A Schluſſe der vorjaͤhrigen öffentlichen Prüfung wurden 25 Zöglinge, und zwar 10 katholiſche und 15 evangeliſche mit nicht ganz gleicher Befähigung zum Schulamte aus unſerer Anſtalt entlaſſen. Von dieſen ſind bis jetzt alle katholiſche und 12 evangeliſche angeſtellt. Dieſe werden— auch bei der dankbarſten Erinne⸗ rung an das Seminarium— bis daher ſchon wahrgenommen haben, daß des fleißigen Lehrers vorzüglichſte Bildungsſtätte ſeine eigene Schulſtube iſt. In Id⸗ ſtein Erweckung, dort das Bewußtwerden des Könnens; hier das Einſammeln von Kenntniſſen, dort die Anwendung; hier Anleitung, dort Ausfuͤhrung; hier Zög⸗ ling, dort Erzieher. Darum iſt die Schule des Lehrers höhere Bildungsſtätte, ſolang er ſie nur beſucht mit Herz und Sinn, und empfaͤnglich bleibt fur alle Er⸗ ſcheinungen der Kinderwelt, und ungebeugt bei den übrigen Erfahrungen des Le⸗ bens: und es bleibt wahr, ſo widerſprechend es auch lautet— die größten Lehrer ſind diejenigen, welche nie aufhören, Schüler zu ſeyn..
Darum können auch minder befähigt Entlaſſene unter einer weiſen und vä⸗ terlichen Leitung, und bei gutem Willen und Eifer doch gute und brave, ja zu⸗ weilen noch beſſere Volksſchullehrer werden, als manche, die gut begabt ſind an Geiſt, die aber nicht den kindlich frommen Sinn und wahre Liebe zur Sache mit in die Schule bringen. Dieſe Hoffnung iſt auch bereits durch mehr als eine Er⸗ fahrung gerechtfertigt.— Unſere beſten, würdigſten und achtbarſten Zöglinge blei⸗ ben aber immer nur die, bei denen Kopf und Herz im vollkommenſten Einklange ſind; die das Licht der Wahrheit ſchauen, ohne der Wärme für alles Gute und
ihren Beruf zu ermangeln.


