden hielten Herr Oberlehrer Dr. Keller über das dekadische Zahlensystem und der Direktor über die Aufgaben des deutschen Volkes im Kampfe um die Ostmark.
5. Sonstige Veranstaltungen. Zu unserer Freude war es in dem letzten Winter möglich, die Frage der Sorge für unsere Schüler in ihrer freien Zeit einer glücklichen Lösung näher zu führen. Es geschah dies vor allem durch Einrichtung einer Schülerwerkstätte, in Verwirklichung eines von Unterzeichnetem schon lange gehegten Planes.
Eine von dem Direktor zunächst innerhalb des Lehrerkollegiums gegebene Anregung wurde auch in weiteren Kreisen sehr lebhaft aufgegriffen; Herr Oberlehrer Professor Becker unterzog sich der dankenswerten Mühe, über die Bedeutung der Veranstaltung in einem öffentlichen Vortrag aufzuklären.
So gelang es der hingebenden Tätigkeit der Herren: Oberlehrer Professor Becker, Kammerrat Julius Richard Bröckelmann, der nicht nur die nötigen Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung stellte, sondern auch sonst in jeder Beziehung rastlos für die Begründung des Unternehmens tätig war, und Oberlehrer Osszwwald die geplante Einrichtung glücklich in's Leben zu rufen.
Unterstützt wurden die Herren dabei von allen Kreisen Laubachs, sowie von Grossh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, das unterzeichneter Direktion für die Einrichtung einer Schülerwerkstätte den Betrag von 300 Mark zur Verfügung stellte.
Die obengenannten drei Herren unterzogen sich der grossen Mühe, an zeitweise wöchentlich zwei Nach- mittagen und Abenden die Arbeiten der Schüler zu leiten.
Es beteiligte sich an diesen Arbeiten besonders in den Wochen vor Weihnachten fast die Hälfte der Schüler unserer Anstalt. Betrieben wurden: Papp-, Laubsäge-, Hobelbank-Arbeit, Kerbschnitt, Brennarbeit, ferner Klein- eisenarbeit und indische Einlegearbeit(„Tar Kaschi“: Einlegen von Zink, Kupfer, Messing in Holz). Ganz be- sondere Freude machte vielen älteren Schülern das Arbeiten an der Drehbank.
Es drängt uns, allen, die zu dem Gelingen des, wie wir hoffen, dauernd segensreichen Werkes peigetragen haben, ganz besonders aber den drei Herren Leitern, auch an dieser Stelle unseren wärmsten Dank auszusprechen.—
Ausserdem wurde es durch die Gefälligkeit des Oberlehrers Herrn Professor Dr. Wetzell möglich, einige Schüler regelmässig zum Spielen und Einüben von Werken unserer grossen Tondichter anzuregen und anzuleiten. So konnten bei unseren Schulfeierlichkeiten zwei Trios und ein Rondo von Mozart zur Aufführung gebracht werden.
Auch Herrn Professor Dr. HM'etzel! sagen wir für seine Bemühungen unseren herzlichen Dank.
6. Gesundheitliches, Schulausflüge. Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war meist gut; nur die Influenza verursachte im Dezember vorübergehende Störungen des Unterrichts und Unterbrechungen im Schulbesuch.
Die Schulausflüge fanden regelmässig statt. Turnspiele wurden eifrig gepflegt.
Wegen übermässiger Hitze musste am 3., 28. und 30. Juni der Nachmittagsunterricht ausgesetzt werden.
7. Gebäulichkeiten. Durch das liebenswürdige Entgegenkommen der städtischen Behörde konnten auch in diesem Jahre erfreuliche Fortschritte gemacht werden inbezug auf die Erhaltung und Verschönerung der Schul- räume; zahlreiche Ausbesserungen wurden vorgenommen, ein Klassenzimmer wurde vollständig neu hergestellt, ein Vorplatz mit Holzbekleidung versehen; ausserdem liess die Stadt Laubach die Vorrichtung zum Besprengen des Schulhofes herstellen.
3. Geschenke. Grossh. Ministerium:(vergl. VII, 5.) Thesaurus linguae latinae, weitere Lieferungen; Knopf, die Tuberkulose als Volkskrankheit und deren Bekämpfung: Büchmann, Geflügelte Worte, Aufl. 21.
Stadt Laubach: Metallteile für Schlauch zum Besprengen des Schulhofes.
Zentralstelle für Landes-Statistil: Mitteilungen usw. 1902, Band 32; Beiträge zur Statistik des Grossherzog- tums Hessen 46; Statistisches Handbuch für das Grossherzogtum Hessen 1903.
Reichsbommissar für die WMeltausstellung in Paris 1902. Katalog der Ausstellung des Deutschen Reichs(englisch).
Herr Hofapotheker Rossbach zu Laubach: 7 von ihm selbst angefertigte Türschildchen.
Oberlehrer Dr. Schmidt zu Friedberg: 36 Bücher für Lehrer- und Schülerbibliothek.
Stud. Hiedfeldt. Versteinerungen.
Houyf Ia: 4 Pläne zu Jlias uud Horaz.
Ausserdem erhielten wir gebrauchte Lehrbücher von verschiedenen Seiten(vergl. II. Vorbem.) und Bücher von Verlagshandlungen; aus dem Reste der Leranstoltungen von 1900 wurden angeschafft: Biese, Hünengrab; Kampmann, Mondaufgang.
Für diese Geschenke sprechen wir auch an dieser Stelle den Gebern unsern besten Dank aus.


