Jahrgang 
1914
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6. Umwandlung der Anstalt, Unterrichtsbetrieb. Von Ostern an wird nur noch die Olb dem alten System angehören; alle anderen Klassen folgen dem Lehrplan des Reform-Realgymnasiums, und Ostern 1915 wird die Umwandlung der Schule vollständig durch- geführt sein.

Die naturwissenschaftlichen Schülerübungen, deren der vorige Jahresbericht Erwähnung tut, wurden fortgesetzt und die mit dem Unterricht verflochtenen Übungen nunmehr auch auf den physikalischen Unterricht der Obersekunden, den chemischen und zum Teil auch den physikalischen Unterricht der Unterprimen ausgedehnt. Es kann jetzt schon ausgesprochen werden, daß diese UÜbungen vollauf die Erwartungen erfüllt haben, mit denen wir an sie heran- getreten sind. Die Schüler arbeiten sich mit Lust und Verständnis in die naturwissenschaftlichen Begriffe und Gesetze ein, und die mit dem Unterricht betrauten Lehrer sind mit dem Erfolgen recht zufrieden. In anerkennenswerter Weise hatten auch in dem abgelaufenen Schuljahr die städtischen Behörden für diesen Zweck besondere Mittel zur Verfügung gestellt. Ebenso gebührt ihnen Dank für die Bewilligung von Mitteln zur Herstellung eines größeren botanischen Gartens, der unmittelbar neben dem Schönfelder Park angelegt wird und der Pflanzen für den Unterricht liefern soll, aber auch von den Klassen zu Besichtigungen an Ort und Stelle aufgesucht werden kann.

Französische Konversationsstunden fanden im Sommerhalbjahr unter Leitung des französischen Lehramtsassistenten statt. Im Winterhalbjahr erteilte der Direktor den Schülern der Ula einen Kursus in philosophischer Propädeutik, in dem in 14 den verschiedenen Fächern entnommenen Stunden die Methodenlehre durchgenommen wurde.

Die Schülerselbstverwaltung wurde weiter ausgedehnt. Seit 3 Jahren werden die Ordner der Klassen als Vertrauensmänner von den Schülern selbst gewählt und nach Anhörung der Klassenleiter vom Direktor bestätigt. Außer ihren gewölinlichen Amtern hatten die Ordner der oberen Klassen bisher schon die Sorge für die Milchküche und für Seife und Handtücher in den Waschräumen übernommen und diese Verrichtungen mit großem Eifer und zu voller Zufriedenheit ausgeführt. Da sie nun ausdrücklich den Wunsch äußerten, auch die Aufsicht im Hause in den Pausen zu übernehmen, so wurde ihnen dieses Amt zunächst neben der Lehrer- aufsicht, später unter Zurückziehung der letzteren übertragen. Wenn auch nicht verkannt werden soll, daß manchen jüngeren Schülern es noch nicht einleuchten will, welches Maß von Vertrauen ihnen hierdurch entgegengebracht wird, so ermutigen doch die von den meisten Ordnern mit Eifer und Ernst verfolgten Bestrebungen zum Verharren auf dem einmal ein- geschlagenen Wege.

7. Schulfeiern, Ausflüge, Ferien. Das abgelaufene Schuljahr war als Gedenk- jahr der Erhebung des deutschen Volkes vor hundert Jahren und aus anderen Gründen ein rechtes Jahr der Feste und Feiern. Die Reihe wurde eröffnet mit der Feier des 25 jährigen Regierungs-Jubiläums Seiner Majestät des Kaisers und Königs am 16. Juni, bei der sich an Vorträge der Schüler und Chorgesänge eine Festrede des Herrn Professor Dr. Kugel über das segensreiche Wirken unseres Kaisers in diesen 25 Jahren anschloß. Es folgte ein Schau- und Preisturnen, bei dem folgende Schüler Preise erhielten: I. Abt. Bohne Olb, Pfannenschmidt Ola, Ziersch Olb; II. Abt. Matthieu Olllb, Baetz Ulla, Köhler Ullb; III. Abt. Herbordt Ullla, Sterra IVb, Trost Ullla, Kienzler IVb; IV. Abt. Meyer Vb, Elste Vb, Schütte Va, Hartmann Vb; V. Abt. Hille Vla, Sterra VIb, Perlstein VIb, Brösel Vla. Die Sedanfeier fand in der üblichen Weise am 2. September statt; der Oberprimaner Ludwig Zimmermann schilderte den Verlauf des Frühjahrsfeldzuges im Jahre 1813; das Schau- und Wetturnen fiel aber diesmal aus. An der Tausendjahrfeier der Stadt Cassel nahm auch die Schule regen Anteil, zunächst durch eine kleine Feier im engeren Kreise der Anstalt am 26. September, bei der Herr Oberlehrer Dr. Follstein einen geschichtlichen Uberblick über die Entwickelung der Residenz aus den kleinsten Anfängen gab. Am folgenden Tage fanden vormittags auf dem zu einem großen Festplatze umgewandelten Bowlingreen nach Beendigung des Keulenschwingens von Schüle- rinnen der hiesigen höheren Lehranstalten für die weibliche Jugend gemeinsame Freiübungen der Schüler der oberen und mittleren Klassen aller hiesigen höheren Knabenschulen statt. Daran schlossen sich Wettkämpfe in volkstümlichen Obungen an, bei denen das Realgymnasium mit dem 3. Preise ausgezeichnet wurde, während die Oberprimaner Pfannenschmidt und Bohne