Jahrgang 
1901
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oblagen, leitete Herr Oberlehrer Becker, die Ausschmückung des Gymnasiums Herr Oberlehrer Oss wald; bei dem Empfang am Bahnhof beteiligte sich von unserer Seite Herr Professor Dr. Wetzell. Als Programm für die Schulfeier selbst wurde festgestellt:

Erster Teil.

1. Kommt, lasst uns beten, für gemischten Chor.. M. Hauptmann. 2. Prolog, gedichtet von einem früheren Schüler, vorge- tragen von Arnold Zimmer(Ib). 3. Sonate für Pianoforte, op. 53(sog. Waldsteinsonate) L. v. Beethoven. 4. Festrede, gehalten von dem Direktor. Zweiter Teil. Das Lied von der Glocke mit Chören... C. A. Mangold. vorgetragen von Ludwig Klingelhöffer(Ia), Heinrich Leonhäuser(Ja), Karl Frank(Ia), Theodor Hermann(Ib), Karl Gamb(Ib), Wilhelm Ernst(Ib), Ernst Mai(Ib), Georg Herwig(IIa), Eberhard Metzger(IIb), Alex- ander Berck(IIb), Friedrich Schmidt(IIIa).

In der letzten Woche vor dem Feste entwickelte sich in dem Hofe des Gymnasiums eine herzerfreuende Thätigkeit: Mit Feuereifer arbeiteten die Schüler selbst unter Leitung des Herrn Osswald und anderer Kollegen an der Ausschmückung des Gymnasiums, pflanzten Birken ein, fertigten Tannengewinde an und besorgten die Anbringung des Schmuckes, den die liebenswürdige Hilfe der Frauen einiger Kollegen noch verbessern half. So ist es uns gelungen, fast ohne fremde Hilfe den festlichen Schmuck des Gymnasiums herzustellen.

Ueber den Verlauf der Feier verweisen wir auf den schon erwähnten Festbericht und heben nur Einzelnes hervor.

Bei der Schulfeier hatten wir die Freude Se. Erlaucht den Grafen Friedrich mit seiner hohen Gemahlin, dem Erbgrafen Otto und verschiedenen Mitgliedern der gräflichen Familie unter den Festteilnehmern zu begrüssen. Die Regierung hatte als ihren Vertreter Herrn Geheimen Ober- schulrat Nodnagel entsandt, der im Namen des Grossherzoglichen Ministeriums die Schule beglück- wünschte; die Stadt war vertreten durch den Gemeinderat und eine grosse Zahl angesehener Bürger Laubachs, die in liebenswürdiger Zuvorkommenheit sich mit Plätzen in dem kleineren Nebensaal begnügten, um den früheren Lehrern und Schülern der Anstalt die Ehrenplätze zu überlassen.

An die Schulfeier schloss sich die Enthüllung des von der Stadt Laubach dem Gymnasium gestifteten schönen Medaillonbildes des Grafen Friedrich, das Herr Bürgermeister Jochem mit einer Ansprache übergab. Möge sein Wunsch in Erfüllung gehen und das Bild des Gründers der Anstalt auch die späteren Schilergenerationen stets an den edlen Mann erinnern und sie mahnen, seinem Vorbild nachzueifern.

Auch an dem Festmahle beteiligte sich seine Erlaucht Graf Friedrich und eröffnete die An- sprachen mit einem Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Königliche Hoheit den Gross- herzog. Später erhob sich nach dem zweiten Trinkspruch, der den hohen Begründer selbst feierte, Se. Erlaucht nochmals zu einem Spruch auf die Stadt Laubach. Niemand hätte damals geahnt, wie nahe schon der Tod an den verehrungswürdigen Mann herangetreten war, so heiter und frisch nahm er an dem Feste teil.

Wir müssen es uns versagen auch auf den weitern Verlauf der Feier noch näher einzugehn. So schliessen wir hiermit unsern Bericht. Allen aber, die zu dem Gelingen des Festes beigetragen haben, sowohl den Vereinen, als den Einzelnen, unseren wärmsten Dank auch an dieser Stelle nochmals auszusprechen, ist uns eine angenehme Pflicht.

Am 18. Oktober, dem Tage, an dem 25 Jahre zuvor die feierliche Eröffnung der Schule stattgefunden hatte, veranstaltete das Gymnasium Fridericianum eine Trauerfeier zum Gedächtnis weiland Seiner Erlaucht des Grafen Friedrich zu Solms-Laubach.