III. Schulgeschichte.
1. Verwaltungskommission. In der Zusammensetzung der Verwaltungskommission ist keine Anderung eingetreten.
2. Lehrkörper der Anstalt. Einen schweren Verlust erlitt die Anstalt durch den Tod des Herrn Professor Dr. Kramm, der am 23. Februar ganz unerwartet den Folgen einer Operation erlag. Was die Anstalt an dem Verstorbenen verloren und welche bleibenden Ver- dienste er sich um das Gedeihen der Schule erworben, lehrt die Ansprache, die der Direktor am 25. Februar nach einer Tauerandacht an die versammelten Schüler richtete und die deshalb hier Platz finden möge:„Die Trauerweise, die ihr gesungen, und die Worte der Bibel, die ihr gehört, sollen uns daran mahnen, dass der Tod in unsere Reihen getreten ist. Vorgestern Morgen um 10 Uhr ist der erste Oberlehrer der Anstalt, Herr Professor Dr. Kramm, nach kurzem Krankenlager verschieden. Im Jahre 1844 zu Fulda geboren, besuchte er nach Absolvierung des dortigen Gymnasiums die Universität zu Marburg und erwarb sich daselbst im Jahre 1867 die Befähigung für das höhere Lehramt, sowie 1873 die philosophische Doktor- würde. Von 1867 bis 1872 war er alsdann mit einjähriger Unterbrechung während des Kriegs- jahres an der höheren Bürgerschule in Marburg tätig und trat am 1. Oktober 1872 in das Lehrerkollegium unserer Schule ein, der er also über 34 Jahre ununterbrochen angehört hat. Von hoher Begabung und wissenschaftlich hervorragend tüchtig, hat der Verstorbene diese ganze Zeit hindurch pflichttreu und gewissenhaft seines Amtes gewaltet und ganze Generationen von Schülern in die mathematisch-naturwissenschaftlichen Gebiete eingeführt. Seine Verdienste um die Schule wurden im Jahre 1893 durch Ernennung zum Professor und vor 1 ½ Jahren durch Verleihung des Roten Adler-Ordens anerkannt. Schlicht und einfach ist sein Leben verlaufen. Bei der ihm eigenen Zurückhaltung konnte man nicht leicht auf den Grund seiner Seele schauen; aber in der Tiefe seines Gemütes glomm das Feuer edler Begeisterung für die idealen Seiten seines Berufs, war herzliche und fürsorgende Liebe für seine Schüler zu lesen. So mag er denn in unserer Erinnerung weiter leben als ein Mann von durchaus lauterem Charakter, vornehmer Gesinnung und ehrlichem, geradem Sinn, dessen Andenken wir in Ehren halten wollen. Er ruhe in Frieden!“ Am 26. Februar geleiteten ihn das Lehrerkollegium, die Klassen von OI bis O III und viele Freunde und ehemalige Schüler zur letzten Ruhestätte, wo Herr Professor Dr. Schantz dem Verstorbenen herzliche Worte der Freundschaft und der An- erkennung widmete.
Von den Oberlehrern der Anstalt wurden zu Professoren ernannt und erhielten von Sr. Majestät den Rang der Raâte IV. Klasse verliehen die Herren Dr. Krüger, Bauer und Dithmar. Der Probekandidat Herr Sendler verliess Cassel mit Ende des vorhergehenden Schul- jahres, um die zweite Hälfte seines Probejahres als wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Liebig- Realschule in Frankfurt-Bockenheim fortzusetzen. Von den beiden Seminarkandidaten wurde Herr Goebel dem hiesigen Wilhelms-Gymnasium überwiesen, während Herr Richter zu Michaelis an die Oberrealschule in Marburg a. L. zur Ableistung des Probejahres überging. Dafür traten im Herbst als Seminarkandidaten neu ein die Herren Dr. Friedrich Goetze und Wilhelm Hillmer und ferner seit dem 6. Sept. Dr. Bickel(als Vertreter für den erkrankten Herrn Prof. Dr. Peters).


