Leben bewegen, erwarten, dass eher zu viel, als zu wenig Kinder sich abwenden von der Lauf- bahn, welche unsere höher entwickelten Lehranstalten ihre Schüler führen.— Und man glaube doch ja nicht, dass durch späteren Ubergang auf solche Schulen, die einen einfacheren Lehrplan verfolgen, ein in der ursprünglichen Wahl begangener Fehler leicht wieder ausgeglichen werden würde! Schon der Umstand, dass auf unserer Anstalt der Unterricht im Französischen in Sexta, auf den neunklassigen Schulen in Quinta beginnt, würde dieser Ausgleichung im Wege stehen, und das um so mehr, als der UÜbergang doch nur bei weniger befähigten und an ihrer Willenskraft geschwächten Schülern in Erwägung kommt. Es mag für solche Eltern, welche die Sorge für ihre Kinder auf dem Herzen tragen, in vielen Fällen eine unbequeme und harte Pflicht sein, diesen im Alter von 9 Jahren manchen Lebensweg abzuschneiden, der in den Augen der Eltern seine Reize hat. Wie aber wollen wir, wenn die Voraussetzungen, auf welche hin wir jenen Weg für eins unserer Kinder gewählt haben, sich als trügerisch erweisen, uns gegen den Vorwurf rechtfertigen, dass wir versäumt haben vor allem einen sicheren d. h. einen den vorliegenden Kräften ange- passten Lebensweg auszusuchen? Wie viel schwerer, als jene Härte, drückt die Sorge, wenn später nicht nur jene Zukunftspläne aufgegeben werden müssen, sondern Ratlosigkeit und Un- sicherheit hereinbricht, ob überhaupt noch ein tüchtiges Mitglied unseres Gemeinwesens aus dem Sohne gemacht werden könne!— Man entschuldige, dass in die„Mitteilungen aus dem Schul- jahre“ eine Mitteilung auch meiner Erfahrungen und Bemerkungen aus dem Schulleben sich ein- geschlichen hat. Wer sich auf einen Platz gestellt sieht, auf dem er, als naturgemässer Rat- geber der Eltern, öfter jene Sorgen in gewissem Sinne mit ihnen zu durchleben hat, kommt zu der Uberzeugung, dass jene Unsitte unserer Zeit, das Lebensziel der Kinder von vornherein zu hoch anzulegen, nicht nur eine Beschwernis für alle Schulen und für die berufenen Leiter unseres Schulwesens, sondern in wenigstens gleichem Grade eine Klippe auch für das Glück der Familien ist. Für eine solche Warnung aber ist, denke ich, auf jeder Seite eines Schul-Pro- gramms der Platz offen.
Die UÜbergangsprüfung aus der Prima in die Fachklassen bestand zu Ostern 1881 der Schüler Heinrich Magersuppe, Sohn des Kaufmanns Magersuppe in Kassel, 17 Jahre alt, 2 ¼ Jahr auf der Anstalt, 1 Jahr in Prima. Derselbe besucht seit Ostern 1881 die Handels- klasse der Anstalt.
In der schriftlichen Prüfung, welche am 12., 14., 15. und 16. Februar statt gefunden hat, wurden folgende Arbeiten angefertigt: ein deutscher Aufsatz über das Thema: die Folgen des dreissigjährigen Krieges; eine Übersetzung aus dem Deutschen ins Französische nach einer Stelle aus Charles XII(Peter der Grosse vor Narwa); eine ÜUbersetzung aus dem Deutschen ins Englische nach einer Stelle aus Weeg, UÜbungen(Decius); die Bearbeitung von vier mathematischen Aufgaben: 1. in der Ebene eines Kreises sind zwei parallele Grade G und H, auf G ein Punkt A, auf H ein Punkt B gegeben; es soll eine Tangente XF zwischen den parallelen Graden ausgespannt werden, so dass AX— B eine gegebene Länge erhält. 2. der Gipfel A eines Berges und zwei Punkte B und C an den beiderseitigen Abhängen liegen in einer Vertikalebene; man kennt die Höhen von A über B und G, sowie die Depressionswinkel der Graden 4 und ℳ0, und soll die direkte Entfernung B0, sowie die Neigung von B0 gegen die Horizontalebene berechnen. 3. In wie viel
Jahren wächst ein Kapital Zins auf Zins zu 4 ½% zu demselben Werte an, den es zu 5 7% in 20 Jahren erreichen würde? 4. Als in Frankfurt a. M. das Malter Getreide 5 fl. 36 kr. kostete,


