Jahrgang 
1879
Einzelbild herunterladen

2

thümlichkeit des Schriftstellers eingehend erörtert. Die gesammte Forschung ver- weilte jedoch mehr bei der kritischen Feststellung des Textes als bei detaillirter sprachlicher Untersuchung, wenn auch letztere oft in Fragen der Kritik herangezogen werden musste. Wenige Arbeiten liegen vor, welche die Diktion des Antiphon zum Hauptzweck der Besprechung haben, wie die Abhandlung von Ottsen, de Antiphontis verborum et formarum specie(Rendsburg, 1854, Schul-Programm). Pahle(Die Reden des Antiphon, Jever 1860, Sch.-Pr.) und Schmitt(de oratione in novercam quae Antiphontis fertur dissertatio, Fulda, 1853, Schul-Programm) haben gelegentlich den Sprachgebrauch Antiphons herangezogen, um daraus die Unechtheit der ersten Rede(aœrοοια ραορααexeαes zud i uruudς) nachzuweisen, wogegen Ad. Hoppe(Antiphonteorum specimen. Halae Sax. 1873. diss. inaug.) aus dem- selben Moment die Echtheit der ersten Rede darzuthun unternimmt. Auf dieselbe Weise tritt Ph. Both in einem Oldenburger Schulprogramm(de Antiphontis Rhamnusii tetralogiis 1876) für die Echtheit der Tetralogien auf, nachdem er in seiner 1875 erschienenen Doktordissertation(de Thucydidis et Antiphontis genere dicendi, Marburgi ad Log. 1875) den Stil des Antiphon und Thukydides genauer verglichen hatte. Vor allem aber muss hier die Schrift von H. Schäfer genannt werden, de nonnullarum particularum apud Antiphontem usu(diss. inaug. Gottingae 1877), welche dem Verfasser erst bekannt wurde, als er die vorliegende Arbeit fast abgeschlossen hatte. Schäfer geht bei der Behandlung der einzelnen Partikeln so zu Werke, dass er die Stellen der ersten bis vierten Rede, weil die Echtheit derselben nicht völlig gesichert sei, von denjenigen der fünften und sechsten trennt. Innerhalb dieser Scheidung theilt er dann wieder so, dass er zuerst die kritisch gesicherten Stellen anführt und dann die zweifelhaften. In dieser Weise bespricht er den Gebrauch von 1e(S. 6 23), ugy und 08(S. 24 36), obv(S. 37 38), 1 z»(S. 3839), dj, Oijræ, Ojxou,&rεααον(S. 39 42), pE(S. 43 47), roi, xui⁵o*, uCντοο(S. 47 52), roiwνv(S. 52 53). So praktisch nun aber die Trennung zwischen sicherem und zweifelhaftem ist, so trägt doch die Art, wie Schäfer dieselbe durchgeführt hat, viel dazu bei, die Uebersichtlichkeit des Ganzen zu erschweren; viele ihrer Bedeutung nach zusammengehörige Stellen werden auf diese Art aus- einandergerissen und ihr Verständniss verhindert. Auch ist die Unechtheit der vier ersten Reden bei weitem nicht in dem Grade wahrscheinlich, als dass eine von den übrigen Reden gesonderte Behandlung derselben empfehlenswerth wäre. Einzelnes wird seiner Zeit näher besprochen werden. Im ganzen fehlt, wie Blass in seinem Werke über die attische Beredsamkeit(Bd. I, S. 184 i. Anfang) mit Recht sagt, noch viel, ehe wir uns ein vollständiges Bild der Eigenthümlichkeiten Antiphons in formaler, lexikalischer und syntaktischer Beziehung machen können, während dies doch eine unerlässliche Vorbedingung ist, um, von anderen Fragen zu schweigen, über die Frage nach der Echtheit der vier ersten Reden uns ein nur einigermassen gegründetes Urtheil zu bilden.