Jahrgang 
1905
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Seminarkandidat Mager wurde von Michaelis an mit Vertretung eines Lehrers am Gymnaſium in Marburg, Dr. Koch zu demſelben Zweck in Biedenkopf beauftragt.

Am 30. September begaben ſich die Direktoren der fünf hieſigen höheren Schulen zu dem Direktor des Provinzial⸗Schulkollegiums, Herrn Oberregierungsrat D. Dr. Lahmeyer, um ihn bei ſeinem Scheiden aus dem Amte unter Üüberreichung eines Blumenkorbs ihren Dank auszuſprechen für alles, was nicht nur die Provinz, ſondern insbeſondere auch die hieſigen Schulen, ihre Direktoren und Lehrer dieſem hochverdienten Manne zu danken haben. Ganz beſonders aber iſt ihm das Friedrichs⸗Gymnaſium, das während der ganzen Zeit ſeiner hieſigen Tätigkeit ſeiner beſonderen Leitung unterſtanden hat, zu lebhafteſtem Danke verpflichtet. Er iſt allen Lehrern und insbeſondere dem Direktor ſtets ein treuer Berater und Freund geweſen, und ſeine treue Fürſorge für die Anſtalt und die allſeitige Förderung ihrer Tätigkeit und ihrer Intereſſen durch ihn wird nicht ver⸗ geſſen werden. Möge ihm nach der langen ſegensreichen Arbeit nun noch eine lange Zeit ungetrübter Ruhe vergönnt ſein in derſelben geiſtigen und körperlichen Friſche, in der er jetzt noch ſteht, beglückt durch die dankbare Geſinnung aller derer, die als Lehrer und Schüler ihm nahegetreten ſind.

Nach den Michaelisferien trat als Seminarkandidat bei der Anſtalt Heinrich Henkel ein.

Am 14. Oktober ſtarb ein braver, fleißiger und hoffnungsvoller Schüler der Anſtalt, der Unterſekundaner Wilhelm Metz aus Bettenhauſen. In einer Trauerandacht gedachte der Direktor ſeiner, und am Sonntag den 16. Oktober geleiteten ihn die Lehrer der Anſtalt und die Schüler der Ober⸗ und Unterſekunda zu ſeiner letzten Ruheſtätte.

Bei den Kämpfen in Südweſtafrika ſtarb in der Schlacht am Waterberg den Heldentod für das Vaterland ein früherer Schüler des Gymnaſiums, der Leutnant Graf Wolf Werner von Arnim⸗Muskau, der Oſtern 1895 hier die Reifeprüfung beſtand. Die Leiche iſt in die Heimat gebracht und in Muskau beigeſetzt worden.

Am Sonnabend, den 12. November, war von 11 Uhr ab in der Aula eine Vorfeier des 400 jährigen Geburtstages des Landgrafen Philipps des Großmütigen, bei der Profeſſor Hüpeden die Feſtrede hielt, in der er die Verdienſte dieſes großen Fürſten ſchilderte. Am folgenden Morgen, Sonntag den 13. November, verſammelten ſich die evangeliſchen Lehrer und die konfirmierten Schüler der Anſtalt vor Beginn des Gottesdienſtes an dem Philippsdenkmal auf dem Martinsplatze, um einen prachtvollen Kranz im Namen der Schule an dem Denkmal niederzulegen, wobei der Direktor folgende Anſprache hielt:Dem Andenken unſeres größten Heſſenfürſten widmen wir am Tage der 400 jährigen Wiederkehr ſeines Geburtstages in inniger Dankbarkeit und Verehrung dieſen Kranz. Tapfer und treu, gerecht, beſonnen und mild, iſt er ein Segen für ſein Land geworden; aber ſeine Wirkſamkeit gehört nicht nur unſerem engeren Vaterlande, ſondern der deutſchen, ja der Weltgeſchichte an. Als der hervorragendſte Vorkämpfer der Reformation iſt er mit Recht der Heros der Reformation genannt worden, und wie ernſt er es meinte, bezeugen ſeine Worte, die unſer Denkmal zieren: Ich will eher Leib und Leben, Land und Leute laſſen, denn von Gottes Wort weichen. Möge ſein Gedächtnis, meine lieben Schüler, an dieſem Feſttage ſich tief einprägen in eure Herzen, möge er euch ein leuchtendes Vorbild ſein in eurem Leben, ſo treu zu halten an unſerem evangeliſchen Bekenntniſſe, ſo treu in der Liebe zu unſerem teueren evangeliſchen Glauben. Das walte Gott! Danach begaben ſich alle zum Gottesdienſte in die Martinskirche, nach dem ſie, wie alljährlich um dieſe Zeit, das heilige Abendmahl nahmen.