Jahrgang 
1876
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Am 2. September wurde das Nationalfeſt durch einen Schulactus gefeiert. Nach dem ChoralLobe den Herrn folgten Declamationen der Schüler Götte(I A.), B. Waldeck(II B.), Hildebrand(III A.), Nebelſiek(lII A.), Schmidt(IV), Severin(IV), Richter(V), Knoll(VI. Zwiſchen denſelben gelangte die Kotzoltſche Compoſition des LiedesMacte imperator von F. Dahn zur Aufführung. In der Feſtrede beantwortete der Director die Frage: Welchen Antheil nimmt die Schule an der Feier des 2. September? Nach dem Actus nahm das Gymnaſium an dem feſtlichen Kirchgange der Bürgerſchaft ſowie Nachmittags an dem allgemeinen Feſtzuge Theil. Ein für den ſpäteren Nachmittag beabſichtigtes Schauturnen der Gymnaſiaſten im Schieß⸗ hagen gelangte leider wegen des ungünſtigen Wetters nur theilweiſe zur Ausführung.

Am. 4. September wurde unter Vorſitz des Herrn Provinzialſchulraths Dr. Rumpel und in Anweſenheit der Curatoriummitglieder die mündliche Prüfung der Abiturienten Hodiesne, Heyne und Barchfeld abgehalten. Alle drei erhielten das Zeugniß der Reife. Am nächſten Tage wohnte der Herr Provinzialſchulrath in der Sexta einer Doppellection und danach dem Turnen der Schüler im Schießhagen bei.

Der Geſundheitszuſtand des Lehrercollegiums und der Schüler war ein befriedigender. Nur Erkältungskrankheiten der letzteren verurſachten gegen Ende des Winters zahlreichere Ver⸗ ſäumniſſe. Einen guten und hoffnungsvollen Schüler, Walter Mogk(VI), Sohn des hieſigen Amtsrichters Mogk, verlor die Anſtalt in jener Zeit leider durch den Tod. Die Schule gab ihm das Grabgeleit. Längere Verſäumniſſe von Lehrern wurden nur veranlaßt durch die zwei⸗ malige Einberufung des Herrn Conrector Waldeck zum Landtag nach Arolſen; durch die Theil⸗ nahme des Herrn Eſau an der in Wiesbaden abgehaltenen Generalverſammlung des Vereines von Lehrern der höheren Unterrichtsanſtalten der Provinz Heſſen⸗Naſſau und des Fürſtenthums Waldeck und der Einziehung des Directors nach Frankfurt a. M. zu einer zwölftägigen Land⸗ wehr⸗Dienſtübung behufs Ausbildung mit dem Mauſergewehre.(5.17. Juni.)

Vermittelſt der vom Herrn Miniſter der geiſtlichen ꝛc. Angelegenheiten dem Baufonds des Gymnaſiums überwieſenen Beſoldungserſparniſſe konnten umfangreichere bauliche Veränderungen und Reparaturen ausgeführt werden. Die bisherige Pedellenwohnung wurde in ein geräumiges Klaſſenzimmer umgewandelt, aus den bisherigen Holzſtällen im Flügelbau eine größere und beſſere Pedellenwohnung, aus dem bisherigen Carcer ein neues phyſikaliſches Cabinet hergeſtellt, während durch Hinzuziehung des bisherigen Cabinets zur jetzigen Sexta ein angemeſſen größeres Klaſſenzimmer gewonnen werden wird. Das Dach des Hauptgebäudes und Flügelbaues wurde umgelegt und den neuen geſetzlichen Beſtimmungen wegen Feuersgefahr gemäß her⸗ gerichtet. Die Holzſtälle wurden in einen aus Fachwerk neu aufgeführten Schuppen verlegt.