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mülste hier und heute dem Direktor Heuſsner, dem Begründer und langjährigen Leiter dieser Anstalt, die Ehre der Mitgliedschaft übertragen werden, und er, Redner, würde der erste sein, der jene CEhrung beantragte; aber es bedürfe einer solchen Anerkennung nicht; im Herzen dieser Schule lebe für immer Dankbarkeit und Verehrung gegen ihren ersten, hoch- verdienten Direktor. Hierauf wandte sich der Sprecher an die Lehrer mit der Versiche- rung, daſs er ihnen unbedingtes Vertrauen entgegenbringe. Er wisse, welchen Verlust sie erlitten hätten, und er sei bestrebt, ihn zu ersetzen. Gleich seinem Herrn Vorgänger sei er ein überzeugter Anhänger der neuen Richtung in der Pädagogik, die da verlange, dafs der Lehrer nicht nur ein gelehrter, vielseitig gebildeter und charaktervoller Mann sei, sondern daſs er seinen schönen, aber auch schweren Beruf als eine Kunst ansehe und als solche betreiben lerne. Indessen diesen Kollegen brauche er nicht erst zu sagen, wie Not es thue, immer und überall mit Uberlegung vorzugehen; sie seien angehalten gewesen, die Natur ihrer Schüler zu beobachten und eigenartig zu behandeln, die Lehrstoffe passend aus- zuwählen, die Stunden geschickt zu erteilen. Bei all diesen Bestrebungen, die auf Hebung des erziehenden Unterrichts und damit auf die Förderung des wahren Wohles der Schüler gerichtet seien, dürften sie auf seine unbedingte Unterstützung zählen; in jedem Falle aber möchten sie überzeugt sein, dafs ihm das Wohl der Lehrer wie der Schüler am Herzen liege und daſs er all seine Kraft daran setzen werde, in fröhlicher Eintracht mit ihnen die schöne Anstalt gedeihlich weiter zu entwickeln. Zum Schlufs wandte er sich mit eindringlichen Worten an die Schüler, sie zu Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue zu ermahnen. Auch die besten Lehrer vermöchten nichts auszurichten, wenn die Schüler es an sich fehlen lieſsen Wenn aber von ihrer Seite ernster Wille gezeigt, Fleiſs aufgewandt, Zucht gehalten und gute Sitte gewahrt werde, dann würden sie schon in der Schule ein glückliches Dasein führen und dereinst im Leben sich tüchtig erweisen, Gott zur Ehre, dem König und dem Vater- lande zum Heile, sich selber aber zur Freude zu schaffen und zu wirken. Aber freilich, es müsse noch etwas hinzukommen, wenn das Werk gedeihen solle, das sei der Segen Gottes des Allerhöchsten. Wo Er nicht das Haus baue, arbeiteten umsonst, die daran bauten; wo Er nicht die Stadt behüte, wachten die Wächter umsonst. So schloſs der Redner mit dem Gebetswunsch, dals der gnädige Gott mit dieser Anstalt sein möge, daſs er behüte, die in ihr lehrten und lernten, und daſs er die Arbeit segne, die hier getrieben werde.
Zur Freude von Lehrern und Schülern wohnte der seitherige Direktor der Anstalt, Dr. Heuſsner, der Feier bei, wie der Unterzeichnete es sich nicht hatte versagen können, bei der kurz vorher stattfindenden Einführung des Direktors Heufsner im Friedrichs-Gymnasium zugegen zu sein. Die beiden Direktoren bekundeten damit, wie Geheimer Rat Lahmeyer zutreffend bemerkte, dals sie das beste wechselseitige Einvernehmen wünschten und ernstlich bemüht seien, bei aller Selbständigkeit und Eigenart ihrer Anstalten doch denselben hohen Zielen zuzustreben.


