Jahrgang 
1930
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feier ihres 150 jährigen Bestehens verband. Den eigentlichen Stiftungstag, den 14. August, hatten die ältesten Frideri- cianer bereits feierlich begangen in ihrer engeren Runde in ihrem Stammlokal bei Alban Demmler. Ihnen sandte die Schule folgenden poetischen Erguß:

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Nouανν dνννσo obors zaldeoαυν. IHivers. Iloaxljos rd duenros pνos sorsé. a⁶οοσνν ꝙτπαννω ετννν νυιιοο ες Qσυνν. Oτ‿ ρeοενρꝙ dνero Zeos 2Oν s zaν οHon, 8 ₰0 Q zadl ö³εςα νχμμαα εσQε̈μνᷣνντƷ

Jetzt vereinigte der festliche Tag Palaio-Fridericianer und Neo-Fridericianer in trautem Verein. Ein Schuffest eröffnete am Nachmittag die Jubelfeier in dem Saale der Gaststätte zum Ständehaus, um 18 Uhr trat man zum Fackelzug an, der vom Ständeplatz durch die Bahnhofstraße um die Martinskirche zum Friedrichsplatz führte. Hier am Denkmal des Landgrafen Friedrich II. legte nach einer kurzen Ansprache der Oberprimaner /ung einen Kranz nieder als Dank an den verewigten Gründer des Lyceums Fridericianums und als Gelöbnis, die in der Schule geschmiedeten geistigen Waffen gebrauchen zu wollen zum Wohl des deutschen Vaterlandes, der deutschen Republik. Der Zug zog weiter durch die Wolfsschlucht zum Gymnasialhof, wo nach einer kurzen Ansprache des Oberprimaners v. Buttlar die Fackeln zusammenflogen unter den Klängen des Deutschlandliedes. Der Abend des gleichen Tages vereinigte die von nah und weit herbeigeeilten Fridericianer und ehemaligen Friedrichsgymnasiasten zum Willkommen-Kommers, ebenfalls im Saale der Gaststätte, wo vor wenigen Stunden noch das Schülerfest:Sexta: Zigeunerlager, Quinta: Hexensabbat, Quarta: Tierschau, Untertertia: Völkerschau, Obertertia: Völkermuseum, Untersekunda: Märchenspiel von der klugen Bauerntochter, Obersekunda: Schattenspiele, Unterprima: Tom- bola vorübergerauscht war. Jetzt ein ganz anderes Bild. Weißgedeckte Tische, Blumenschmuck, fröhliche Tischreden, Wieder- sehensfreuden 2. T. nach 50 Jahren, Jugenderinnerungen und bierfröhliches Altburschentreiben. Die feierliche Begrüßungsan- sprache hielt der verdienstvolle Vorsitzende des Vereins ehemaliger Friedrichsgymnasiasten, Herr Generalarzt Dr. Cummacher, dielaunige Festrede Herr Studiendirektor Mülleraus Oberursel. Das Festlied f Herr Syndikus Dr. Gerland. Die Fridericianer- gedächtnisrede hielt beifallumrauscht Herr Geh. Studienrat D. Hüpeden. Die Anstalt sandte ihren Alten Herren einen poetischen Gruß, echthellenisch, aus dem Olymp, in Gestalt des Götterboten Hermes. Der zweite Festtag, ein Sonntag, war der Würde des Tages gewidmet. Es galt zunächst, in der Frühe die Gedenhtafeln rechts und links der Aulatür im Gymnasium zu weihen, die Herr Architekt Reg.-Baumeister Sichel entworfen hatte und die Altschülerschaft der Schule als Festgabe brachte. Eine feierliche, wehmütige Stimmung, so erzählt der Chronist der Fridericianer, Herr Syndikus Dr. Schüller, in seinem Festbericht, lag über der Aula und dem geschmückten Treppenhaus, als vor einer großen Schar von Festgästen die Feier mit dem Schülerchor:Die Himmel rühmen begann. Daran schloß an das Schülerorchester:Larghetto von Stamitz, und wiederum der Chor:Dem Andenken der Gefallenen, die ihr Blut und Leib und Leben von Wohlgemuth. Die Weihe- rede hielt einer der ältesten Fridericianer, Herr Geheimer Regierungsrat Theo Wagner, tiefempfunden, alle Herzen ergreifend, mit der Mahnung an die Jugend, zu arbeiten für das Vaterland mit der gleichen Dreingabe, wie die 138 Gefallenen dafür gekämpft hätten und gestorben wären. Wie eine Antwort erklang darauf das Gelöbnis aus Schülermund durch den Ober- primaner Schesmer, für Deutschlands Freiheit mit geistigen Waffen weiterzukämpfen, wie die toten Fridericianer es mit eisernen getan hatten. Der Dank des Anstaltsteiters an den Erbauer der Denktafeln, an die Altschülerschaft und ihren Sprecher, an die unvergessenen Toten zumal, endete in die Worte:Seid überzeugt, daß Glück die Freiheit und die Freiheit der Mannesmut ist. Für einen Mann mit kloshgeffh ist die Erniedrigung schmerzlicher als der Tod, der seinen Stachel ver- liert, wenn Stärke und Hoffnung und Siegesgefühl im Herzen glühen und Oott mit seinen treuen Kämpfern zufrieden ist.

Die Klassenfahnen senkten sich, die leisen Klänge des Liedes:Ich hatt' einen Kameraden zogen durch Aula und Treppenhaus der alten Schule.

Zwischen Gefallenenfeier und Festakt sprach Herr Präsident des Landeskirchenamtes Dr. Bähr auf drei Männer der dahingegangenen Fridericianer, die für die Anstalt und den Verein Führerpersönlichkeiten waren, auf den früheren Direktor Gideon Vogt, der über der Arbeit nie das Gebet vergaß, eine Verkörperung des ora et labora über der Aulatür, auf den Professor Dr. Rudolf Brede, der bei aller Liebe zur Wissenschaft von heißer Liebe zur edlen Musika beseelt war, und auf Justizrat Hermann Wenning, den langjährigen Vorsitzenden der Altschülerschaft, der durch seine Heimatliebe in vielen den Sinn für die Schönheit des Hessenlandes erschloß. Kränze wurden auf ihren Gräbern niedergelegt.

Im Staatstheater, das der Herr Minister für den Festakt und die Festvorstellung zur Verfügung gestellt hatte, empfingen die Festteilnehmer Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24 von, johannes Brahms. Die Glückwünsche der höheren Schulen Kassels überbrachte Herr Oberstudiendirektor Dr. Friedrich, Oberlyzeum. Im Namen der ehemaligen Schüler beglückwünschte Herr Generalarzt Dr. Krummacher die Anstalt. Seine Festansprache sei im Abdruck beigefügt:

Meine Damen und Herren!

Unsere Feier heute gilt dem Tage, an dem die schon damals ehrwürdige Schule den Namen des feinsinnigen Fürsten erhielt, den sie seitdem in allem Wandel der Zeiten beibehalten hat, bis auf den heutigen Tag.

1 Es ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, dem Friedrichs-Gymnasium die Glückwünsche seiner ehemaligen Schüler arzubringen.

Möge die alte und dabei so jugendfrische Anstalt wachsen, blühen und gedeihen bis in die fernste Zukunft!

Möge sie stets den Geist bewahren, der bisher in ihr gewaltet hat!Ora et labora, wie diese Worte in goldenen Lettern über dem Eingang zur Aula prangen, so mögen sie gleich goldenen Sternen allezeit über dem Leben des alten Hauses schweben: Arbeite, schaffe, tue deine Pflicht! aber gehe nicht darin unter; fest stehe mit den Füßen auf dem Boden, den Blick aber halte gerichtet auf die ewigen Werte, die allein diesem kurzen Lebenstraum Sinn und Inhalt geben!

Möge die Schule stets die Hüterin echt humanistischer Bildung bleiben! Nicht als wären wir dieewig Gestrigen, die immerdar das Land der Griechen mit der Seele suchten und die Aufgaben der Gegenwart vernachlässigten! Was uns bei den antiken Menschen anzieht, das ist die gelassene, selbstsichere Wertung eigenen Volkstums und eigener Kultur. Darin fürwahr vermag er gerade uns Vorbild zu sein. So betrachtet, ist er uns auch Führer zum richtigen Verständnis der beiden anderen Grundlagen unserer Kultur: Deutschtum und Christentum!