Jahrgang 
1902
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Mit dem Beginn des neuen Schuljahres gelangten die neuen Lehrpläne zur Einführung. Sie brachten für Quarta eine Vermehrung der Geschichtsstunden von 2 auf 3; für Schüler mit schlechter Handschrift in Tertia und Sekunda wurde ein besonderer Schreibunterricht mit 2 Wochen- stunden eingerichtet; dagegen kann der neueingerichtete Linearzeichenunterricht für Tertia erst mit dem Beginn des nächsten Schuljahres zur Durchführung gelangen. Mit ganz geringen Aus- nahmen bildeten auf allen Stufen bereits die neuen Lehraufgaben die Grundlage des Unterrichts. Gleichzeitig gelangte die neue Pausenordnung zur Einführung. Jede Unterrichtsstunde dauert nunmehr 50 Minuten; nach der 1. und 3. Vormittagsstunde sind je 10 Minuten, nach der 2. und 4. Vormittagsstunde je 15 Minuten Pause. Der grösseren Ausdehnung des späten Schul- anfangs entsprechend, wurde mit dem 8 Uhr-Anfang bereits am 1. September begonnen. Herr Oberlehrer Vollhase erhielt das städtische Reisestipendium für Neusprachler und verbrachte die vierwöchentlichen Somwerferien in der französischen Schweiz. Die reichhaltige Sammlung von Anschauungsbildern für den geschichtlichen und erdkundlichen Unterricht erfuhr eine durchgreifende Neuordnung.

Am 28. und 29. Juni unterzog Herr Kgl. Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser den neusprach- lichen Unterricht der Anstalt einer eingehenden Revision.

Zur Erinnerung an den Geburts- und Todestag Kaiser Wilhelms I. und Kaiser Friedrichs hielten die Herren Oberlehrer Zergiebel, Theisen, Schröder und v. Hanxleden Ansprachen an die im Saale versammelten Schüler. Am Reformationsfeste sprach Herr Oberlehrer Theisep.

Die Sedanfeier wurde am 2. September, 9 Uhr morgens, nach folgender Ordnung ab- gehalten:

1. Allgemeiner Choralgesang:Sei Lob und Ehr, Str. 1 und 2. 2. Vortrag:Allerdeutschentag, von Gustav Weck(Kurt Hahn la). 3. Vortrag:Die deutsche Mutter, von Walter Pohlmann(Friedrich Klee V b). 4. Chorgesang: LobgesangHerr, unser Gott, von Schnabel. 5. Vortrag:König Wilhelms Auszug und Rückkehr, von Ernst Curtius(Gustav Schott IVa). 6. Gesang der Quinten:Alles schweige, Volksweise. 7. Vortrag:Ein Volk, ein Herz, ein Vaterland, von Albert Träger(Fritz Frerichs II b). 8. Vortrag:Mein Vaterland, von Hoffmann von Fallersleben(Karl Wiedekopf VIa). 9. Chorgesang:Ganz Deutschland hält die Wacht, von Chwatal. 10. Ansprache: Herr Oberlehrer Hintz. 11. Gemeinsamer Gesang:Die Wacht am Rhein, Str. 13.

Am Nachmittage des 3. September zog die Schule, wie in den Vorjahren, mit Musik und Fahnen, unter Vorantritt der Trommler- und Pfeiferabteilung zum Waldfeste auf den schattigen Festplatz an der Rasenallee. Die Beteiligung seitens der Angehörigen unserer Schüler und sonstiger Freunde der Austalt war auch diesmal wieder eine sehr zahlreiche. Unter turnerischen Ubungen, Gesangsvorträgen sowie allerhand volkstümlichen Ubungen und Spielen(Sackhüpfen, Topfschlagen, Plumpsack, Russisch-Laufen, Eierlauf, Tauziehen, Drittenabschlagen, Jagdball, Kreisball, Kuchen- schnappen, Kletterbaum u. dergl.) flogen der munteren Schar die Stunden schnell dahin.

Den Mittelpunkt des Waldfestes bildete ein turnerischer Dreikampf, zu dem jede Klasse ihren besten Turner als Wettturner gestellt hatte. Die beiden Primen und Sekunden bildeten die erste, die beiden Tertien und Quarten die zweite, die beiden Quinten und Sexten die dritte Abteilung. Zunächst malsen die Preisturner jeder Abteilung ihre Kräfte im Hochweit- sprung und im Wettlauf über 50 m. Nachdem auf diese Weise die beiden besten Turner jeder Abteilung ermittelt worden waren, wurde zwischen diesen beiden der Wettbewerb um den ersten