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Se
Lebensabend.
o lange Wilhelm I. lebte, dachte Moltke nicht ernſtlich ans
Gehen; ein Abſchiedsgeſuch vom Dezember 1881 war abſchläglich beſchieden, zugleich aber Graf Walderſee zu
ſeinem Stellvertreter ernannt worden. Auch den toten Friedrich ge⸗ leitete Moltke am 18. Juni 1888 noch in ſeiner alten Würde in die Friedenskirche in Potsdam, und am 25. Juni desſelben Jahres ſtand er, der ſchon fünf Königen gedient hatte, als Träger des Reichspaniers und Reichsſchwertes bei Eröffnung des Reichstags am Throne des ſechſten, Wilhelms II. Dann aber hielt er ſeine Stunde für ge⸗ kommen. Am 3. Auguſt 188s erbat er in rührend ſchlichten Worten den Abſchied:„Euer M. M. Majeſtät bin ich anzuzeigen verpflichtet, daß ich bei meinem hohen Alter nicht mehr ein Pferd zu beſteigen vermag. Euer Majeſtät brauchen jüngere Mräfte, und iſt mit einem nicht mehr felddienſtfähigen Chef des Generalſtabes nicht gedient. Ich werde es als eine Gnade erkennen, wenn Euer Majeſtät mich dieſer Stellung entheben und mir huldreich geſtatten wollen, den kurzen Reſt meiner Tage in ländlicher Zurückgezogenheit zu verleben....“ Dem Wunſche ward Gewährung, zugleich aber wurde Moltke zum Präſes der Landesverteidungs⸗Kommiſſion ernannt, ein Amt, das durch Friedrichs Tod verwaiſt war; auch behielt er ſeine Wohnung im Generalſtabs⸗ gebäude bei. So blieb der Rat des kriegserfahrenen Helden dem


