Wanderungen. In den Osterferien unternahmen zwölf Schüler der Ulla unter Führung ihres Klassen- leiters eine mehrtägige Wanderung durch den Harz, die sie von Bad Lauterberg durch das Odertal über Stöwer- hay, Braunlage zum Brocken und von dort über Bad Harzburg nach Goslar führte.
An der Kufstein-Tagung des V. D. A. zu Pfingsten beteiligten sich zwölf Schüler der Primen und Sekunden unter Führung von Studienrat Dr. Bechtelund Zeichen- lehrer Cohrs. Im Anschluß an die allen Teilnehmern zu einer unvergeßlichen Erinnerung gewordene Tagung unternahm die Gruppe einige größere Ausflüge ins Hoch- gebirge und stattete dann auf der Rückreise München einen zweitägigen Besuch ab, der vor allem zur Be-
sichtigung des Deutschen Museums und der Verkehrs-
ausstellung benutzt wurde.
In den Herbstferien machten Studienrat Kappe und Bernhardt mit 23 Schülern eine neuntägige Fahrt nach München und Oberbayern. In München wurde die Verkehrsausstellung und das Deutsche Museum besichtigt. Ein weiterer Besuch galt dem Landerziehungsheim Schondorf am Ammersee. Zum Schluß wurde eine 2tägige Wanderung von Lenggries, über Jachenau, Walchensee(Kraftwerk), Kochelsee nach Kochel unter- nommen. Die Fahrt, die von prachtvollem Wetter be- günstigt wurde, war anstrengend, brachte aber Lehrern und Schülern viel Freude. Die Kosten beliefen sich auf etwa 27 Mark für den Teilnehmer ohne Verpflegung.
Unter Führung des Studienrats Reese unternahmen 9 Primaner und 1 Untersekundaner eine S tägige Studien- fahrt, die sie nach Fulda, Würzburg, Rothenburg o. T., Mergentheim, Miltenberg, Aschaffenburg und Frank- furt a. M. führte, um den mittelalterlichen Städtebau und die Baukunst des Barocks kennen zu lernen.
Studienrat Dr. Melchers unternahm mit 10 Schülern eine Fahrt nach Fritzlar zur Besichtigung des Domes.
Da die Stadt Cassel in den Haushalt eine Summe für Wanderungen eingesetzt hatte, war es auch bedürftigen Schülern möglich, an diesen Fahrten teilzunehmen.
Das Realgymnasium war auch in diesem Jahre dem Ortsausschuß für Augendpflege angeschlossen und genoß so die Vorteile des vom Staate mit der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-A.-G. abgeschlossenen Ver- trags. Eine größere Zahl von glücklicherweise unbe- deutenden Unfällen beweist den hohen Wert der Unfall- Versicherung.
Auch in diesem Jahre war den Schülern die Mög- lichkeit gegeben, in den Pausen Milch zu trinken. Die Milch wird von der Städtischen Milchküche in einwandfreiem Zustand geliefert. Während anfangs mehr als ein Viertel der Schüler sich beteiligte, sank die Lahl allmalhlich auf ungefähr ein Zehntel der Gesamtzahl
erab.
Herr Dr. med. Steinhardt hielt wie im ver- gangenem Jahre alle 14 Tage eine Sprechstunde im Schulhause ab. 33 Schülern wurde durch Vermittlung des Städtischen Jugendamtes und der Casseler Ferien- kolonie ein Aufenthalt an der See, in Soolbädern oder auf dem Lande zu billigen Preisen ermöglicht. Einigen Schülern wurden die Kosten ganz erlassen. Die Städtische Zahnklinik übernahnm in diesem Jahre die Behandlung der Sextaner und Quintaner. Aber trotz des geringen Preises von 1.50 Mk. für das ganze Jahr machten nur 16 Schüler von dieser Gelegenheit Gebrauch.
i) Das Schulgeld betrug monatlich 12.50 Mk. für Einheimische, 16 Mk. für Auswärtige. Für Einheimische tritt bei 2, 3 oder mehr Geschwistern, die eine höhere
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Schule besuchen, eine Ermäßigung um 25.50 oder 100 Prozent ein. Es wurden im Sommer 25, im Winter 27 ganze, und im Sommer 15, im Winter 16 halbe Frei-
deels gewährt. Ein Schüler erhielt eine Erziehungs- eihilfe.
k) Der Ausschuß für Berufsberatung konnte bei der schwierigen Wirtschaftslage nur wenig leisten.
5. Der Elternbeirat trat am 28. August und am 25. März zu wichtigen Sitzungen zusammen. In der ersten Sitzung wurde über die zukünftige Gestaltung der Schule beraten und dem Antrag des Lehrkörpers zugestimmt, wonach die Schule von Uz2 an in je einen Zweig mit dem Lehrplan des Realgymnasiums und dem der Oberrealschule gegabelt werden sollte. Außerdem legte Studienrat Dr. Melchers die traurige Lage der Schülerbücherei dar, zu deren Abhilfe der Elternbeirat die dringende Bitte an alle Eltern richtete, durch einen freiwilligen kleinen monatlichen Beitrag den allmählichen Wiederaufbau zu ermöglichen. Des ferneren wollte der Elternbeirat dafür eintreten, daß für den Chorgesang im Interesse der Schule und des städtischen Musiklebens wie bisher 3 Stunden zur Verfügung gestellt würden. In der zweiten Sitzung wurde beschlossen, die auf Jugendschutz zielenden Bestrebungen in geeigneter Weise zu unterstützen; besonders freudig wurde die vom Ministerium nunmehr eingerichtete Unfallversicherung aller Schüler begrüßt, weil sie nicht nur wie bisher die bei der Jugendpflege eintretenden Unfälle umfaßt und die geringen Kosten von jedem Schüler aufgebracht werden können. Außerdem wurde über den Bau eines Boothauses für den Turnruderverein beraten; es ist zu hoffen, daß die noch vorhandenen Schwierigkeiten über- wunden werden können und daß sich der Bau noch im Laufe des Sommers ausführen lassen wird. Nachdem noch die Erhöhung des Schulgeldes und die Einrichtung der Knabenmittelschule und einige andere Angelegen- heiten einer Erörterung unterzogen waren, sprach der Direktor dem Vorsitzenden des Elternbeirats, Herrn Großkaufmann Loewe, im Namen des Lehrkörpers den herzlichsten Dank für die außerordentliche Mühe aus, mit der er dieses Amt nunmehr 6 Jahre in stetem veltranenvollen Einvernehmen mit der Schule verwaltet
abe.
6. Sammlungen und Spenden.
Die Lehrerbücherei stieg 1925/26 von 4007 auf 4039 Nummern. Einige der wichtigsten Zeitschriften wurden wieder gehalten. Für gescienkweise Zuwendung zweier Zeitschriften sind wir wie im Vorjahr dem amerikanischen Hilfsausschuß zu großem Dank ver- pflichtet.
Schülerbücherei. Die am Ende des Vorjahres be- gonnene Neuordnung wurde weitergeführt, so gut es möglich war. Denn eine solche Arbeit läßt sich als Nebenleistung nur unvollkommen und sehr langsam durchführen, zumal wenn, wie im letzten Jahr, die freie Arbeitszeit zum größten Teil durch die Umstellung unseres Schulwesens beansprucht war. Ein zweiter Mangel ist durch diesehr dankenswerte Hilfe der Elternschaftbehoben worden, der Mangel an Geld. Denn die an sich zur Ver- fügung stehenden Mittel reichten nicht einmal zur Instand- haltung aus, da die Bücherei durch Krieg und Nachkriegs- zeit fast zerstört war. Deshalb wandte sich im September der Elternbeirat an alle Eltern mit der Bitte, wenigstens monatlich 20 Pfennig für die Schülerbücherei regelmäßig beizutragen; größere Beiträge wurden sehr willkommen


