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2. Bemerkungen zu den einzelnen Unterrichtsfächern.
Der katholische Religionsunterricht wurde für die Schüler des Realgymnasiums, der Oberrealschule I, der Ober- realschule II und der Realschule in 5 Abteilungen erteilt, und zwar in Abt. 1(01, UI, OII), Abt. 2(UII), Abt. 3 (OIII, UIII) und Abt. 4(IV, V) mit je 2 Stunden, in Abt. 5 (VI) mit 3 Stunden wöchentlich.
Der jüdische Religionsunterricht fand für die Schüler der Oberrealschule I, der Oberrealschule II und der Real- schule gemeinsam statt und wurde in 2 Stunden wöchentlich in 1 Abteilung(IV— VI) erteilt.
Vom Zeichnen waren 4 Schüler während des größten Teiles des Schuljahres aus Gesundheitsrücksichten befreit. Für die Sonnabende und für die jüdischen Festtage waren auf Wunsch der Eltern 5 jüdische Schüler vom Zeichnen und Schreiben befreit.
Die Anstalt besuchten im Sommer 620, im Winter 560 Schüler; von diesen waren vom Turnen befreit:
vom Turnunterricht Hüberhaupt
von, gewissen Ubungen
auf Grund ärztlichen
Zeugnisses im S. 31, im W. 27 im S. 7, im W. 7
aus anderen Gründen
ſ V V V V
zusammen im S. 31, im W. 27 im S. 7, im W. 7 also von der Gesamt- im S. 4,9% im S. 1,1% zahl der Schüler: im W. 4,8% im W. 1,2%
Der Turnunterricht fand in 15 Abteilungen mit je 3 Stunden wöchentlich statt.
Die Turnhalle befindet sich im Schulgebäude, der Turn- und Spielplatz vor ihr an der Rückseite des Gebäudes. So- weit es das Wetter erlaubte, wurde im Freien geturnt. Im Sommerhalbjahr spielten die Schüler am Dienstagnachmittag unter Aufsicht der Turnlehrer auf dem Bowlinggreen in der Aue, und zwar jede Abteilung eine Stunde.
Nach dem Ausbruch des Krieges wurde die Turnhalle von der Militärbehörde in Benutzung genommen und zuerst zur Einkleidung von Mannschaften, bis Weihnachten zur Unterbringung von etwa 150 Soldaten und seitdem als
Quartier für aus dem Lazarett entlassene Soldaten verwandt.
Am Baden und Schwimmen zu ermäbigten Preisen be- teiligten sich 432 Schüler(= 69,7% aller Schüler).
Freischwimmer waren am Anfang des Sommers 198 Schüler(= 31,4%). Eine Schwimmprüfung fand am Ende der Badezeit wegen des Krieges nicht statt. Vor dem Schwimmeister der Badeanstalt haben sich 8 Schüler frei- geschwommen.
Die Turnfahrten wurden am 19. Mai unternommen; die Oberprimen und die Unterprimen machten zweitägige Aus- flüge(am 19. und 20. Mai). Die Ziele der oberen Klassen waren:
OIa(Prof. Boekholt): Elleringhausen, Bruchhäuser Steine, Winterberg, Kahler Asten, Berleburg, Laasphe, Mar- burg; OIb(Oberl. Dr. Enders): Karlshafen, Fürstenberg, Höxter, Stadtoldendorf, Vogler, Bodenwerder, Hameln, Klüt, Pyrmont; UIa(Prof. Dr. Bächt): Brocken, Harzburg, Ocker- tal, Goslar; UIb(Oberl. Ehringhaus): Seesen, Goslar, Hil- desheim; OIIa(Prof. Siegel): Leopoldstal, Hermannsdenk- mal, Detmold; OIIb(Prof. Adam): Kyffhäuser. Die übrigen Klassen durchwanderten die weitere und die nähere Um- gebung Cassels.
Der Turn-Ruderverein, der auf Selbstverwaltung durch die Schüler begründet ist und unter dem Protektorate des H. Prof. Beinhauer steht, zählte am Anfang des Schuljahres 113 Mitglieder, von denen 48 auch der Ruderabteilung an- gehörten. Er turnte wöchentlich zweimal in der Turnhalle und auf dem Spielplatz der Schule. In den Sommerferien unternahmen 8 Mitglieder eine Bootfahrt nach Bremen. Bei dem Ausbruch des Krieges traten 35 Mitglieder als Frei- willige in das Heer ein. In den Monaten November, De- zember und Januar konnte nicht geturnt werden, da die Turnhalle zu Militärzwecken benutzt wurde und die Witte- rung das Turnen auf dem Hofe nicht gestattete. Seit Anfang Dezember konnten die Ubungen aber wieder aufgenommen werden, da dem Verein die Turnhalle des Königl. Friedrichs- gymnasiums freundlichst zur Verfügung gestellt wurde. Am Ende des Schuljahres hat der Verein noch 65 Mitglieder, unter denen 23 Ruderer sind.
Dem„Wandervogel“ gehörten 11 Schüler der Anstalt als Mitglieder an. Karl Ruthsatz(UT b) nahm an dem in den Osterferien in Frankfurt a. O. abgehaltenen Bundestag teil.
Das„Bibelkränzchen für Schüler höherer Lehran- stalten in Cassel“ veranstaltete meist monatlich eine Wan- derung, an der sich 10— 15 Schüler der Oberrealschule l beteiligten, und monatlich ein Kriegsspiel, an dem 80— 100 Schüler der Anstalt teilnahmen.
Jungdeutschland schloß sich der Kriegsjugendwehr an.
Singen: Der Chor bestand aus 110 Schülern der Klassen 01 bis V.
Schreiben: Diejenigen Schüler der Klassen O III und UIII, die im Schreiben nicht Befriedigendes leisteten, er- hielten bis zum Ausbruch des Krieges wöchentlich 1 Std. Schreibunterricht; an dieser Stunde nahmen auch Schüler der Obersekunda zur Erlernung der Rundschrift teil.
Der wahlfreie Lateinunterricht für die Schüler der oberen Klassen wurde in 3 Abteilungen mit je 2 Stunden wöchentlich erteilt. Daran nahmen teil im Sommerhalbjahr: 23 Schüler aus O II, 12 Schüler aus UI und 12 Schüler aus OI; im Winterhalbjahr: 16 Schüler aus O II, 6 Schüler aus UI und 4 Schüler aus 0I.
Herr Turnlehrer Kuntze erteilte im ersten Schulviertel- jahr Schülern der mittleren und oberen Klassen Steno- graphieunterricht nach Stolze-Schrey.


