Jahrgang 
1891
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10) 27. Dezember 1890. Miniſterialerlaß, betr. den Wegfall des lateiniſchen Aufſatzes bei der Reifeprüfung ſowie der griechiſchen Probearbeit bei der Verſetzung nach Prima. 11) 2. Januar 1891. Miniſterialerlaß, betr. Ausgaben für Invaliditäts⸗ und Altersverſicherung.

III. Chronik des Gymnaſtums.

Das neue Schuljahr begann am 14. April mit der Aufnahme 32 neuer Schüler. In dem Beſtand des Lehrerkollegiums war keine Veränderung eingetreten.

Am 5. Mai geleitete die Schule den Quintaner Eduard Geyer aus Corbach zu Grabe, der nach ſchwerem Leiden der Diphtheritis erlegen war. An ihm hat die Schule einen braven, ge⸗ wiſſenhaften Schüler, die Eltern ein gehorſames, wohlgeſittetes Kind, ihren einzigen Sohn, verloren.

Am 10. Mai unternahmen ſämtliche Lehrer und Schüler eine Turnfahrt und zwar nach zwei verſchiedenen Richtungen: die oberen Klaſſen nach dem Hohen Aſtenberg bei Winterberg, die unteren Klaſſen nach dem Deſenberg bei Warburg. Die Befriedigung über die wohlgelungene Turnfahrt wäre eine vollkommene geweſen, hätte nicht die Aſtenberger Partie bei ihrer Rückfahrt am ſpäten Abend das Unglück gehabt, mit ihren Leiterwagen einen in bewußtloſem Zuſtande auf der Landſtraße liegenden Arbeiter aus Goldhauſen mehrmals zu überfahren und derartig zu verletzen, daß derſelbe bald darauf ſeinen Geiſt aufgab. Eine zum Beſten der Hinterbliebenen des Ver⸗ unglückten unter Lehrern und Schülern veranſtaltete Geldſammlung ergab eine anſehnliche Summe, welche zu angemeſſener Verwendung dem Herrn Pfarrer Schumacher in N. Enſe über⸗ geben worden iſt.

Vom 23. bis 26. Juni wurden von der Prima die üblichen Probearbeiten geſchrieben.

Die Sommerferien dauerten vom 5. Juli bis 2. Auguſt.

Das Sedanfeſt wurde durch einen Redeakt gefeiert, bei welchem Gymnaſiallehrer Angermann die Feſtrede hielt über die nationale Bedeutung der Schlacht bei Sedan. Am Nachmittag wurde wie im vorhergehenden Jahre ein Ausflug nach der Alten Wieſe unternommen, wo die Jugend ſich im Freien an fröhlichen Spielen ergötzte.

Die ſchriftliche Prüfung der Abiturienten wurde vom 11. bis 15. Auguſt vorgenommen. Die mündliche Prüfung fand unter Vorſitz des Herrn Provinzial⸗Schulrats, Geheimenrats Dr. Lahmeyer am 10. September ſtatt. Den vier Abiturienten wurde das Reifezeugnis zuerkannt.

Aufgaben für die ſchriftliche Prüfung. Deutſcher Auſſatz: Das Leben iſt der Güter böchſtes nicht; der Übel größtes aber iſt die Schuld. Lateiniſcher Aufſatz: De Cn. Julii Agricolae moribus. Deutſche Über⸗ ſetzung aus dem Griechiſchen: Demosth. zaærd Dilmριον B,§. 6. Mathematik: 1) Ein Beamter zahlt von ſeinem 35. Jahre an am Anfang eines jeden Vierteljahres 200 ein, um von ſeinem 66. Jabre an am Anfang jeden Monats eine Rente von 200 zu beziehen. Nachdem er dieſelbe 4 Jahre genoſſen hat, ſieht er ſich durch Verluſt ſeiner Penſion genötigt, monatlich 300 zu erheben. Wie lange kann er noch die Rente ge⸗ nießen, wenn 4% gerechnet werden? 2) Ein Sehnenviereck zu konſtruieren aus einer Seite a, dem von der Seite b und der Diagonale e gebildeten Winkel be, der Halbierungslinie dieſes Winkels wa und dem Verhältnis der Seiten c: d=m'e:n. 3) Auf einer 1= 1500 m langen, um«= 12 geneigten Ebene begegnen ſich zwei Körper: der eine hatte beim Beginn der Steigung eine Anfangsgeſchwindigkeit c= 60 m, bewegt ſich alſo aufwärts, während der andere gleichzeitig ohne Anfangsgeſchwindigkeit vom oberen Endpunkte der Bahn ſich abwärts be⸗ wegt. In welcher Entfernung vom oberen Ende der Bahn findet die Begegnung ſtatt? Welche Geſchwindigkeit