Jahrgang 
1892
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Il. Chronik der Schule.

Das Schuljahr begann am 6. April. Die Pfingstferien dauerten von 16.20. Mai, die Sommerferien vom 6. Juli bis 1. August, die Herbstferien vom 28. September bis 10. Oktober, die Weihnachtsferien vom 23. September 1891 bis 6. Januar 1892. Am 1. März, als am Fastnachtstage, war ein schulfreier Tag. Am Nachmittag des 26. und 29. Juni sowie des 2. Juli fiel wegen der Hitze, am 12. September wegen der Kaiserparade, am 14. Januar nachmittags zum Zwecke des Eislaufs der Unterricht aus. In den Sommerferien wurde für Schüler der unteren und mittleren Klassen eine Ferienschule gehalten.

Bei der Feier von Kaisers Geburtstag am 27. Januar hielt Oberlehrer Dr. Siebert die Festrede. Die Gedächtnisfeiern für weiland Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. fanden in vorgeschriebener Weise statt. Am 2. September wurde vormittags eine Schulfeier mit Schulvorträgen und Chorgesängen und einer von Realgymnasiallehrer Dr. Meyer ge- sprochenen Festrede abgehalten. Am Nachmittag fand in üblicher Weise der gemeinsame Ausflug mit flatternden Fahnen, Musik und eignem Trommlercorps nach dem Habichtswalde unter zahl- reicher Beteiligung von Angehörigen unserer Schüler statt.

Am Nachmittag des 12. September, als Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin nachmittags von Wilhelmshöhe nach dem Schloss am Friedrichsplatz zum Essen fuhren, waren die Schüler des Realgymnasiums mit ihren Lehrern ebenso wie die andern Schulen zu beiden Seiten der Strasse aufgestellt, durch welche die kaiserlichen Wagen fuhren.

Am 1. April beging Herr Karbiner sein 25jähriges Dienstjubiläum, zu welchem ihm die Glückwünsche des Lehrerkollegiums von einer Abordnung an diesem Tage überbracht wurden; die Feier durch ein Festmahl fand am Schluss der ersten Schulwoche statt.

Am 15. April beging Herr Dr. Stein das Jubiläum seiner fünfundzwanzigjährigen Amts- thätigkeit an der hiesigen israelitischen Lehrerbildungsanstalt, zu welchem ihm der Direktor die Glückwünsche des Lehrerkollegiums überbrachte; an dem von der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens für Herrn Dr. Stein veranstalteten Festmahl beteiligten sich ausser dem Direktor noch 4 Lehrer unserer Anstalt, welcher Herr Dr. Stein von Anfang an als israelitischer Religionslehrer angehört.

Mit Schluss des Sommerhalbjahres schieden nach Beendigung ihres ersten praktischen Jahres von uns die Herrn Dr. Abbehusen, Lichtenstein und Schenk, um nunmehr das eigentliche Probejahr, den Vorschriften gemäss, an der Schule eines anderen Ortes durchzu- machen. An ihre Stelle traten die Herren Lesser, Dr. Levy und Ritter. Herr Dithmar, der früher sein Probejahr hier durchgemacht, trat im Herbst als unbesoldeter Hilfs- lehrer ein, während die unbesoldeten Hilfslehrer Kunze und Angersbach füͤr das Winter- halbjahr von uns schieden, der erstere, um an einem Kursus der Turnlehrerbildungsanstalt in Berlin teilzunehmen, der andere, um in Hofgeismar eine Lehrstelle am R. P. G. zu versehen.

Noch während der Osterferien verstarb der 2 Jahre vorher in den Ruhestand getretene Dirigent des städtischen Schulturnens Konrad Boppenhausen; unser Wunsch, es möchte ihm noch manches schöne Jahr verdienter Ruhe beschieden sein, war nicht in Erfüllung gegangen. Ein grosser Teil des Lehrerkollegiums geleitete den früheren Amtsgenossen mit zur letzten Ruhestätte.