8. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr begann am 17. April 1928 mit einer Andacht und der Aufnahmeprüfung für die Klassen von Quinta an aufwärts; die Schülerzahl betrug zu Beginn 572.
Der größere Ausflug am 15. Juni— für die Ober- klassen auch an den folgenden Tagen— führte unsere Schüler in die nähere und weitere Umgebung Kassels Die Oberklassen kamen auf 3— 4tägigen Reisen an den Rhein, in den Taunus, Odenwald, Heidelberg,
Thüringer Wald.
Am 11. und 12. Juni lud die Oberprima b zu zwei Unterhaltungsdbenden ein.
Der 11. August wurde als Verfassungstag festlich begangen, die Gedenkrede auf die Verfassung hielt Studienrat Dr. Heß.
Das sportliche Leben unserer Schule war während des Sommers besonders rege und brachte zwei Fr- folge, die uns Freude machten. In den Schlagball- wetifkämpfen der höheren Knabenschulen Kassels stand unsere Schule in der A-Klasse, welche die Schüler der älteren lahrgänge umfaßte, mit 5 Siegen an der Spiße und gewann zum 4. Male und damit endgültig den Kasseler Wanderpreis, eine schöne Plaketfe.
Die Bannerwettkämpfe der höheren Schulen am 12. September brachten uns als Siegespreis das Banner, das so oft in unserem PBesiß gewesen war, zum 7. Male. Als Ausdruck der Freude über diesen Frfolg wurde der folgende Tag schulfrei.
Der 4. September führte uns zu dem üblichen Sommerausflug auf den Festplaß„Untfer den Eichen“. Klassenspiele. Wettkämpfe und Vorführungen bildeten den Rahmen der Feier, die ein gemeinsamer Marsch nach der Schule mit Lampion- und Fackelbeleuch- tung beschloß. Auf dem Schulhof wurden die Fackeln zusammengeworfen, und das Deutschlandlied bildete unter dem Lodern der Flammen einen würdigen Ab- schluß des Tages.
Am 17. November vereinigte eine Schubertfeier Lehrer und Schüler. Weiter stellten sich der bekannte Kasseler Pianist Ludwig Kaiser und seine Gattin zu einer Schubertgedenkfeier in den Dienst der Schule und gaben am 18. Dezember im Festsaal der Schule ein Konzert, das Sonaten, Lieder, Walzer und Impromptus umfaßte. Die hohe Kunst der Vortfra-
genden führtc die Schüler und deren Eltern vorbild- lich in das Schaffen des großen Komponisten ein.
Am 5. und 7. Dezember hatten wir Abendunter- haltungen, in deren Mittelpunkt das Volksschauspiel „Fausts Höllenfahrt“ stand. Bei dieser Oelegenheit irat zum 1. Male unsere neu gegründete Schüler- kapelle in Erscheinung und überraschte durch ihr gutes Können nach so kurzer Zeit des Bestehens. Sie hat im Laufe des Winters weiter fleißig geübt und bei verschiedenen Gelegenheiten mitgewirkt. Wir hoffen, daß sie sich weiter entwickelt und unsere Feiern und Feste durch ihre Mitwirkung verschönt.
An Feiern sind weiter zu nennen: die Weihnachts- feier am Vormitftag des leßten Schulftages vor Weih- nachten und die Abendunterhaltung des Turn-Ruder- Vereins am 7. März.
Die feierliche Entlassung der Abiturienten war am 4. März, bei der der Unterzeichnete über das Bil- dungsziel der Oberrealschule sprach. Die Abschieds- feier für die Abiturienten vereinte an demselben Abend die Reifeprüflinge, ihre Eltern, die Schüler der Oberklassen und das Lehrerkollegium in den Räumen des Cildehauses zu Vorträgen, Lied und Tanz.
Am 5. Februar besuchte als Vertreter des Mini- sferiums für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung Herr Ministerialrat Richert, zusammen mit dem De- zernenten unserer Schule, Herrn Oberschulrat Dr. Grau, den Unterricht in einer Reihe von Klassen. Im Anschluß an den Unterrichtsbesuch ergab eine allgemeine Beratung unter Leitung des Herrn Mini- sterialrats Richert die Möqdlichkeit zur Aussprache über Ziel und Wesen der Schulreform.
Die schriffliche Reifeprüfung fand in der Woche vom 21. bis 26. Januar, die mündliche am 11. Februar unter der Leitunq des Herrn Oberschulrats Dr. Grau, an den folgenden Tagen unter der des Bericht- crsfatfers statt. Sämtliche 31 Prüflinge hatften Erfolg.
Der außerordentlich strenge Winter hatte Kohlen- knappheitf bei den stfädtischen Lagern im GCefolge, sodaß vom 16. bis 23. Februar die Schule— wie in den Zeiten des Krieges— geschlossen werden mußte, es gab Kälteferien.
Am 27. März schloß das 40. Schuljahr mit einer Andacht. Während des Sommers soll eine kleine Feier des 40jährigen Bestcehens der Schule gedenken.


