Die Chriſtagsferien dauerten vom 23. Dezember bis zum 6. Januar. Vor Beginn derſelben wurde wie alljährlich eine liturgiſche Weihnachtsandacht gehalten.—
Am 27. Januar wurde die Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs durch einen öffentlichen Schulaktus feſtlich begangen. Der Vortrag vaterländiſcher Gedichte durch Schüler wechſelte mit dem Vortrage vaterländiſcher Geſänge durch den Schülerchor unter Leitung des Herrn Oberlehrers Dr. Brede ab, die Feſtrede hielt Herr Oberlehrer Paulus über den„Ewigen Frieden“.
Der Königliche Provinzial⸗Schulrat Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Lahmeyer wohnte der Feier bei, die auch von den Eltern und Angehörigen der Schüler zahlreich beſucht war.
Die Entlaſſungsprüfung wurde in ihrem ſchriftlichen Teile vom 6. bis zum 11. Februar, in ihrem mündlichen Teile am 14. März unter dem Vorſitze des Königlichen Provinzial⸗Schulrats Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Lahmeyer abgehalten.
Am 6. Februar beſuchte der oben genannte Provinzial⸗Schulrat die Anſtalt und wohnte den Unterrichtsſtunden der Candidaten Dr. Mahlinger und Juſtus Führer wie des Herrn Oberlehrers Dr. Piſtor und des Herrn Hülfslehrers Bode bei.
Am Dienſtage den 14. Februar, als dem Faſtnachtstage, fiel der Unterricht wie herkömmlich aus.
Die Abſchlußprüfung nach dem ſechſten Jahrgange für die Schüler der Unterſekunda dauerte in ihrem ſchriftlichen Teile vom 27. Februar bis zum 3. März. Die mündliche Prüfung fand am 23. März unter dem Vorſitze des Stellvertreters des Direktors ſtatt, der zum Königlichen Kommiſſar ernannt worden war.
Am 9. und 22. März wurden Schulfeiern zum Gedächtniſſe Sr. Majeſtät des hochſeligen Kaiſers und Königs Wilhelms I. gehalten.
Am 18. März hielt der ſcheidende Direktor zum letztenmale die Hora in ſeiner Schulgemeinde ab, indem er in ſeinem letzten Gebete Gott um ſeinen Segen für die Anſtalt, für Lehrer und Schüler und beſonders für die Abiturienten anrief und dem Höchſten den Zoll ſeines Dankes für ſeine gnädige Führung in guten wie böſen Tagen darbrachte.
Nach demſelben nahm er tiefbewegten Herzens, zum letztenmale an der Stelle ſtehend, wo er 23 Jahre lang bei allen wichtigen Ereigniſſen im Leben der Anſtalt ſeines Amtes gewaltet, in ergreifenden Worten von Schülern und Lehrern Abſchied.
Sein ganzes Leben, ſo führte er etwa aus, ſei auf das innigſte mit dem Gymnaſium verknüpft geweſen. Im alten Seminarbau, an deſſen Stelle ſich dann vor mehr als 50 Jahren das heutige Anſtaltsgebäude erhob, habe ſeine Wiege geſtanden; auf dem heutigen Spielplatze, dem damaligen Dienſt⸗ garten ſeines Vaters, habe auch er ſich in den Spielen ſeiner Jugend getummelt; vor 53 Jahren trat auch er als Schüler in dieſe Anſtalt ein, die er bis zur Erlangung der Reife für die Univerſität beſuchte; an ihr hat er auch ſeine Lehrthätigkeit begonnen und iſt vor nunmehr 23 Jahren zu ihrem Leiter berufen worden. Seitdem habe die Anſtalt, ihres alten Wahlſpruchs ora et labora nimmer vergeſſend, Tage des Glanzes, wie des Sturmes erlebt, ohne jedoch dadurch in Überhebung oder in Kleinmut zu verfallen. Mit der Mahnung jenem Wahlſpruch treu zu bleiben, mit herzlichen Worten des Dankes an ſeine Mitarbeiter und der Aufforderung an die Schüler, mit ernſtem Fleiß weiter nach der Bildung zu ſtreben, welche gerade das Gymnaſium verleiht, in der Chriſtentum, Altertum und deutſches Vaterland gleichſam die ſtarken Säulen ſeien, und der Bitte an ſeinem Vermächtnis treuer Pflichterfüllung allezeit feſtzuhalten, ſchloß er dieſe letzte Anrede an die Seinen, die nf alle Hörer den


