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Kaiſer auch fernerhin erhalten. Die königliche Kabinettsordre vom 10. Auguſt, die ihm die Ernennung brachte, ſchloß mit den Worten: „Ich kann nur auf die Geſchichtsbücher der letzten fünfundzwanzig Jahre weiſen und kann mit vollſter Überzeugung ausſprechen, daß Sie als Chef des Genexalſtabes der Armee in hochgeehrteſtem Andenken ſtehen werden, ſo lange es einen preußiſchen Soldaten, ein preußiſch ſchlagendes Herz und Soldatenempfindung in der Welt gibt.“
Am 8. März des folgenden Jahres feierte Moltke ſein 70jähriges Dienſtjubiläum. Damals widmeten ihm die Wespen den trefflichen Gruß:
„Treu durch ſiebzig lange Jahre, Jüngling du im weißen Haare, Rühmend preiſt die Welt dich ſo: Schlachtenſinnend
Und gewinnend,
Wortverachtend, thatenfroh,
Laut wie Sturm in heißer Fehde, Und am Tag des Sieges ſtumm, Schufſt du nach der eignen Weiſe, Ihm zum Heil und dir zum Preiſe, Mächt'’gen Griffs ein Volk der Rede In ein Volk der Thaten um.“
In welcher Weiſe Alldeutſchland den 90. Geburtstag ſeines Moltke feierte, iſt in aller Erinnerung— eine Feier, wie ſie glänzender kaum je einem Feldherrn von Fürſten und Völkern bereitet ward. In der Erinnerung lebt auch die bittere Stunde, da am 24. April 1891, kurz vor 10 Uhr abends, nachdem er am Nachmittage noch einer Sitzung des Herrenhauſes beigewohnt, am Abend im Kreiſe der Familie ſeines Reffen Helmuth mit gutem Appetit den Thee eingenommen, dann noch eine Whiſtpartie gewonnen hatte, der ſieggekrönte Feldherr die Augen ſchloß zum ewigen Todesſchlaf. Ein Herzſchlag hatte ſanft und ohne Schmerzen ihn hinweggenommen. Ganz allgemein war die Trauer, nicht in Deutſchland nur, nein in der weiten Welt. Als unſer Kaiſer die Trauerkunde empfing, war er tief erſchüttert.„Ich habe eine Armee verloren“— ſo telegraphierte er von der Wartburg zurück.
Run ſchläft er in dem Park von Areiſau, in der ſtillen Toten⸗ kammer, an der Seite ſeines frühverklärten Weibes. Er ſchläft, doch ſeine Thaten leben fort; an ſeinem Lebenswerk, der Größe der Armee, arbeiten in ſeinem Geiſte unermüdlich wackere Männer. Nicht der Krieg war der letzte Zweck von Moltkes Thun, der Friede war es, nicht der ewige zwar— dieſen hielt er für einen Traum und nicht ein⸗


