Jahrgang 
1893
Einzelbild herunterladen

9

25. April trat der Kandidat des höheren Schulamts Herr Ernſt Wagner ſein Probejahr an der Realſchule an und fand zugleich nach Genehmigung Kgl. Provinzial⸗Schulkollegiums vom 19. Mai ſeit 1. Juni als halbe Lehrkraft Verwendung. Über ſeinen Lebens⸗ und Bildungsgang vergl. man die Beilage S. 28 unter Nr. 116. Durch Verfügung K. P. Sch. K. vom 5. September trat Herr Kaplan Lins an die Stelle von Jeſtädt in der Ertheilung des katholiſchen Religionsunterrichts. Karl Hermann Lins, geb. am 15. Auguſt 1863 zu Kefferhauſen im Reg.⸗Bez. Erfurt, kath. K., beſuchte die Gymn. zu Heiligenſtadt und Mühlhauſen und ſtudirte von 18861890 zu Paderborn, Münſter, Bonn und Fulda. Hier wurde er nach beſtandenem Examen am 21. Dez. 1890 zum Prieſter geweiht. Vom 24. Dez. 1890 bis. 1. Aug. 1892 war er Kaplan in Bockenheim.

Mittelſt Verf. K. Pr. Sch. K. vom 28. Sept. 92 wurde der Kandidat des höh. Schulamts Herr Rath als urnbeſ. wiſſ. Hilfslehrer und durch Verf. vom 22. Sept. 1892 Herr Dr. Chriſt zur Ableiſtung des pädagogiſchen Probejahrs, beide vom 10. Oct. ab, der Realſchule überwieſen.

Guſtav Rath, geb. am 4. Mai 1858 zu Nordhauſen, ev., ſtudirte, nachdem er das Gymn. ſeiner Vaterſtadt am 16. März 1881 abſolvirt hatte, bis 1886 zu Halle und Marburg Geſchichte, Geographie und klaſſ. Philologie. Von Michaelis 1888 bis dahin 1889 leiſtete er an der Realſchule in Wiesbaden ſein Probejahr ab. Sein Lehr⸗ amtszeugnis erwarb er am 16. Nov. 1888. Nachdem er dann noch im Winterſemeſter 18891890 in Leipzig theol. Studien obgelegen, war er ein halbes Jahr Hospitant am pädagog. Seminar zu Gießen, von Oct. 1890 bis Oſtern 1892 Leiter der privaten Marienſchule zu Garding in Schleswig und von da bis Ende Auguſt v. J. Lehrer an einer hieſigen Privatanſtalt.

Dr. Karl Heinrich Chriſt, geb. am 4. Jan. 1865 zu Kaſſel, ev., widmete ſich, nachdem er am 17. Oct. 1883 am hieſ. Friedr.⸗Gymn. die Maturitätsprüfung abgelegt hatte, bis Herbſt 1889 in Marburg dem Studium der Math. und Naturw. Während dieſer Zeit war er 5 Semeſter lang erſter Aſſiſtent des math⸗phyſ. Inſtituts(Geh. Reg. R. Prof. Dr. Melde) zu Marburg. Er wurde daſelbſt am 23. Jan. 1890 auf Grund einer DiſſertationÜber die Anwendung enger Röhren zur Beſtimmung des ſpezifiſchen Gewichts der Gaſe zum Dr. phil. promovirt. Am 13. Febr. 1891 beſtand er die Lehramtsprüfung. Von Herbſt 1891 bis dahin 1892 war er dem Kgl. Pädagog. Seminar und zugleich dem Wilhelms⸗Gymn. hierſelbſt zur Ableiſtung des Seminarjahrs überwieſen.

Am 3. Juni verſtarb an Herzlähmung plötzlich Herr Jean Baptiſt Collet, der unſern Schülern

jahrzehntelang ein treuer Schwimmmeiſter geweſen iſt und in deren Erinnerung fortleben wird.

Es unterrichteten in dem verfloſſenen Jahre folgende 34 Lehrer: 1) Direktor Dr. Ackermann; die Oberlehrer: 2) Feitel, 3) Stern, 4) Dr. Haſſelbaum, 5) Seibt, 6) Junghans, weiterhin 7) Credé, 8) Dr. Merkelbach, 9) Zimmermann, 10) Dr. Wetzell, 11) Dr. Bächt, 12) Dr. Meinhoff, 13) Dr. Lehmann, 14) Dr. Knabe, 15) Bachmann, 16) Dr. Fennel, 17) Dr. Völker, 18) Gally; die wiſſ. Hilfslehrer: 19) Heuſer, 20) Siegel, 21) Rath(unbeſ.); die Probekandidaten: 22) Wagner, 23) Dr. Chriſt; 24) Schreiblehrer Jäger, 25) Zeichenlehrer Müller, die Elementar⸗ lehrer 26) Grün, 27) Bach, 28) Markert, 29) Laus; 30) Kaplan Jeſtädt(bis 22. Auguſt), 31) Kaplan Lins(vom 22. Aug.), 32) Nau, 33) Dr. Stein und 34) Traisbach.

Vaterländiſche und andere Feſtlichkeiten. Die patriotiſchen Gedenktage, der 9. und 22. März, der 15. Juni und 18. Oktober, wurden in der von den Behörden angeordneten Weiſe nach Schluß des Morgenunterrichts durch Geſang und Reden in der Aula gefeiert. Die Anſprachen hielten die Herren Seibt, Dr. Merkelbach, Zimmermann und Bachmann. Den Tag von Sedan begingen wir durch eine Rede⸗Schulfeier, wobei Herr Dr. Bächt eine Geſchichte des Elſaß gab. Von einem Nachmittagsausflug der ganzen Schule wurde mit Rückſicht auf die damals herrſchende Choleragefahr Abſtand genommen. Am 23. Dezember wurde für die neun unteren Klaſſen eine Weihnachtsfeier unter dem Lichterglanz eines mächtigen Chriſtbaumes abgehalten, wobei der Unterzeichnete die ſymboliſche Bedeutung dieſes Baumes

darlegte. 2