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Unter dem halbmond.
— er März des Jahres 1855 brachte Moltke die Beförde⸗ rung zum Hauptmann. Im September desſelben Jahres wohnte er, zur Dienſtleiſtung bei den Prinzen von Holſtein⸗Glücksburg kommandiert, den Manövern in Schleſien bei und war dann bei der großen Heerſchau der verbündeten preußiſchen und ruſſiſchen Truppen bei Kaliſch zugegen. Jetzt nahm er Urlaub, um hinauszuziehen in die Ferne, nicht zum Vergnügen, zur Erholung freilich, nein, zu ernſtem Thun. Lernen wollte er vor allem. Die Länder und Stätten der klaſſiſchen Kultur übten einen mächtigen Zauber auf ihn aus. In Konſtantinopel gedachte Moltke einige Zeit zu verweilen, dann nach Griechenland zu gehen und Italien, wo er vorübergehend ſchon einmal geweſen war. Verſunkene, vergehende und werdende Kulturen gab es hier zu ſchauen; Länder, mannigfach geartet; Völker verſchiedener Raſſe, Sitten, Glaubens, Denkens, Thuns; Gegenſätze, form⸗ und farbenreich, wohl geeignet, den Verſtand zu ſchärfen, die Erkenntnis zu erweitern. Anders, ganz anders iſts ge⸗ kommen, als geplant war. Aus den Wochen wurden Monde, aus den Monden Jahre, uns zu Rutz und Frommen: die Heit, die Moltke im Türkenreich verlebte, es iſt die Lehr⸗ und Wanderzeit des künftigen Generalſtabschefs. Im Oktober 1835 brach Moltke— ſechs Monate Urlaub waren ihm bewilligt, der halbe Gehalt aber geſtrichen worden—


