Jahrgang 
1912
Einzelbild herunterladen

17

sammenhang und die Gesetzlichkeit der Erscheinungen zu ergründen. In dem Gleichgewicht zwischen dem Anteil, den die Schule den Geistes- wie den Naturwissenschaften einräumt, erblicke ich die Berechtigung und die Stärke der realistischen Bildung. Diese beiden Seiten der Erkenntnis liebevoll zu pflegen und der geistigen Erkenntnis hinzuzufügen die Stählung des Körpers, die Herrschaft über den Willen und eine gefühlstiefe Auffassung alles göttlichen Wesens und Wirkens, das ist das hohe Ziel, das unserer Arbeit an der Jugend gesteckt ist. Möge der Segen Gottes dieser Arbeit beschieden sein, dann wird in diesen Hallen stets ein Geschlecht heranwachsen, das, stark an Geist und Leib, sich der Verantwortung bewusst bleibt, die ihm dar- gebrachten Opfer durch eigene Opfer im Dienste des Staates oder der Gemeinde zu vergelten. Das walte Gott!

Der Chor aus der Glocke von Romberg:Holder Friede, süsse Eintracht, vom Chor unter Begleitung durch die Orgel und ein Schüler-Orchester vorgetragen, bildete den Schluss der Feier, an die sich eine Besichtigung der neuen Schule durch die vom Magistrat geladenen Ehren- gäste anschloss.

Am Nachmittag desselben Tages fand auf dem Schulhof der Anstalt ein Schauturnen statt, an dem auch die unteren Klassen teilnahmen und das gleichfalls von zahlreichen Eltern der Schüler und Freunden der Anstalt besucht war. Letztere hatten im Anschluss daran Gelegenheit, die neuen Räume und ihre Einrichtungen zu besichtigen. Am Abend desselben Tages veranstaltete der Verein ehemaliger Schüler im grossen Stadtparksaal einen Kommers, der sich ebenfalls eines zahlreichen Besuches, auch von seiten der Vertreter der Behörden, erfreute und an dem auch die Schüler der oberen Klassen teilnahmen. Von Seiner Königlichen Hoheit Prinz Heinrich von Preussen lief auf ein Begrüssungstelegramm der Versammlung folgende Antwort ein: Auf- richtigsten Dank und Gruss! Möge das neue Realgymnasium den kommenden Generationen zum Segen gereichen und möchten tüchtige, arbeitsfreudige Männer als Zöglinge dieser Anstalt aus ihr hervorgehen zum Nutzen unseres Deutschen Vaterlandes! Heinrich Prinz von Preussen.

5. Sonstige Schulfeiern, Ausflüge, Besichtigungen, Ferien. Mit Rück- sicht darauf, dass bereits bei der Einweihung der Anstalt ein Schauturnen stattgefunden hatte und infolge der grossen Hitze viele Turnstunden ausgefallen waren, musste bei der diesmaligen Sedanfeier auf die Veranstaltung eines Schauturnens verzichtet werden. Auch zu der sonstigen Feier konnten die Eltern nicht eingeladen werden, da von der Decke der Aula an einer Stelle sich der Verputz gelöst hatte. So wurde der Bedeutung des Tages denn in der Turnhalle durch Gesänge und Deklamationen sowie durch eine Ansprache gedacht, die Herr Erdmann über die Tätigkeit des Roten Kreuzes in Krieg und Frieden hielt. Zugleich wurden dabei von dem Direktor die Preise verteilt, die in einem vorher abgehaltenen Preisturnen errungen worden waren. Es erhielten sie folgende Schüler: 1. Abteilung(I, OID: 1. Baetz O IIa, 2. Bohne U Ia, 3. Koch U Ia; 2. Abteilung(U II, O IID: 1. Brunn O0 III a, 2. Kammandel O III a, 3. Möller U IIc; 3. Abteilung(U III, IV): 1. Matthieu U III a, 2. Köhler U III b, 3. Geyer U III a, 4. Heinrich Baetz U III a; 4. Abteilung(V): 1. vom Hagen V b, 2. Nitsch Va, 3. Reineck Va; 5. Abteilung(VI): 1. Kienzler VIb, 2. Schaub VIa, 3. Schütte VI a, 4. Nagell VIa. Nach dieser Feier hatten die Eltern der Schüler zur Besichtigung der Schule wiederum Gelegenheit, die von Hunderten benutzt wurde.

Am letzten Tage vor den Herbstferien fand eine Gedächtnisfeier zum Andenken an den 100 jährigen Geburtstag der hochseligen Kaiserin Augusta statt, bei der Herr Professor Siebert vor versammelter Schule ein Lebensbild der verstorbenen Kaiserin entwarf.

Am 16. Dezember veranstaltete die Schule eine Abendunterhaltung, die sich aus musi- kalischen Vorträgen eines Schülerorchesters und einzelner Schüler, turnerischen Darbietungen des Schülerturnvereins und der Aufführung der SzeneTorgau von Otto Ludwig zusammen- setzte. Der Reinertrag der gut besuchten Veranstaltung wurde zum Ankauf von Lichtbildern für den grossen Projektionsapparat verwandt.

Bei der Kaisergeburtstagsfeier am 27. Januar 1912, die sich in dem üblichen Rahmen bewegte und von Eltern der Schüler zahlreich besucht war, hielt Oberlehrer Dr. Samse die Festrede über Friedrich den Grossen zum Gedächtnis an die 200. Wiederkehr seines Geburtstages.