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Am 28. November, als am 1. Adventssonntage, wurde von Lehrern und Schülern der Anstalt in der Oberneustädter Kirche die gemeinsame Feier des heiligen Abendmahls gehalten.
Am 10. Dezember wurde unter Leitung des Gesanglehrers Stolzenberg eine musikalische Abendunterhaltung abgehalten, die sehr zahlreich besucht war.
Durch Erlass des Herrn Ministers vom 19. December wurde dem Oberlehrer Franz der Professortitel verliehen.
Bei der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs am 27. Januar hielt Oberlehrer Bochröder die Festrede über die Beziehungen Napoleons III. zu Preussen und Deutschland. Am Vorabend des Festtages fand in der Aula eine musikalische Auf- führung des Musikvereins der Anstalt statt, die von den zahlreich versammelten Gästen sehr beifällig aufgenommen wurde.
Am 10. Februar nahm Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer den beiden Seminar- kandidaten die ersten Probelektionen ab.
Zur Feier des vierhundertjährigen Geburtstages Philipp Melanchthons am 16. Februar versammelten sich alle evangelischen Lehrer und Schüler um 10 Uhr im grossen Saale der Anstalt, um das Andenken des hochverdienten Mannes zu ehren. Dem Gesange des Lutherliedes folgten Deklamationen von Liedern, die auf Melanchthon Bezug hatten und seine Person wie seine Thätigkeit in helles Licht setzten. Die Festrede hielt der Direktor. Er führte in grossen Zügen ein Lebensbild Melanchthons vor und zeichnete ihn als Reformator und als Lehrer, als den praeceptor Germaniae und den Doktor über alle Doctores. Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer beehrte die Versammlung mit seinem Besuche.
Die schriftliche Reifeprüfung der Osterabteilung fand in den Tagen vom 1. bis 6. Februar, die mündliche unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrats Dr. Lahmeyer am 1. März und die Entlassung am 3. März statt.
Die schriftliche Abschlussprüfung wurde in der Zeit vom 15.—19. März, die münd- liche unter Vorsitz des Direktors am 3. April abgehalten.
Der Gesundheitszustand war im allgemeinen gut. Es haben Lehrer und Schüler wegen Krankheit mehrfach fehlen missen, aber diese Fälle traten nicht öfter als sonst ein. Nur Herr Professor Dr. Praetorius sah sich durch sein zunehmendes Herzleiden wieder- holt gezwungen, von der Schule fern zu bleiben. Er hielt sich zwar aufrecht und that seine Schuldigkeit, so lange er konnte; aber die Krankheit brach seine Kraft. Dienstag den 2. Februar war er zum letzten Male in der Anstalt, die ihm so teuer war und so viel verdankte. Zunächst war es eine starke Erkältung, die ihn fernhielt, aber in ihrem Gefolge stellten sich alle Beschwerden ein, die ihn schon seit Jahren gequält hatten, und am 4. März abends 7 Uhr nahm Gott ihn zu sich und erlöste ihn von den Leiden dieser Zeit, die nicht wert sind der Herrlichkeit, die in uns soll geoffenbaret werden. An dem feierlichen Be- gräbnis, das am 8. März vom Trauerhause aus zum Casseler Friedhofe stattfand, beteiligten sich mit den Vertretern der vorgesetzten Behörde, Sr. Excellenz dem Wirklichen Geheimen Rat und Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, Herrn Magdeburg und dem Provinzial-


