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2. Der Zeichenunterricht machte auch im vergangenen Jahre wegen des fehlenden Zeichen⸗ ſaales einige Schwierigkeiten. Um den Unterricht in der Prima einigermaßen fruchtbringend zu geſtalten, wurde im Winterhalbjahr Kunſtgeſchichte getrieben. Beſondere Berückſichtigung fanden neben der Antike Turfan, Kutſcha und Maya(„Tochariſche“ Epoche).
In der Mittelſtufe rückte das Tier nach dem Leben in den Vordergrund. Der Hochdruck (Linol⸗ und Holzdruck) wurde bewußt vernachläſſigt, um dieſen edlen Kunſtzweig nicht ganz zu verwäſſern(Stimmen aus dem Künſtlerkreis und Käuferrückgang). Dafür wurden Verſuche mit Kleiſter⸗ und Gallpapieren gemacht(Pallat, Der deutſchen Jugend Handwerksbuch). Im Baſteln wurden primitive Wohnſtätten, Schiffe und Flugapparate gebaut.
Neben dem ſachgebundenen Zeichnen auf der Mittel⸗ und Unterſtufe wurde zur Belebung der Phantaſie das abſtrakte Ornament gepflegt.
Neu war in dieſem Jahre die Arbeitsteilung. Anregungen einiger Schüler der Unterſtufe wurden durch Schüler der Mittelſtufe weitergeführt. Materialwechſel ſpielte bei dieſer Tätigkeit eine große Rolle. Aus dem Schülerergebnis wurde ſo ein Schulergebnis, das beſonders in Glas⸗ fenſterentwürfen(Transparent) beachtenswerte Leiſtungen zeitigte.
Das„Experiment“ ſpielte im vergangenen Schuljahre keine nennenswerte Rolle.
Als Ganzes genommen bewegte ſich der Zeichenunterricht im Rahmen der Richtlinien.
3. Für die Leibesübungen waren ebenſo wie im vergangenen Jahre 7 Turn⸗ und 4 Spiel⸗ abteilungen gebildet. Wenn ſich trotz der übermäßig ſtarken Inanſpruchnahme der von den hieſi⸗ gen Schulen gemeinſam benutzten ſtädtiſchen Turnhalle das Geräteturnen unter verſchiedenen Einſchränkungen noch einigermaßen durchführen ließ, ſo iſt das in erſter Linie dem guten Ein⸗ vernehmen zwiſchen den Schulen zu verdanken, die ſowohl bei der Stundenverteilung wie auch bei der Benutzung der Halle in weitgehendem Maße auf einander Rückſicht nahmen.
Der bei Abfaſſung des vorigen, Jahresberichts in Ausſicht genommene Bau einer eigenen mit Zeichenſaal verbundenen Turnhalle iſt inzwiſchen zur Ausführung gelangt. Auf der Nord⸗ ſeite des Gymnaſialgrundſtücks wurde in einem benachbarten Garten ein größerer Bauplatz er⸗ worben und auf ihm unter Berückſichtigung aller neuzeitlichen Forderungen eine Turnhalle er⸗ richtet, die vorausſichtlich im Spätſommer d. Is. ihrer Beſtimmung übergeben wird. Da die bis⸗ herige Aula für die in den letzten Jahren ſtark geſtiegene Schülerzahl nicht mehr ausreicht, wird die Turnhalle ſo eingerichtet, daß ſie auch als Feſtſaal verwandt werden kann.
Für das Turnen im Freien ſtanden wie bisher der Platz neben der ſtädtiſchen Turnhalle und der große Spielplatz außerhalb der Stadt auf der ſogenannten Hauer zur Verfügung.
Das Spielturnen, insbeſondere der Oberſtufe, wurde ſtark von den„Preußenſpielen“ beein⸗ flußt. Wie im Vorjahre ſiegte die Mannſchaft des Landesgymnaſiums Anfang Auguſt im Schlagballwettſpiel gegen das Reformrealgymnaſium Arolſen, unterlag aber am 28. Auguſt auf der Hauer in Corbach der Oberrealſchule II in Kaſſel.
Die Reifeprüfung in den volkstümlichen Uebungen wurde wegen der Erkrankung zweier Oberprimaner erſt nach den Herbſtferien und zwar am 16. 10. 28, im Geräteturnen an Reck, Barren, Pferd am 22. 2. 29 unter dem Vorſitz des Direktors abgehalten.
Am Turnen und Spielen nahmen auf Grund eines ärztlichen Gutachtens nicht teil: im Sommer 5, im Winter 6 Schüler. Wegen der ungünſtigen Zugverbindungen waren faſt ſämt⸗ liche Fahrſchüler(im Sommer 52, im Winter 49) vom Spielen befreit.


