Jahrgang 
1888
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13 III. Chronik des Gymnaſtums.

Das neue Schuljahr begann am 18. April mit der Aufnahme 20 neuer Schüler. Aus dem Lehrerkollegium ſchieden zwei Lehrer aus: 1) Pfarrer W. Seehauſen, dem durch Beſchluß Fürſtl. Konſiſtoriums die Pfarrſtelle zu Immighauſen übertragen war, und der wiſſenſchaftliche Hilfslehrer Dr. Ferdinand Heymach, welcher in gleicher Eigenſchaft an das Gymnaſium zu Marburg verſetzt worden war. Beiden Herren ſage ich im Namen der Anſtalt für ihre treuen Dienſte an der Schule den aufrichtigſten Dank. An Heymachs Stelle trat Alex. Wende,*) bisher Hilfslehrer am Gymnaſium zu Marburg. Der von Pfarrer Seehauſen bis dahin gegebene Unterricht im Hebräi⸗ ſchen und in Religion wurde dem Pfarrverweſer cand. theol. Ludwig Schluckebier in Niederenſe proviſoriſch übertragen. Der Kand. Adam Angersbach aus Caſſel begann ſein Probejahr.

Während des Semeſters war Kand. Hirſchfeld zu einer Swöchentlichen, Hilfslehrer Wende zu einer 13tägigen und der ord. Lehrer Weidenbach zu einer 6wöchentlichen militäriſchen Üübung ein⸗ gezogen.

Vom 17. bis 21. Juni wurden von der Prima die üblichen Probearbeiten geſchrieben.

Die Sommerferien dauerten vom 3. bis 31. Juli.

Die ſchriftliche Prüfung der Abiturienten wurde vom 8. bis 13. Auguſt vorgenommen.

Das Sedanfeſt wurde durch einen Redeakt gefeiert, wobei G.⸗L. Wende die heſtede hielt, in der er den Lebens gang des Feldmarſchalls von Moltke behandelte. Nachmittags wurde, da das beabſichtigte Waldfeſt wegen ſchlechten Wetters unterbleiben mußte, ein Ausflug nach Berndorf unternommen.

Die mündliche Reifeprüfung fand unter Vorſitz des Herrn Provinzial⸗Schulrats Dr. Lahmeyer am 16. und 17. September ſtatt. Sämmtliche 15 Abiturienten beſtanden, fünf von ihnen wurden von der mündlichen Prüfung befreit.

Aufgaben für die ſchriftliche Prüfung. Deutſcher Aufſatz: Wodurch wurde die Blüte der deutſchen Poeſie im Mittelalter hervorgerufen? Lateiniſcher Aufſatz: Demosthenes quanta fuerit virtute. Deutſche Über⸗ ſetzung aus dem Griechiſchen: Lysias xuõν ˙oœrοσσεινονs§. 4- 9. Mathematik: 1) Der Recipient einer Luftpumpe halte a, der Stiefel b com. Nach wie viel Kolbenſtößen wird die Dichtigkeit der Luft der urſprünglichen betragen? a 6912: b= 1044: c= 10. 2) Ein Dreieck zu konſtruieren, aus der Differenz der Radien des der Seite c anbeſchriebenen und des einbeſchriebenen Kreiſes oc 0.= d, der Differenz der der Seite c anliegenden Winkel«.= d und der Höhe ho. 3) Die Seiten und Winkel eines Dreiecks zu berechnen, wenn gegeben ſind: Die Differenz der Radien des der Seite c anbeſchriebenen und des einbeſchriebe⸗ nen Kreiſes oc 6= d, der Flächeninhalt F und der der Seite c gegenüberliegende Winkel p. Beiſpiel ge0 213,3333 cm; F= 6960 qcwm:= 85 11: 58˙6. 4. Ein ſilbernes regelmäßiges Tetraeder und ein kupfer⸗ nes Oktaeder von gleichem Gewicht ſollen benutzt werden, um aus ihnen zwei möglichſt große Kugeln berauszu⸗ arbeiten. Wie verhalten ſich die Rauminhalte dieſer Kugeln zu einander, wenn die ſpezifiſchen Gewichte des Silbers und Kupfers beziehungsweiſe= 10,6 und 8,9 ſind?

Die Herbſtferien dauerten vom 25. September bis 9. Oktober. Nach denſelben traten 7 neue

Schüler ein. Während des Winterſemeſters verſah der Kand. Ludwig Zobel das Ordinariat von VI.

*) Alexander Wende, geboren am 11. Juni 1859 zu Rambach, Reg.⸗Bez. Caſſel, beſuchte das Progymnaſium zu Eſchwege und das Gymnaſium zu Hersfeld und ſtudierte klaſſiſche Philologie zu Leipzig und Marburg, wo er im März 1883 die Prüfung pro facultate docendi ablegte. Nachdem er ſeiner Militärpflicht genügt batte, lei⸗ ſtete er von Oſtern 1884 bis ebendahin 1885 ſein Probejabr an den Gymnaſien zu Fulda und Rinteln ab, war darauf in Rinteln noch weiter thätig und ſeit Herbſt 1886 in Marburg als Hilfslehrer beſchäftigt. Oſtern 1887 wurde er als Hilfslehrer dem hieſigen Gymnaſium überwieſen.