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Am 1. Oktober trat er in den Ruhestand. Unter seinen Auspicien ist die Anstalt im Jahre 1886 gegründet worden und seitdem hat sie ununterbrochen unter seiner Aufsicht gestanden. Sie hat sich jederzeit der ganz besonderen, man kann wohl sagen väterlichen Fürsorge und Liebe ihres Gründers zu erfreuen gehabt. Daher ist es kein Wunder, daß der Rücktritt dieses Mannes aus seinem Amte an unserer Anstalt ganz besonders schmerzliche Gefühle hervorgerufen hat. Die fünf Direktoren der Casseler höheren Lehranstalten haben am 31. September d. J. im eigenen und im Namen ihrer Anstalten dem aus dem Amte scheidenden so verehrten Vorgesetzten den tiefgefühlten Dank für all die Liebe und Treue ausgesprochen, welche er den Anstalten erwiesen hat. Derselbe sei hier nochmals aus tiefstem Herzen wiederholt. Wir hoffen zu Gott, der ihn mit Gesundheit des Leibes und Kraft des Geistes weit über die gewöhnlichen Grenzen der Zeit hinaus sichtbar gesegnet hat, daß er ihn noch recht lange der Ruhe, die er, wenn je einer, wohl verdient hat, möge genießen lassen zur Freude seiner Familie und des großen Kreises derer, die ihn verehren.
Auch der Ubergang des Direktors des städtischen Realgymnasiums Dr. Wittich in den Ruhestand nach 26 jähriger ununterbrochener Tätigkeit an seiner Anstalt soll hier nicht unerwähnt bleiben. Denn nicht bloß war das Verhältnis unserer Anstalt zu dem Realgymnasium unter dem Direktorate Dr. Wittichs stets ein vorzügliches, sondern Direktor Dr. Wittich hat sich auch durch seine Tätigkeit als Mitglied des Vorstandes des Provinzial-Vereins um die Hebung unseres Standes dauernde Verdienste erworben. Unsere Anstalt wünscht ihm einen langen heitern Lebensabend.
Am 18. August fiel auf Allerhöchsten Befehl der Vormittags-Unterricht aus, damit die Schüler die Parade ansehen könnten..
Am 2. September wurde das Sedanfest in gewohnter Weise gefeiert. Es war von schönem Wetter begünstigt und von zahlreichem Publikum besucht. Die Ansprache und Preisverteilung hielt der Oberlehrer Sandrock.
Bei der Einweihung des Bismarckturmes auf dem Brasselsberge, die am Nach- mittage des 2. September stattfand, war die Anstalt durch eine Abordnung von 22 Schülern der obern Klassen mit Fahne und durch 8 Herren des Lehrerkollegiums vertreten.
Am 10. November wurde der 400 jährige Geburtstag Philipp des Groß- mütigen in der Andacht der evangelischen Schüler um 11 Uhr vormittags mit Gesang und einer Ansprache des Oberlehrers Dr. Homburg gefeiert.
Am 7. Dezember beehrte Seine Excellenz der Herr Oberpräsident von Windheim die Anstalt durch einen mehrstündigen Besuch. Er ließ sich die im Konferenzzimmer versammelten Mitglieder des Lehrerkollegiums durch den Direktor vorstellen und wohnte dem Unterricht in einer Anzahl von Klassen bei.
Am 23. Dezember fand die Weihnachtsandacht bei brennenden Christ- bäumen in der Aula statt; die Leitung hatte Professor Steyer.
Am 18. Januar 1905 hielt der Turnverein sein erstes Schauturnen in der Turnhalle ab. Es waren dazu viele Herren des Lehrerkollegiums und viele Eltern und Angehörige der Schüler und Freunde der Anstalt erschienen. Sie verfolgten das Schau- turnen mit großem Interesse. Der Eifer des Vereins und seine Leistungen fanden allgemeine Anerkennung.—


