Jahrgang 
1900
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des Sultans eine Reiſe durch Rumelien, Bulgarien und die Dobrudſcha; zurückgekehrt, gings nach den Dardanellen und der ſagenumwobenen Stätte von Troja.

Größere Aufgaben aber harrten unſers Helden. Während Sultan Mahmud mit Eifer ſeine Reformen betrieb, war ihm in einem Grenz⸗ lande des Reiches ein ſchlimmer Feind erſtanden, Mehemet Ali nämlich, der Paſcha von Agypten. Von niedriger Herkunft aus Kavala in Makedonien, aber ein Mann von politiſchem Verſtand und Feldherrn⸗ gaben, hatte Mehemet 1811 die Macht der Mamelucken, des bis da⸗ hin allmächtigen ägyptiſchen Uriegeradels, in furchtbarem Blutbad ge⸗ brochen und ſeine Herrſchaft über das untere Nilthal und Arabien ausgedehnt. Für die wertvollen Dienſte, die er der Pforte in dem Uampfe gegen Griechenland geleiſtet hatte, hatte Mehemet das Paſchalik Damaskus verlangt, und als es ihm verweigert wurde, ſeinen Adoptiv⸗ ſohn Ibrahim zur Eroberung Syriens ausgeſandt. Im Frieden von Uutahia vom Mai 1835 wurde Mehemet Ali in der Erbſtatthalter⸗ ſchaft von Ugypten beſtätigt; außerdem erhielt er die Verwaltung von Syrien und Ureta, ſein Sohn die von Adana und Tarſos. Jetzt richtete der ſiegreiche Rebell ſeine begehrlichen Blicke auf weitere Teile des Halbmondreiches bis hin nach Basra oberhalb der Euphrat⸗ mündung. Dadurch ſah ſich nicht nur der Sultan in ſeinem Länderbeſitz, ſondern auch England in ſeinen Handelsintereſſen ſchwer bedroht. Eng⸗ land ſchürte, der lieben alten Gewohnheit treu, den Arieg; ſo⸗ wohl der Sultan als der Paſcha rüſtete: an der Grenze Syriens mußte die Entſcheidung fallen. Moltke und Hauptmann von Mühlbach waren dazu auserſehen, den türkiſchen Generalen in leinaſien als Rat⸗ geber zur Seite zu ſtehen; Fiſcher, Laue und von Vincke folgten ſpäter. Anfang März 1858 begaben ſich die beiden Offiziere zu Schiff nach Samſun am Schwarzen Meer und ſodann zu Lande über Amaſia, Tokat und Siwas ins Hauptquartier der türkiſchen Taurusarmee, das ſich in Meßre bei Karput in Kurdiſtan befand. Von hier aus unternahm Moltke im Auftrage des Oberkommandierenden, Hafiß Paſchas, eines Tſcherkeſſen von Geburt, der ſich vom Palaſtſklaven des Sultans zum General emporgeſchwungen hatte, eine Reihe wichtiger Streifzüge, die für die wiſſenſchaftliche Erſchließung der obern Euphrat⸗ und Tigrisländer in Wort und Karte von srößter Bedeutung ge⸗ worden ſind. Am 253. März ſchon trat er eine Reiſe nach der ſyriſchen Grenze an. Über Malatia führte der Weg nach Weſten durch das unwirtliche Taurusgebirge in das grünende Chal von Maraſch, von da wieder oſtwärts nach Adiaman und dem am Euphrat ge⸗

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