Jahrgang 
1889
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30 5) Chronik.

Das Schuljahr, das am 17. April begann, brachte zunächst eine Anderung im Lehrkörper. Durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums wurde der provisorische Gymnasiallehrer Dr. August Ahlheim, nachdem er von Ostern 1887 bis Ostern 1888 an der hiesigen Anstalt gewirkt hatte, an das Gymnasium zu Bensheim versetzt und die von ihm verwaltete Lehrerstelle dem Gymnasial- lehramts-Accessisten L. Freund*) zu Friedberg übertragen. Derselbe war vom 1. Juni ab zu einer achtwöchigen militärischen Ubung einberufen, während welcher Zeit der Gymnasiallehramts-Accessist J. Collin seinen Dienst versah.

Am 18. Juni fand wie an allen hessischen Schulen eine Trauerfeier für Kaiser Friedrich III. statt. Die Trauerrede hielt der Direktor, während der hohe Patron der Anstalt in tief empfundenen Worten ein Lebensbild des hohen Dulders entwarf.

Am 23. Juni, dem Geburtstage Sr. Erlaucht des Herrn Grafen zu Solms-Laubach, wurden die üblichen Klassenausflüge gemacht, die vom Wetter begünstigt den besten Verlauf hatten.

Am Schlusse des Sommersemesters schieden von der Anstalt die Gymnasiallehrer Dr. W. Matthäi und Dr. L. Buchhold, von denen der erstere beinahe seit Gründung der Schule, der letztere seit 1884

an derselben gewirkt hatten. Sie wurden durch Allerhöchste Dekrete zu Lehrern am Gymnasium zu Darmstadt ernannt.

Mit Beginn des Wintersemesters traten auf Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums die Gymnasiallehramts-Accessisten Friedrich Becker*) und Joseph Collin*) als provisorische Lehrer in das Lehrer-Kollegium ein; der letztere war, wie schon erwähnt, im Laufe des Sommers hier thätig gewesen.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde, weil er auf einen Sonntag fiel, schon am Tage vorher, am 26. Januar, durch patriotische Ansprachen an die Schüler gefeiert.

*) Die im Laufe des Schuljahres in das Lehrerkollegiam eingetretenen Lehrer berichten über ihren Lebenslauf Folgendes:

Ich, Ludwig Freund, geboren am 26. März 1862 zu Darmstadt, besuchte das dortige Gymnasium, studierte von Herbst 1880 bis Ostern 1885 auf den Universitäten München und Giessen klassische und deutsche Philologie und Geschichte und bestand die Staatsprüfung am 21. Mai 1885. Nachdem ich an dem Realgymnasium in Darmstadt mein Probejahr absolviert hatte, genügte ich Herbst 1885 meiner Militärpflicht beim Infanterie-Regiment No. 115. Von Dezember 1887 bis April 1888 war ich mit einer Vertretung an der Realschule mit Progymnasialabteilung in Friedberg betraut, worauf mir durch ministeriellen Erlass vom 14. April 1888 eine provlsorische Lehrerstelle an dem Gymnasium Fridericianum übertragen wurde.

Ich, Friedrich Becker, geboren zu Darmstadt den 26. Mai 1860, besuchte in den Jahren 1866 bis 1874 die Vorbereitungsschule und Realschule zu Michelstadt, darauf das Gymnasium zu Giessen, wo ich mit dem Reife- zeugnis Ostern 1880 entlassen wurde. Nach vierjährigem Studium der alten Philologie auf der Hochschule zu Giessen bestand ich am 13. Februar 1885 die Staatsprüfung daselbst. Das Probejahr als Lehrer brachte ich am Gymnasium zu Darmstadt zu. Nachdem ich darauf ein Jahr lang als Hauslehrer zum Teil in Osterreich zugebracht, erhielt ich die erste Verwendung an dem Realgymnasium zu Mainz Ostern 1887. Dieselbe dauerte bis Herbst 1888, bis ich nach Laubach an das Gymnasium berufen wurde.

Ich, Josef Collin, geboren am 2. Februar 1864 in Mainz, besuchte das Gymnasium in Mainz von 1873 bis 1881, studierte in Giessen und Berlin klassische Philologie, Deutsch und Geschichte, beendete mein Studium am 26. Februar 1886 mit dem Fakultätsexamen in Giessen, legte von Ostern 1886 bis Ostern 1887 meinen Access am Gymnasium zu Mainz ab, genügte hierauf bis 1. April 1888 meiner militärischen Dienstpflicht in Mainz, war alsdann zur Vertretung an den Gymnasien zu Laubach und Darmstadt verwendet, bis ich vom 1. Oktober 1888 ab am Gymnasium zu Laubach ständige provisorische Verwendung fand.