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folgenden Tages gedachte der Direktor des Entſchlafenen als eines allezeit fleißigen, ge⸗ wiſſenhaften und hoffnungsvollen Schülers, eines treuen Freundes und zuverläſſigen Kame⸗ raden, eines ſchlichten, beſcheidenen und guten Menſchen. Die Lehrer des Verſtorbenen und eine größere Anzahl ſeiner Mitſchüler gaben ihm das letzte Geleite auf dem Friedhofe ſeines Heimatdorfes.
Am 12. Juni und ebenſo am 25. September und 20. November war Herr Oberlehrer Herchenröder durch Ausübung des Schöffenamtes in Anſpruch genommen.
Am 16. Juni fand zum Gedenken an das 25jährige Regierungsjubiläum Sr. Majeſtät des Kaiſers eine Schulfeier ſtatt, bei der Herr Profeſſor Kuntze die Perſönlichkeit des Mo⸗ narchen in einer Feſtrede würdigte. Am Schluß der Feier wurden an 9 Schüler (Brüne 0I, Meilly UI, Zölzer OII, Waldſchmidt UlI, Krummel OIII, Bing UIIl, Aß⸗ mann IV, Eiſenberg V, Ruckert VI) Buchprämien verliehen, die von dem Herrn Miniſter zu dieſem Zweck überwieſen waren.
Die Sommerferien dauerten vom 4. Juli bis zum 5. Auguſt.
Zur Reifeprüfung im Herbſt hatten ſich 6 Oberprimaner gemeldet. Die Prüfungs⸗ arbeiten wurden in den Tagen vom 11. bis 14. Auguſt geſchrieben, die mündliche Prü⸗ fung fand am 5. September unter dem Vorſitze des Herrn Provinzial⸗Schulrates Kanzow ſtatt. Fünf Prüflingen wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt. 1
Zur Feier des Sedanfeſtes wurden am Vormittage des 2. Septembers auf der Hauer Turnſpiele nebſt einem Preisturnen veranſtaltet. Der Direktor gedachte vorher in einer kurzen Anſprache der Bedeutung des Tages. Nachmittags fand in dem Gelände zwiſchen Itter, Marienhagen, Lauterbach und Opperbach ein größeres Kriegsſpiel ſtatt.
Unmittelbar vor Schluß des Sommerhalbjahres erlitt die Anſtalt abermals einen ſchmerzlichen Verluſt. In der Frühe des 27. Septembers verſchied nach mehrwöchigem Krankenlager unerwartet der Senior des Lehrerkollegiums, Herr Profeſſor Richard Kuntze.
In einer Trauerandacht, die vor Entlaſſung der Schüler in die Ferien veranſtaltet wurde, widmete der Direktor dem Verſtorbenen folgende Worte:
„Überraſchend hat uns heute früh die Trauerkunde getroffen, daß Herr Profeſſor Kuntze durch einen plötzlichen Tod in die himmliſche Heimat abberufen iſt. Seit faſt drei Wochen war er nicht unbedenklich erkrankt, aber in den letzten Tagen konnte man der beſtimmten Hoffnung ſein, daß er nach einiger Zeit der Ruhe und der Erholung wieder völlig herge⸗ ſtellt und imſtande ſein würde, ſeine Berufstätigkeit von neuem aufzunehmen. Doch Gott hat es anders gewollt; ſeine Wege ſind wunderbar, ſeinem Willen müſſen wir uns beugen.
18 ½ Jahre hat der nun Entſchlafene unſerer Anſtalt angehört und mit muſterhafter Treue, ſelbſtloſer Hingabe und unermüdlichem Fleiße an ihr gewirkt. Wie er an ſich ſelbſt die größten Anforderungen ſtellte, ſo forderte er auch von ſeinen Schülern gewiſſenhafte Pflichterfüllung, immer darauf bedacht, nur ihr Wohl zu förden. Uns, ſeinen Mitarbei⸗ tern, ſteht er vor Augen als ein Mann von beſcheidenem, freundlichem Weſen, als ein zu⸗ verläſſiger Arbeitsgenoſſe.
Als Menſch liebte er es nicht, in der Offentlichkeit hervorzutreten; zu Hauſe, im Kreiſe der Seinen, mit denen uns in dieſer Stunde herzliches Mitgefühl vereint, fühlte er


