-—16 mit einer Art von Vorkammern versehen, von welchen je nach der Windrichtung die eine oder die andere für den Zutritt der äusseren frischen Luft geöffnet wird. Von diesem Hauptkanale führen Zweigkanäle, unter dem Fussboden des Erdgeschosses, nach aufsteigenden Luftkanälen in den Umfassungsmauern, von welchen aus die Luftzuführung nach den Registern in horizontalen Kanälen von Zinkblech geschieht; diese Kanäle haben Stellscheiben zur Regulirung des Luftzutritts.
Beobachtungen über die Wirksamkeit der Heizung und Ventilation, über den Verbrauch an Brennmaterial etc. haben bisher nicht angestellt werden können, da die
Heizung, um das Austrockenen des Gebäudes zu befördern, so viel als möglich bei offenen Thüren und häufigem Oeffnen der Fenster betrieben werden musste. Es können auch überhaupt in einem ersten Betriebsjahre keine Resultate erwartet werden, welche irgend welchen Nutzen haben, da in neuen Gebäuden der Art wie das in Rede stehende, im ersten Jahre immer noch so bedeutende Mengen von Feuchtigkeit zu verdunsten sind. Den oberflächlichen Beobachtungen nach darf angenommen werden, dass Heizung wie Ventilation im Stande seien, den gestellten Anforderungen Genüge zu leisten.
Wasser- und Gasleitung sind durch das ganze Gebäude geführt. Ausser den Laboratorien, haben die Zeichensäle und einige andere Räume in den oberen Ge- schossen, sodann die Werkstätten und die Schuldienerwohnung Wasserbecken erhalten.
Die Gasleitung in den Zeichensälen und Auditorien ist vorläufig nicht mit Lampen versehen, da fürerst auch im Winter die Tageszeit für die Abwickelung des Unterrichts genügen wird.
Das Nebengebäude enthält die Aborte und ist in drei Abtheilungen für Lehrer, für Schüler und für Werkstätte und Schuldiener zerlegt. Die Aborte haben keine Spülung erhalten, da bei der Lage des städtischen Ableitungskanals nicht das gentgende Gefälle für die Ableitung zu erzielen war. In der Schülerabtheilung ist ein Pissoir von fünf Ständen angelegt, deren cementirte zickzackförmigen Wände beständig mit einer dunnen Wasserschicht überrieselt werden. Voraussichtlich wird diese Anordnung günstige Resultate in Bezug auf Geruchslosigkeit ergeben..
Die Höfe sind gepflastert, und nur bei dem westlichen grösseren Hofraum hat ein kleiner Theil für Bosquetpflanzung frei gelassen werden können.
Nach dem Abgange des Baumeisters Hindorf zur Magdeburg-Leipziger Eisen- bahn ist dem Unterzeichneten, vor nun einem Jahre, die fernere Leitung der Ausführung des derzeit im Rohbau vollendeten Gebäudes und die Beschaffung der inneren Einrich- tung übertragen.
Kassel im Juli 1873. Werner Narten.
Nach dieser Beschreibung, deren Ausführlichkeit wenn nicht schon der Charakter der Anstalt, so die Absicht rechtfertigen wird von unserm Theil aus einen Beitrag zu der Frage über zweckentsprechende Ausführung und Einrichtung von Schulgebäuden zu liefern, möchte es am Platze sein, über die Dekoration der Unterrichtsräume und


