Jahrgang 
1900
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Da haben wir wohl keine beſondere Aquiſition gemacht, meinte der Prinz. Bald ſchon wurde er eines Beſſern belehrt. Es wurden ihm Feſtungspläne und andere Arbeiten junger Offiziere vorgelegt. Der Prinz ſtaunte über einen Plan, den Moltke entworfen hatte, und ſagte zu den Generalen ſeiner Begleitung:Ich bitte auf dieſen jungen Offizier, der ſo dünn iſt wie ein Bleiſtift, ein Auge zu haben, denn ſeine Arbeit iſt vorzüglich; aus dieſem Menſchen kann gewiß etwas werden. So hat der große Uönig ſeinen großen Feldherrn entdeckt.

Im folgenden Jahr durfte der ſtrebſame junge Offizier die All⸗ gemeine Mriegsſchule in Berlin beziehen und hörte hier mit Vorliebe den Major von Canitz in Kriegsgeſchichte, Profeſſor Ritter, den Vater der neueren Erdkunde, in Geographie, Profeſſor Erman in Phfſik. Bald merkten ſeine Lehrer, daß der Leutnant von Moltke ein Mann von nicht gewöhnlichen Gaben ſei. Das erſte Zeugnis, das er im Februar 1825 erhielt, lautete:

Analyſis des Unendlichen...... vorzüglich gut. Terrainlehre.............. recht gut. Allgemeine Geſchichte........ reecht gut. Statiſtik........... recht ſehr Jut. Taktif........... recht gut. Theorie des Aufnehmens...... ganz vorzüglich. Aufnahmen........... vorzüglich. Franzöſiſche Sprache....... Aut. Pferdekenntnis.......... reecht gut. Aufführung.. tadellos.

Ohne väterlichen Zuſchuß der Yater hatte 1816 das Gut Auguſtenhof mit großem Verluſt verkauft, allein auf die ſchmale Leutnantsgage angewieſen, befand ſich Moltke nicht gerade in beneidens⸗ werter Lage. Aber ſich zu beſchränken und zu darben, hatte er ja in Mopenhagen gelernt, und ſo ſchlug er ſich auch jetzt durch, ſchlecht und recht, ſeinem anſpruchsloſen Körper nur das Notwendigſte gönnend, die mächtig lodernde Flamme ſeines Geiſtes aber nach Kräften nährend. Auch ſpäter ging es dem Leutnant Moltke noch manchmal knapp; im Januar 1851 ſchrieb er an ſeine Mutter kindlich einfach faſt:Meinen Kaffee werde ich nach Deinem Rezept machen, auch komme ich der großlöcherigen Maſchine mit einem Stück Löſchpapier zu Hülfe, was ihn ſchon ſehr verbeſſert hat. Freilich bin ich wieder ganz in meinem alten Geleiſe. Meine größte Erholung iſt das franzöſiſche CTheater, wo ich abonniert bin und das Billet für den halben Preis habe. Ich habe einen ſehr guten Mittagstiſch, dafür gebe ich aber

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