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nicht wankend machen konnte. Auch Herrn Zeichenlehrer Karbiner, der sich in den letzten Jahren durch Krankheit gezwungen sah, zweimal einen halbjährigen Urlaub nachzusuchen, und der nunmehr die Bürde des Amtes nicht mehr zu ertragen vermochte, bleibt die Schule zu grossem Dank verpflichtet für den unermüdlichen Eifer, mit dem er sich seit 33 Jahren der zeichnerischen Ausbildung unserer Schüler angenommen hat. Die im Festsaale der Anstalt hängenden, von ihm entworfenen künstlerischen Bilder werden die Erinnerung an ihn stets wach erhalten.
4. Schüler. Von der im September herrschenden Typhus-Epidemie wurde die Schule glücklicherweise wenig in Mitleidenschaft gezogen; es erkrankten nur 2 Schüler, die beide wieder genasen.
5. Revisionen, Prüfungen. Einer Inspektion wurde die Anstalt am 10. und 11. Dezember durch den Königlichen Provinzial-Schulrat Herrn Dr. Wassner unterzogen.
In der mündlichen Reifeprüfung im Herbst(am 13. September), für die der Direktor zum Königlichen Kommissar ernannt worden war, bestand ein Oberprimaner. Ausserdem waren der Anstalt 9 fremde Prüflinge zugewiesen worden, die nach vorausgegangener schriftlicher Prüfung am 9. und 10. September die mündliche Reifeprüfung ablegten. Als Kgl. Kommissar wirkte Herr Geh. Regierungsrat Dr. Kaiser, der am zweiten Tage durch den Direktor ver- treten wurde. Es bestanden die Prüfung: Dorothea Ebert und Alice Hochschild aus Frankfurt a. M., Käthe Abraham aus Wiesbaden, Otto Spude aus Cassel, Walter Gutermann und Friedrich Hastenpflug aus Marburg a. L. Bei der mündlichen Reifeprüfung im Ostertermin am 14. bis 16. Februar wurde der Kgl. Kommissar Herr Provinzial-Schulrat Dr. Wassner am zweiten und dritten Tage durch den Direktor der Anstalt vertreten. 26 Oberprimaner erhielten das Zeugnis der Reife, darunter 4 unter Entbindung von der mündlichen Prüfung. Weiterhin waren dem Realgymnasium zur Ablegung der Reifeprüfung die 8 Schülerinnen der obersten Klasse der hiesigen Realgymnasialkurse für Mädchen zugewiesen, die sich nach vorausgegangener schrift- licher Prüfung der mündlichen Prüfung am 25. und 26. Februar unterzogen. Sie bestanden sämtlich die Prüfung, bei der Herr Provinzial-Schulrat Professor Dr. Borbein den Vorsitz führte. Es sind: Margot von Borries, Charlotte Ehrenberg, Hedwig Fondy, Bertha Heinemann, Elisabeth Jacobi, Winifred Kersten, Gertrud Kohn und Dora Stern. Eine Ergänzungsprüfung im Latei- nischen bestand am 29. April 1909 stud. phil. Oscar Müller aus Niederdorla bei Mühlhausen in Thüringen. Am 10. Marz 1910 fand eine Prüfung der Reife für Prima statt, die Margarethe Hellwig von hier bestand. Prüfungen früherer Oberrealschüler hinsichtlich der Reife im Latei- nischen für Prima oder Obersekunda wurden ferner noch am 21. Dezember, 10., 12. und 15. März abgehalten.
6. Umwandlung der Anstalt, Unterrichtsbetrieb. Die Umwandlung der Anstalt in ein Reformrealgymnasium griff im ablaufenden Schuljahr auf die Untertertien(U III a und b) über, in denen zum ersten Mal der lateinische Anfangsunterricht erteilt wurde, während diese Schüler in den unteren Klassen nur Französisch als Fremdsprache getrieben hatten. Die U III c hingegen, die alle sitzengebliebenen Untertertianer des Vorjahres umfasste, wurde nach dem alten Lehrplan unterrichtet.
Der lateinische Anfangsunterricht hat die Erwartungen, die man auf ihn setzte, voll er- füllt. Die Aneignung des lateinischen Wortschatzes wird durch die Kenntnis der franzöôsischen Sprache ganz erheblich gefördert. Das vorgerückte Alter der Schüler und die mehrjährige Beschäftigung mit einer verwandten fremden Sprache erleichtert das Verständnis zahlreicher Erscheinungen, sodass der Unterricht von vornherein viel mannigfaltiger und frischer gestaltet


