Jahrgang 
1928
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wie im Vorjahr Studienrat Dr. Dippel. Der Ausschuß sorgte wie bisher für Durchführung der Hausordnung, er übernahm auch die Aufsicht in der Milchküche. Im Sommer arbeitete er an der Ausgestaltung des Sommerfestes und der Sonnenwendfeier mit. Die Satzungen des Schul- ausschusses wurden neu beraten und in einigen Stücken geändert.

Dem Turn-Ruder-Verein traten nach den Oster- ferien 15 neue Mitglieder bei, sodaß die Gesamtzahl der Mitglieder auf 45 stieg. An derGroßen Kasseler Regatta beteiligte sich der Verein mit einem Vierer und an der Schülerregatta mit zwei Vierern und einem Zweier. Das Wanderrudern wurde eifrig getrieben. Ein Vierer fuhr bis Bremen.

Vor den Sommerferien wurde mit dem Bau des neuen Bootshauses am Aueausgang begonnen, Ende August wurde es fertiggestellt und kurz vor den Herbstferien eingeweiht. Im Winter fand zweimal wöchentlich Turnen statt. Anfang Februar veranstaltete der Verein in beiden Sälen des Stadtparks eine Abendunterhaltung. Der Reinertrag sollte wieder zur Deckung der Kosten des Bootshausbaues beitragen. Herr Geheimrat Schulte- Tigges und der A. A.-Verband stifteten dem Verein das Geld zur Anschaffung eines neuen Vierers. Das Boot soll nach dem früheren Leiter der Anstalt, Herrn Geheim- rat Schulte-Tigges, genannt und zu Beginn des kommenden Ruderjahres getauft werden.

V. D. A.-Schulgruppe. Zu Beginn des Schuljahres hatte die Schulgruppe etwa 400 Mitglieder, im Laufe des Jahres stieg die Mitgliederzahl auf etwa 490. Die größte Veranstaltung der Gruppe war die Teilnahme an der dreitägigen Pfingsttagung in Goslar. Hieran schloß sich eine Wanderung, die in 5 Tagen quer durch den Harz über den Brocken zum Kyffhäuser führte. 2 Lehrer(Michel, Riebeling) und 25 Schüler nahmen daran teil. Den Daheimgebliebenen wurde in 2 Licht- bildervorträgen von den Erlebnissen auf der Tagung und der Wanderfahrt berichtet. Im November veranstaltete die Schulgruppe einen Lichtbildervortrag, in dem Herr Studienrat Michelüber seine Reise nach Siebenbürgen und in das Banat im Sommer 1927 berichtete. An dieser Veranstaltung nahmen auch die Obleute der übrigen Kasseler Schulgruppen und Mitglieder der Jugendgruppen teil. 1m Dezember veranstaltete die Gruppe eine Aus- stellung im Schulhause. 2 Modelle auslandsdeutscher Bauwerke, die Kalender und Zeitschriften des V. D. A., auslandsdeutsches Schrifttum und Schrifttum über das Auslandsdeutschtum wurden ausgelegt, um werbend und aufklärend zu wirken. Auch an den allgemeinen V. D. A.- Veranstaltungen in Kassel hat sich die Gruppe beteiligt. So an der Werbewoche im Februar 1927, an einem V. D. A.-Treffen mit deutschen Gästen aus Rumänien und Salzburg in Hann. Münden, einem solchen in Heiligen- stadt, am Empfang deutscher Lehrer und Lehrerinnen aus unserem Betreuungsgebiet in Rumänien, amFest des Blauen Wimpels in der Stadthalle und amSaar- abend im Stadtpark(Februar 1928). Auf demFest des Blauen Wimpels sprach Rudolf Brandsch aus Sieben- bürgen, der Vertreter der Minderheiten auf dem Inter- nationalen Minderheitenkongreß in Genf.

Für die Turnspiele stand uns außer den Plätzen zweier Sportvereine die Hessenkampfbahn an einem Nachmittag zur Verfügung. Auch in diesem Winter litten die Turnspiele sehr unter der Ungunst der Witterung, der

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Wintersport konnte nur an wenigen Tagen betrieben werden. Der Spielnachmittag war aufgabenfrei.

* Wanderungen. Die Klassen OI bis UII unter- nahmen im Mai zweitägige Wanderungen. Sie führten in das Wesergebiet, Werratal, den Thüringer Wald, die Rhön, das Knüllgebiet, den Kellerwald, ins Sauerland, in den Taunus. Die übrigen Wanderungen beschränkten sich auf die nähere Umgebung Kassels. In den Pfingst- ferien führte St.-R. Kappe eine Anzahl Schüler durch die Rhön, desgleichen St.-R. Bernhardt. St.-R. Michel und St.-Ass. Riebeling im Anschluß an die V. D. A.-Tagung in Goßlar durch den Harz. In den Herbst- ferien St.-R. Bechtel nach Weimar Naumburg, Coburg Bamberg. Studienrat Reese nach Würz- burg Nürnberg Stuttgart Ludwigsburg Maulbronn. St.-R. Mondon und O.-Z.-L. Cohrs nach Würzburg Rotenburg o./T. Dinkelsbühl und Nürnberg. Diese Wanderungen brachten außer der Erholung auch reichen Gewinn an erdkundlicher und künstlerischer Anschauung. Eine große Zahl von Schülerzeichnungen und photo- graphischen Aufnahmen aus dem Maintal wurde im Schul- hause ausgestellt und konnte für den Unterricht aller Schüler fruchtbar gemacht werden.

Besichtigungen. Mehreren Klassen wurde auch die Gelegenheit geboten, größere gewerbliche Werke zu besichtigen. Schüler der Ula besichtigten die Credésche Waggonfabrik, den Städtischen Schlacht- und Viehhof und mit der OIb zusammen das Staatstheater, die Olb ferner die Druckerei des Kasseler Tageblattes und das Städtische Gaswerk, die Teilnehmer der erdkundlichen Arbeitsgemeinschaft das Braunkohlenbergwerk Roter Stollen, die Klassen von OI bis Ull die Ausstellung Naturschutz und Kunst, die oberen und mittleren Klassen die AusstellungDer Mensch, die vom Städtischen Gesundheitsamt in Verbindung mit den Hygienemuseum in Dresden veranstaltet wurde.

Den Besitzern und Leitern der Fabriken und gewerb- lichen Werke sei auch hier der Dank der Schule für das freundliche Entgegenkommen und die vortreffliche Führung ausgesprochen.

Seit Ostern 1926 sind alle Schüler des Realgymnasiums bei dem Verband öffentlicher Unfall- und Haftpflicht- versicherungen in Berlin gegen Unfall versichert. Auch im abgelaufenen Schuljahr ist eine größere Zahl von Un- fällen vorgekommen.

Die ärztliche Sprechstunde wurde auch in diesem Jahre alle 14 Tage von Herrn Dr. Steinhardt ab- gehalten. Das Städtische Gesundheitsamt und die Kasseler Ferienkolonie ermöglichten wiederum einer Anzahl von Schülern einen Aufenthalt an der See, in einem Soolbad oder auf dem Lande. In der Städtischen Zahnklinik ließen sich 33 Schüler behandeln. Der Preis für das ganze Jahr betrug 1,50 RM für den Schüler.

i) Das Schulgeld betrug wie bisher für Einheimische 200, fürAuswärtige 250 RM mit der Ermäßigung von 25,50 oder 100% bei 2, 3 oder mehr älteren Geschwistern, die eine höhere Schule besuchen. Eine Min.-Verfügung vom 25. 1. 28 bestimmt, daß diese Vergünstigung in besonders liegenden Einzelfällen verweigert werden kann,wenn die Schule offensichtlich vorhandene Mängel an Schuleignung des betreffenden Kindes feststellt. Freistellen wurden verliehen: im Sommer 47 ganze, und 26 halbe; im Winter 44 ganze und 23 halbe. Zwei Schüler erhielten eine Erziehungsbeihilfe von 300, bezw. 150 RM.