Jahrgang 
1903
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VII. Mitteilungen an Eltern und Schüler.

Bereits in früheren Jahresberichten habe ich des öfteren darauf hingewiesen, dass es im Interesse der Schüler liegt, wenn die Familien sich in möglichst enger Fühlung mit der Schule halten. Zu unserer Freude hat der persönliche Verkehr zwischen Eltern und Lehrern im Laufe der Jahre immer mehr und mehr zugenommen und hat die Erkenntnis von der Wichtigkeit persönlicher Verbindung zwischen Schule und Haus grosse Fortschritte gemacht. Nur in sehr vereinzelten Fällen noch ist den Lehrern eine gewisse Scheu auf Seiten der Eltern, die Lehrer zwecks Rücksprache persönlich aufzusuchen, entgegengetreten; diese Scheu beruht offenbar auf der Anschauung, als könne ein Besuch eine Belästigung der Lehrer bedeuten. Es bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung, dass diese Anschauung unbegründet ist; in der That ist der persönliche Verkehr zwischen Eltern und Lehrern von der grössten Bedeutung für die gedeihliche Entwicklung der Schüler. Er verhindert einerseits, dass Missverständnisse zwischen Schule und Haus entstehen und beseitigt etwa entstandene; und er ist andererseits das beste Mittel, in gemeinsamem Zusammenwirken die- jenigen Massregeln berauszufinden, die zum Wohle der Schüler zu ergreifen notwendig sind.

Neben diesem persönlichen Verkehr gingen bis jetzt noch schriftliche Mitteilungen her, die den Angehörigen von Fällen, in denen Schüler Anlass zu Tadel oder zu Strafen gaben, Kenntnis gaben. Diese schriftlichen Mitteilungen sollen in der Folge einge- schränkt und auf erheblichere Fälle beschränkt werden. Um so notwendiger wird es, die persönlichen Beziehungen zwischen Haus und Schule noch leb- hafter als bisher zu pflegen; und die Eltern mögen die Versicherung entgegennehmen, dass die Lehrer es sehr gern sehen, wenn die Angehörigen im Laufe des Jahres sich mit uns dauernd in Verbindung halten.

Damit dies um so zwangloser und leichter geschehen könne, haben alle Lehrer feste Sprechstunden eingeführt, deren Zeiten in den Gängen und Klassenzimmern öffentlich ange- schlagen sind. Aber auch ausserhalb dieser festen Sprechstunden stellen sich die Lehrer wie bisher für Rücksprachen zur Verfügung und sind bereit, auf mündliche oder schriftliche Anfragen hin Zeit und Ort für eine Unterredung anzugeben.

Es empfiehlt sich in jedem Fall, Besuche beim Direktor wie bei den Lehrern mehrere Tage vorher, spätestens aber einen Tag vorher, anzumelden, damit auf diese Weise die Möglichkeit geboten wird, über den Kenntnisstand, die Leistungen und das Verhalten des Schülers auch bei den anderen Lehrern vorher Erkundigungen einzuziehen und so erschöpfendere Auskunft zu erteilen.

Ich ersuche die verehrten Eltern bezw. deren Vertreter, nicht nur gegen Ende des Schuljahres, kurze Zeit vor der Versetzung, diese Rücksprachen zu nehmen, sondern bereits am Anfange des Schuljahres Anknüpfung zu suchen und sich im Laufe des Jahres dauernd mit den Lehrern in Fühlung zu halten; denn erfahrungsmässig ist es bei Schülern, die sich im ersten Teile des Jahres vernachlässigt hatten, im letzten Vierteljahr leider vielfach zu spät, um noch wirksame Massnahmen zur Erlangung ihrer Versetzungsreife zu treffen.