I. Allgemeiner Theil. 1.
Welchen Nutzen es gewähre, den Sprachgebrauch einzelner Schriftsteller ein- gehend darzulegen, dürfte in unserer Zeit kaum noch nöthig sein zu erwähnen. Vorliegender Versuch, der Art, wie Antiphon einige griechische Partikeln anwen- dete, nachzugehen, entspringt aus allgemeineren lexikalischen Arbeiten, welche der Verfasser über diesen Autor begonnen hat. Es sind vorzugsweise die affirmativen Modalpartikeln(s. S. 5), welche den Gegenstand unserer Aufmerksamkeit bilden werden, doch sollen hiervon einige andere ihrer Ableitung nach mit jenen verwandte Partikeln nicht ausgeschlossen werden.— Um nach den verdienstvollen Arbeiten, welche wir über die griechischen Partikeln besitzen, das Recht zu haben, über Ableitung, Grundbedeutung und Gebrauch derselben selbstständige Urtheile mit Nachdruck auszusprechen, hätte es umfangreicherer Studien bedurft, als dem Verfasser die Richtung seiner Arbeiten zu machen erlaubte; es musste daher genügen, die verschiedenen Ansichten in objektiver Fassung zusammenzustellen und die ansprechendsten und durch die Forschung gesichertsten Ermittelungen für die Behandlung des Antiphonteischen Gebrauches zu verwerthen, eigene Ideen aber über die Bedeutung der Partikeln möglichst zurückzudrängen. Jedenfalls sollten die Stellen aus Antiphon im Anschlusse an die von Friedrich Blass veranstaltete Ausgabe(Leipzig, Teubner 1871), welche sich durch besonnene Masshaltung in der Kritik vor anderen kritischen Unternehmungen neuerer Zeit in hohem Grade auszeichnet, möglichst vollständig gegeben werden, um anderen Forschern wenigstens brauchbares Material zu bieten.—
Von den Untersuchungen über Syntax und Stil des Antiphon ¹) sind nach lexikalischer Seite hin die indices graecitatis in singulos oratores Atticos von J. J. Reiske(ed. T. Mitschell, II tomi, Oxonii 1828) zu nennen, welche jedoch für die Partikeln keine Ausbeute gewähren. Unter den Herausgebern hat Mätzner in seinen erklärenden Anmerkungen zu Antiphon(Berlin 1838) manche sprachliche Eigen-
¹) Vgl. Nikolai, griech. Literaturgeschichte, neu bearb., Magdeburg 1873, I, S. 351 ff. und
S. 363 ff. Einige neu hinzugekommene Sachen sind unten genannt. 1


